Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

COVID-19 und Antisemitismus: Eine unsichtbare Verbindung

In The Times of Israel veröffentlicht: „ COVID-19 und Antisemitismus: Eine unsichtbare Verbindung “

Die Coronavirus-Pandemie, COVID-19, wird wie jede Krise in der Geschichte seit den Anfängen des jüdischen Volkes, eine Welle von Antisemitismus auslösen. Wir sehen ihn bereits aufkeimen in den sozialen genauso wie in den traditionellen Medien, in Graffiti-Darstellungen und Aggressionen auf der Straße. Die Menschen wissen eigentlich nicht, warum sie Juden hassen, aber jede Möglichkeit wird genutzt, um die angeborene Abneigung gegenüber dieser rätselhaften Nation zu äußern, die ihnen so erscheint, als ob sie kollaborieren, um die Welt zu beherrschen. Andererseits haben viele Juden in Wahrheit nicht das geringste Einfühlungsvermögen ihrem eigenen Volk oder dem Staat Israel gegenüber.

Es hat keinen Sinn, mit Antisemiten zu argumentieren, da der Hass irrational ist. Welcher Grund auch immer genannt wird, dessen Gegenteil wurde ebenfalls als Argument für ebenso erbitterten Judenhass benutzt. Wenn zwei entgegengesetzte Gründe dasselbe Phänomen erklären, bedeutet das, dass hier etwas Eigenartiges vorliegt. Wenn es um Antisemitismus geht, gibt es einen dreistufigen Prozess, um ihn aufzudecken: Zuerst schlummert ein unbewusster Hass, dann gibt es einen Auslöser in Form einer Krise, und schließlich werden Juden beschuldigt, diese Krise verursacht zu haben.

Juden wissen nicht, warum die Menschen sie hassen. Sie haben in der Regel keine dieser widersprüchlichen Anklagen begangen, die Antisemiten ihnen entgegenhalten. Und weil Antisemiten sie aus einem anderen Grund hassen als dem, den sie artikulieren, mildert eine Widerlegung des Vorwurfs den Ekel nicht. 

Der wahre Grund für Judenhass geht weit in die Vergangenheit zurück: Im alten Babylon, der Wiege der Zivilisation war Abraham – auf den sich übrigens sowohl das Judentum, genauso wie das Christentum und der Islam stützen – zutiefst beunruhigt über die wachsenden sozialen Spannungen, die er im Volk, den Babyloniern, beobachtete. Nach eingehender Prüfung hatte er erkannt, dass sie zunehmend egozentrisch wurden, und forderte sie auf, sich dessen bewusst zu werden, sich über diesen Trend zu erheben und ihre Einheit wiederherzustellen.

Nicht viele Menschen hörten auf Abraham, aber einige Tausend folgten ihm. Er wurde mit seinen Anhängern aus Babylon vertrieben und durchwanderte Gebiete bis zum Land Kanaan. Auf seiner Wanderung teilte er seine Erkenntnisse mit Allen, die ihm zuhörten. Er lud die Menschen ein, sich seiner Gruppe anzuschließen. Die einzige Aufnahmebedingung bestand in der Zustimmung des Prinzips der Einheit über allen Unterschieden hinweg.

Abrahams Gefolgschaft wuchs mehr und mehr an. Unter der Führung des Mose gelobten sie am Fuße des Berges Sinai „wie ein Mann mit einem Herzen“ zu sein und wurden offiziell zur “Nation Israel“. Genau dadurch wurde ihnen die Aufgabe übertragen, diese Einheit in die ganze Welt zu tragen und mit allen Nationen der Welt zu teilen, so wie es Abraham von Anfang an beabsichtigt hatte. Das ist der Sinn der Mission Israels, wie es heisst: „Ein Licht für die Nationen“ zu sein.

In der Zwischenzeit schwelgten die Menschen, die in Babylon blieben und Abraham nicht folgten, in ungezügeltem Egoismus und entwickelten Ressentiments gegenüber denen, die dieser „anderen“ Idee der Einheit über alle Unterschiede hinweg folgten. Diese alte „Kerbe“ ist die Wurzel des Hasses, den wir heute Antisemitismus nennen.

In jedem Menschen gibt es einen unbewussten Kampf zwischen diesen beiden Ansätzen: Der babylonische Archetyp „ich zuerst“ oder der jüdische Archetyp „wir zuerst“. Der Kampf, der sich zwischen beiden Ansätzen entfaltet, ist der Grund, warum Juden so oft des Egoismus und der Parteilichkeit gegenüber ihrem eigenen Volk beschuldigt werden, da die Welt sie nach einem viel höheren moralischen Standard beurteilt als jede andere Nation.

Aber selbst perfekte jüdische Moral und absolute Selbstlosigkeit werden den Judenhass nicht auflösen. Die Juden wurden erst eine Nation, nachdem sie sich von ganzem Herzen verpflichteten, „wie ein Mann mit einem Herzen“ zu sein. Nach ihrer Erklärung der Nationalität wurde den Juden die Aufgabe übertragen, „ein Licht für die Nationen“ zu sein, nämlich mit den Nationen der Welt den Weg der Einheit zu teilen. Diese Aufgabe war Abrahams anfängliches Bestreben, seine Idee der Einheit mit allen seinen babylonischen Mitbürgern zu teilen.

Besonders heute, wenn die Juden diese Aufgabe erfüllen mögen, können sie diesen Groll beenden, den “die Nachkommen der Babylonier” in jedem Menschen, die Abraham nicht nachfolgten, gegenüber “den Nachkommen Abrahams” in jedem Menschen empfinden. Es würde den Antisemitismus auflösen.

Heute, in den Tagen von COVID-19, hat die Welt mehr denn je das Gefühl, dass wir alle in einem Boot sitzen, dass es ein Loch im Boot gibt und niemand weiß, was es verursacht oder wie man es verkorkt. Sie geben den Juden die Schuld daran, wie immer, und erfinden unzählige Verschwörungstheorien, um den Hass zu rechtfertigen. Aber in Wahrheit ist der einzige Fehler der Juden, dass sie kein Beispiel der Einheit über alle Unterschiede geben. Das ist alles, was die Welt braucht, um den Coronavirus oder irgendeine andere Notlage zu überwinden, die in der Dunkelheit der Zukunft lauert.

Wenn die Menschheit vereint wäre, wäre es kein Problem, jede Krise zu überwinden. Gegenseitige Verantwortung ist heutzutage das am meisten benötigte Gut, und niemand wird in der Lage sein, diese Ressource auszubeuten; Juden müssen mit gutem Beispiel vorangehen.

Daher ist das Einzige, was Juden heute tun müssen, sich untereinander zu vereinen, um dem Rest der Welt ein Beispiel der Einheit zu geben. Und wenn die Welt sich vereinigt, werden die Probleme verschwinden.

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