Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Wie man Ängste loswird

 

Wir warten auf das Ende der Coronavirus-Pandemie, anstatt jetzt aus ihr zu lernen. Das Ergebnis kann verheerender sein, als die Pandemie selbst.

Je länger das Coronavirus unter uns weilt, desto stärker sind seine Auswirkungen auf die verschiedenen Lebensbereiche. Nicht nur Gesundheit und Wirtschaft leiden, auch unsere geistige und psychische Verfassung wird in Mitleidenschaft gezogen. Angstsyndrome betreffen heute nicht nur traditionell gefährdete Gruppen, sondern auch größere Bevölkerungsschichten, darunter Kinder und Jugendliche.

Beängstigende und panische Gedanken, wie die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren, die Angst vor dem Tod, Druck aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Umstände: all dies betrifft Millionen von Menschen in unterschiedlichem Maße und beeinträchtigt ihren Alltag.

Das Unbekannte ist immer beunruhigend und beängstigend. Es ist eines der Hauptfaktoren für psychische Probleme. Wenn man nicht weiß, was der Morgen bringt, hat man das Gefühl, eingesperrt zu sein, weiß nicht, wohin man gehen und was man tun soll. Unsicherheit führt zu Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit und Stillstand.

Noch schlimmer ist, dass wir uns dieses Gefühl gegenseitig vermitteln. Es ist wie ein Virus, das sich in der Gesellschaft ausbreitet. Schließlich sind alle Menschen in diesem einen System verbunden, das in der Kabbala Adam haRishon heißt. Was ich in mir selbst finde, kommt irgendwie von den anderen und wird weiter übertragen. Bewusst und unbewusst infizieren sich die Menschen ständig gegenseitig mit Negativität.

Das ist das Paradoxon der modernen egoistischen Gesellschaft: die untrennbaren Teile des Ganzen fühlen sich in ihr getrennt, allein und verloren. Wir leiden unter der Dissoziation, ziehen sie jedoch weiter der Verbindung vor.

Bei Betrachtung des Gesamtbildes wird klar, dass die Lösung der gegenwärtigen Probleme eine interaktive, das ganze System umfassende Wechselwirkung enthalten muss. Wir kämpfen nicht nur gegen das Coronavirus und seine Folgen, sondern auch gegen ein System, das wir absolut nicht verstehen, auch wenn wir es bereits hätten verstehen müssen.

Alle Probleme, denen wir in dieser allgemeinen Struktur begegnen entstehen aufgrund der uns eigenen Überheblichkeit. Wir erkennen die Gesetze des Systems nicht, übergehen und ignorieren seine Signale und Warnungen. Um den eigenen wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden, unterbricht der Mensch die Verbindungen und erfindet Ersatzstrukturen, die zum Scheitern verurteilt sind.

Der Mensch lehnt einfache, richtige Entscheidungen ab, obwohl sie offensichtlich sind.

Wie können wir Menschen helfen, die den Boden unter den Füssen verloren haben, die sich unterdrückt, verwirrt und deprimiert fühlen? Natürlich müssen sie im wahrsten Sinne des Wortes umarmt werden. Sie brauchen Unterstützung, Ermutigung, sowie Wärme und Fürsorge.  Wenn ich weiß, dass ich nicht allein bin, dass ich nicht meinem Schicksal überlassen werde, ändert sich alles. Fühle ich von den Menschen, die mich umgeben, aufrichtige Freundlichkeit, beruhige ich mich, wie ein Baby in den Armen seiner Mutter. Gleichzeitig muss ich natürlich auch selbst eine „liebende Mutter“ in Bezug auf andere sein.

Unser Leben verändert sich konstant. Das Gewohnte wird uns genommen, unsere Illusionen zerstört. Wir warten darauf, dass alles wieder zum Alten zurückkehrt. Wir sind desorientiert und fürchten uns vor dem Neuen.

Ich wünschte, ich könnte die ganze Menschheit zusammenbringen, damit ich alle umarmen könnte. (Kabbalist Abraham Kook)

In turbulenten Zeiten des Übergangs, ist das einzige Heilmittel Mitgefühl. Will jeder den anderen innerlich umarmen, wird unerschütterliches Vertrauen vermittelt, statt Angst. Nur so können wir uns gegenseitig heilen und voller Kraft und Hoffnung in eine neue Phase eintreten. Nur so werden wir beginnen, das allgemeine System und unsere Rolle darin zu verstehen.

Wir lernen ein integrales Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Einerseits halten wir uns voneinander fern, damit wir mit der Negativität, die die Gemeinsamkeit untergräbt, nicht alle Arten von Viren aufeinander übertragen, andererseits nähern wir uns in dem, was uns erlaubt, die Kommunikation zu stärken und einander Positives zu übermitteln. Dies ist die Art von „sozialer Quarantäne“, durch die jeder zu einem Wegweiser des Vertrauens wird und dieses daher durch den Einfluss der anderen selbst empfindet.

Wir sind nahe dran. Viel näher als es scheint. Wir sind bereits auf die richtige Frequenz eingestellt. Wir haben noch nicht begonnen, auf ihr zu senden, haben noch nicht verstanden, dass dies die Frequenz unserer Verantwortung, unserer Berufung und unserer Zukunft ist. 

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