Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Renaissance der Liebe

 

Eine große Zahl von Büchern ist über die Liebe geschrieben worden, viele Filme wurden gedreht, viel Forschung betrieben. Die Liebe aber, bleibt ein Rätsel. Und es ist zunehmend schwieriger, eine funktionierende Beziehung zum anderen Geschlecht aufzubauen.

Selbst wenn ein Funke zwischen zwei Menschen überspringt, beginnen die Liebenden nach einiger Zeit an der Wahrheit und Stärke ihrer Gefühle zu zweifeln.

In der Natur ist alles viel einfacher. Tiere bilden zu einem gegebenen Zeitpunkt Paare, indem sie anhand klarer Zeichen einen Partner nach einem einzigen Kriterium auswählen: gesunden und überlebensfähigen Nachwuchs. Dafür am besten geeignet ist, wer stärker, jünger oder höher im Rang ist. Die Natur lässt hier keinen Raum für Fehler.  

Bei den Menschen ist das viel verwirrender und problematischer. Einerseits sind wir in der Lage, uns über den tierischen Algorithmus zu erheben, andererseits können wir aber auch tiefer fallen, weil wir nicht einmal in der Lage sind, unsere Beziehung auch nur auf dem Niveau von Tieren aufrechtzuerhalten. Tiere machen keine Fehler. Wir hingegen irren zunehmend, je weiter wir uns entwickeln.

Daher ist es von Vorteil, zu verstehen, wie wir uns über das tierische Niveau erheben können. 

Wozu hat die Natur das so eingerichtet? Denn es ist ein starker Instinkt: das sexuelle Bedürfnis folgt unmittelbar dem Bedürfnis nach Nahrung. Ohne Nahrung kann ein Mensch nicht leben. Ist Nahrung vorhanden, eilt er sofort los, um einen Partner und Sex zu finden.

Beim Essen ist simpler: Wenn man sehr hungrig ist, ist die Sättigung das Wichtigste. Weniger wichtig ist dabei womit diese erreicht wird.  Im Bezug auf den „Urinstinkt“ jedoch, ist der Mensch oft verwirrt: Einerseits benötigt er, wie auf der tierischen Ebene, einfach nur Sex. Dies macht ihn kompromissbereit. Andererseits sucht er neben dem Sex auch nach einer Art innerer Verbindung.

Und genau da täuschen sich die Partner, da sie nicht wissen, wie sie beide Forderungen vereinen können. Auf der nur “die Fortpflanzung” betreffenden Ebene, sind die Kriterien klar: Die Partnerin sollte derselben Umgebung entstammen, eine ähnliche Erziehung genossen haben und entsprechende Ernährungsvorlieben und Werte besitzen. In der Vergangenheit haben Männer bei der Auswahl ihrer Frauen nur diese Kriterien berücksichtigt.

Es ist kein Zufall, dass Weibchen in der Tierwelt nicht die Weibchen attraktiv sind, sondern die Männchen. Das heißt, es geht nicht um die äußere Schönheit, sondern um die körperliche Gesundheit, die früher auch das Hauptkriterium war.

Im Prinzip “kaufte” der Mann seine Frau, die sich dann um ihn kümmerte und Gefühle für ihn entwickelte. In den meisten Fällen war es nur eine Frage der Gewöhnung. Die Menschen gestalteten das Familienleben auf einfache, praktische und geschäftliche Weise.

Im Laufe der Zeit nahm der Egoismus zu. Das Mittelalter verzeichnete in dieser Hinsicht einen neuen “Höhepunkt”. Zunächst in den oberen Schichten der Gesellschaft, da ihr Ego schneller wuchs, dann auch zunehmend in allen anderen Schichten. Noch heute gibt es in manchen Ländern der Welt Menschen, die diesen Aspekt des Lebens einfacher gestalten, ohne hohe Ansprüche und ohne grosse Gefühlsverwirrungen. Das macht sie übrigens in diesem Lebensbereich recht erfolgreich im Vergleich zu denen, die ihnen in der Entwicklung des Egoismus voraus sind.

Virtuelles Sein

Unser heutiges starkes egoistisches Verlangen fordert uns keine ernsthaften, langfristigen und tiefen Gefühle ab, keine Liebe, sondern sucht momentane, starke Emotionen, die sofort nach ihrer Befriedigung einer Suche nach Neuem weichen müssen. 

Von Jahr zu Jahr sind immer weniger Menschen in der Lage, eine gute und stabile Beziehung zum Partner aufzubauen. Die Institution Familie bröckelt. Wir befinden uns in einer Umbruchphase.

Unser Egoismus hat sich so weit entwickelt, dass wir nicht mehr wissen, wie wir eine direkte Verbindung zueinander aufbauen können. Wir versuchen es auch nicht mehr. Die Kommunikation über Telefon und Internet, so scheint uns, ist einfacher und bewahrt unser Ego vor vermeintlichem Schaden. Selbst wenn Romantik entsteht, ist da immer noch eine Art innerer Schutz, der eine wahre Annäherung nicht zulässt.

Das sind die Fakten; ganz gleich wie wir darüber denken mögen. Es gibt ein Verlangen in uns, aber wir können es nicht erfüllen. Vielleicht möchte ich mich innerlich ganz dem Gefühl der Seelenverschmelzung mit meinem Partner hingeben, aber ich bin dazu nicht in der Lage. Es ist, als gäbe es in mir eine innere Barriere, die es mir nicht erlaubt, mich zu öffnen. Und ich sehe, dass es meinem Partner auch so geht. Auch er macht dicht und versteckt sich hinter verschiedenen Masken, die nur sehr schwer abnehmbar sind.

Am Ende besteht unser ganzes Leben vornehmlich aus virtuellen Verbindungen. Vor allem heute, da das Coronavirus die physische Distanz immer öfter erzwingt. Unser Tag ist angefüllt mit Telefonaten, E-Mails und Beiträgen in sozialen Netzwerken.

Wenn ich mich jedoch selbst nicht öffnen kann, was kann ich dem anderen dann geben?

Dies ist das Problem eines Menschen, der sich selbst nicht kennt. Besonders heute, da unser zunehmender Egoismus die Welt zwar modern, unser Leben jedoch nicht unbedingt qualitativer macht.

Rückkehr zur Kindheit

Um dies zu ändern, sollten wir uns in unsere „Kindheit“ zurückversetzen. In die einfache und aufrichtige Liebe zwischen Mutter und Kind. Dann werden wir wieder eine tiefe, innere Verbundenheit spüren können. Auch in der Beziehung zum Partner, suchen wir nach dieser selben Art Liebe, nur auf einer anderen Ebene.

Zwischenmenschlichen Beziehungen kommt heute eine zentrale Bedeutung zu. Und es ist ihre Veränderung, die die Grundlage für die Korrektur der menschlichen Gesellschaft weltweit darstellen wird. Dieser Wandel beginnt mit der richtigen Verbindung in der Familie, heute dringender denn je. Viele Menschen sind vom Familienleben oft frustriert. Sie wissen nicht mehr, wie sie eine klare Unterscheidung zwischen Sex und Seelenverbindung (oder Liebe) treffen können. Sie müssen wieder lernen, das eine mit dem anderen richtig zu verbinden.

Ohne den Grundsatz, “Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst” kann es  keine richtige Verbindung geben. Wahre Liebe bedeutet, sich aufrichtig am anderen zu erfreuen, ihm Herzenswärme zu schenken und sich über seine Freude mehr zu freuen, als über die eigene.

 

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