Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Lehrer'

Heute vor dreißig Jahren ist mein Lehrer verstorben

An einem kalten und regnerischen Abend im Februar 1979, als ich und Chaim Malka, mein damaliger langjähriger Studienpartner, gerade mit dem Studium unserer üblichen alten Kabbala-Bücher beginnen wollten, hatte ich plötzlich genug von der endlosen und scheinbar vergeblichen Suche nach der Wahrheit. 

„Lass uns einen Lehrer suchen“, sagte ich zu Chaim. „Wohin sollen wir gehen?“, fragte er. „Lass uns nach Bnei Brak fahren“, antwortete ich, „da haben wir noch nie gesucht.“ Chaim war nicht scharf darauf, bei diesem Wetter zu fahren, und schon gar nicht in eine jüdisch-orthodoxe, überfüllte Stadt mit engen, halb gepflasterten Straßen, in der man wahrscheinlich keine Kabbalisten finden würde. Ich drängte ihn dennoch, und er stimmte widerwillig zu.

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Wie Lehm in den Händen des Trainers

Eines der symbolträchtigsten Bilder der Olympischen Spiele in Tokio, war vielleicht das die israelische Goldmedaillengewinnerin Linoy Ashram, die nach der Entgegennahme der Medaille zu ihrer Trainerin ging und ihr die Medaille um den Hals hing. Mit dieser symbolischen Handlung brachte Ashram zum Ausdruck, dass sie das Gefühl hatte, ihre Trainerin Ayelet Zusman habe die Medaille ebenso verdient wie sie selbst.

In der Tat ist der Trainer für einen Sportler das Wichtigste, wie Mutter und Vater für ein Kind. Ohne Trainer ist ein Sportler ein ungeschliffener Diamant. Der Trainer verwandelt das Talent durch die intensive Arbeit des Sportlers in Medaillen. Die Bindung zwischen den beiden ist wirklich einzigartig, es kann gar nicht anders sein.

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Werkzeuge eines spirituellen Lehrers


Frage: Welche Werkzeuge benutzt ein spiritueller Lehrer, um meine inneren Eigenschaften zu „schleifen“.

Antwort: Das geschieht nur im Unterricht, wenn wir einige Themen gemeinsam besprechen: Der Lehrer erklärt und die Schüler fragen.

Indem die Schüler mit dem Lehrer interagieren und versuchen, ihn tiefer zu verstehen, ist es als würden sie in ihn eintreten. Sie bemühen sich, nicht mit dem Verstand, sondern sich sinnlich mit ihm zu verbinden. „Sinnlich“ bedeutet in ihrem Verlangen. Wie es heißt: „Mach seinen Wunsch zu deinem Wunsch“. Diese Verbindung ist sehr wichtig.

Sie müssen dabei nicht in der Nähe des Lehrers sein, direkten Kontakt haben, oder mit ihm im selben Raum sitzen. Ich habe zum Beispiel einen sehr guten Kontakt zu  Gruppe in Santiago. Ich spüre, wie nah sie mir, trotz der Entfernung sind.

Es gibt Gruppen, die ich schon lange kenne, mit denen ich mich aber nicht so gut verstehe. Es kommt auf den inneren Wunsch an, sich miteinander zu verbinden.

Ihr müsst verstehen, dass der Lehrer nach dieser Verbindung strebt und immer dazu bereit ist, auch wenn er hart und sogar unhöflich sein kann. Immerhin handelt es sich um ein absolut klares Spiel in Bezug auf den Schüler. Alles wird hier nur von der Tatsache diktiert, dass wir in einen gegenseitigen Kontakt kommen müssen. Ihr müsst von mir die spirituelle Energie, das Gefühl, das Verständnis, die Verbindung zwischen dem was wir studieren und unserer inneren Welt, unseren Handlungen erhalten.

Aus dem Unterricht, 02.12.2018

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Bürgschaft der Gänse

Bleibt zusammen.

Ein Gänseschwarm fliegt in perfekter V-Formation. Durch diese Formation entsteht, bei jedem Flügelschlag, ein starker Auftrieb. Und dieser Auftrieb wiederum ist jeder dahinter fliegenden Ganz nützlich. Diese Zusammenarbeit ermöglicht dem gesamten Schwarm eine 70% höhere Flugleistung. Dieses Beispiel zeigt uns, dass Partnerbeziehungen und Gruppenarbeit uns gegenseitig stärkt. Auf diese gemeinsame Kraft gestützt, ist die Wahrscheinlichkeit des Erfolges weitaus höher als bei Einzelarbeit.

Behaltet die Formation.

Sobald eine Gans den Schwarm verlässt, spürt sie sofort den Luftwiderstand und die Schwerkraft setzt ein. Dann kann sie sich nur mit enormen Kraftaufwand dem Schwarm wieder anschließen. Wenn ein gutes Team besteht, haltet es und arbeitet zusammen. Durch die Überwindung des Egoismus, ist der Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen größer als bei Einzelarbeit.

 Löst einander ab.

Auch ein Leitvogel ermüdet an der Spitze. Und um neue Kräfte zu sammeln, muss er ans Ende des Schwarms. Eine andere Gans nimmt seinen Platz ein. In einem Team soll die Belastung auf alle Mitglieder verteilt werden. Und die wichtigen Aufgaben sollten abwechselnd erledigt werden.

Kommuniziert miteinander 

Gänse schreien um sich gegenseitig anzufeuern. Genauso müssen auch wir miteinander sprechen, uns gegenseitig unterstützen, uns aufmuntern und uns über unsere Probleme austauschen. 

Lasst niemanden zurück.

Wenn die Kräfte einer Gans schwinden, verlassen mit ihr zwei Gänse den Schwarm. Sie bleiben bei ihr, bis sie sich erholt hat oder stirbt. Erst dann fliegen sie weiter. Oder sie schließen sich einer anderen Gruppe an, um den eigenen Schwarm einzuholen. Wenn wir den gesunden Verstand der Gans hätten, würden wir uns auch gegenseitig absichern. Die besten Teams setzten sich aus Menschen zusammen, die sich aufrichtig sympathisch sind und sich immer gegenseitig helfen, egal was passiert.

Der Schwache kann sich nur um sich selbst kümmern, der etwas Stärkere um die Familie, der noch Stärkere um die Freunde und die Gruppe und der Stärkste kann sich um die ganze Welt kümmern.Die meisten Menschen sind aber schwach und haben keine Kraft “die Seele frei baumeln zu lassen”. Sie sehen nur Schwäche in ihrem Umfeld und nehmen diese auf. 

Lebt viele Leben.

Unser Wachstum, Größe und Entwicklung hängen von der Umgebung ab, die wir uns erschaffen. Wenn wir ein Team aufbauen, dabei alle Herzen für ein großes Ziel entflammen und gemeinsam alle Schwierigkeiten, jeden Spott und Unverständnis überwinden, erreichen wir eine neue Stufe der Entwicklung. Wir werden kein kleines, langweiliges Leben leben, sondern viele glänzende und erfüllte. Alle Erfahrungen, Gefühle und Sehnsüchte der Freunde werden zu unseren. Dadurch leben wir viele Leben. Ein kleiner Mensch lebt ein langweiliges, graues Leben. Aber ein Mensch mit großem Herzen und großen Zielen, der Herzen anderer entflammen kann, lebt tausend Leben – die glänzendsten, interessantesten und die außergewöhnlichsten.

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Immer mit mir – Teil 2

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Führung in eine ausweglose Situation…

 

Dann, eines Tages, nach einer weiteren Suche nach einem Lehrer, saß ich mit meinem Freund Chaim Malka in seiner Wohnung in Rehovot. Ich kam nach der Arbeit, müde und ausgelaugt. Hatte mich einfach hierher geschleppt. Es war ein kalter, regnerischer Winterabend mit starken Windböen. Chaim schlug vor: „Lass uns wie immer Kaffee kochen und lernen. Aber ich sagte: „Nein, das kann ich nicht mehr.“

Ich erinnere mich sehr deutlich an dieses Gefühl: Es ist alles umsonst, man kann nirgendwo hin, warum sollte ich so leben?!! Es ist ein Wunder, wenn ein Mensch in einen solchen Zustand gebracht wird und nicht entkommen darf. Es scheint, dass man aufstehen, die Tür zuschlagen und alles vergessen sollte. Ich habe Geld, sogar viel Geld. Ich habe einen Job, die Familie ist wunderbar. Ich gehe hin, wohin ich will, reise, lebe zum Vergnügen. Aber nein. Ich fühlte mich in eine ausweglose Situation geführt, wie mit dem Gesicht zur Wand gestellt, doch plötzlich spürte ich wie die letzte Hoffnung  in mein Herz floss.

Erst jetzt, viele Jahre später, wurde mir klar, dass dies die teuersten Momente meines Lebens waren, in denen ich mich in einer ausweglosen Situation befand. Genau das wird ein Gebet genannt.

Und in diesem hoffnungslosen Zustand, sagte ich zu meinem Freund:

– Chaim, wir werden jetzt sofort nach einem Lehrer suchen.

  Wie aus dem Nebel, aus völliger Machtlosigkeit, kamen diese Wörter angeschwommen.

– Wir müssen ihn noch heute finden!

– Wo finden? – fragte er – Du und ich waren überall.

– Ich habe gehört, dass man die Kabbala in Bnei-Brak[1] studiert.

Nicht dass ich jemals darüber nachgedacht hätte. Seit all diesen Jahren war ich nur für einen oder zwei Tage in Bnei-Brak. Ich kannte diese Stadt nicht. Doch plötzlich sagte ich: „In Bnei-Brak”.

Auch Chaim dachte nicht eine Sekunde nach, und sagte plötzlich: „Okay, fahren wir.“

Wir stiegen ins Auto und fuhren los. Ich erinnere mich, dass der Regen auf die Windschutzscheibe peitschte und ich fast blind fuhr. Aber ich dachte nicht einmal daran, anzuhalten, auf das Regenende zu warten, nein. Fahren, und zwar so schnell wie möglich.

[1] Bnei-Brak – liegt im Bezirk von Tel Aviv. Der größte Teil der Stadt besteht aus religiösen Einwohnern

 

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Fortsetzung folgt…

Michael Laitman – Immer mit mir – Teil 1

Über meinen Lehrer RABASH[1]

 

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RABASH, der älteste Sohn und Schüler von Baal HaSulam, setzte das Werk seines großen Vaters fort, war der letzte in der Kette der großen Kabbalisten von Adam bis heute. In seinen Werken gab RABASH eine detaillierte Beschreibung der Phasen des spirituellen Weges des Menschen. Michael Laitman (PhD-Philosophie, MSc Biokybernetik) ist ein weltweit anerkannter Forscher auf dem Gebiet der klassischen Kabbala, Student bei RABASH, Gründer und Leiter der International Kabbala Academy (IKA), einer unabhängigen, gemeinnützigen Vereinigung, die Forschung- und Bildungsarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft der Kabbala leistet.

М. Laitman ist der Autor von mehr als 70 Büchern, die in 40 Sprachen übersetzt wurden, die ausführliche Kommentare zu allen authentischen Kabbalistischen Quellen enthalten.

Copyright [c] 2019 by Laitman Kabbalah Publishers

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Die wichtigste Frage des Lebens

 

Ich kam zu RABASH, müde davon, ständig zu suchen, hungrig nach der Wahrheit. Ich hatte mein ganzes Leben lang vergeblich nach ihr gesucht.

„Warum lebe ich?“ – Diese Frage quälte mich, trocknete mich buchstäblich aus. Ich erinnere mich an mich selbst als Kind, als ich im hohen Gras eines Stadtparks lag, die Sterne ansah und traurig und hoffnungsvoll dachte: „Vielleicht kommt die Antwort von dort? Was ist der Sinn meines Lebens, nun, was ist er?“ Ich hatte noch nicht einmal angefangen zu leben, ich wurde schon von Sehnsüchten aufgefressen. Eine Sehnsucht nach einem unbekannten, hohen, wahren Ziel.

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Jahre vergingen, ich versuchte, die Antwort in der Wissenschaft zu finden, in Büchern zu lesen, logisch zu verstehen. Aber es klappte nicht. Es wurde nur noch schlimmer. Die Leere und Hoffnungslosigkeit all meiner Bemühungen wurde immer deutlicher. Irgendwann dachte ich sogar, dass ich sterben würde, ohne etwas zu erreichen. Ich zog nach Israel. Ich arbeitete vier Jahre lang in der Armee, reparierte die Elektronik von Flugzeugen.

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Danach gründete ich mein eigenes Unternehmen, das ein gutes Einkommen brachte, kaufte eine zweistöckige Penthouse-Wohnung, versuchte, die Reichen und Adligen nachzuahmen, glaubte, ich werde vergessen…

Aber nein, ich konnte es nicht, ich stand nachts auf, ging in den Hof hinaus und konnte mir nicht helfen, Tränen flossen aus meinen Augen. „Was zum Teufel ist das?“ – fragte ich mich und wandte mich an jemanden, wusste nicht an wen: „Gib mir wenigstens eine Richtung, wohin ich schauen soll?!“

Irgendwann glaubte ich, die Antwort sei bei den Religiösen und beobachtete.

Sie sind so friedlich, ruhig – anscheinend haben sie den Sinn des Lebens gefunden. Ich ging nach Jerusalem, zu einem berühmten russischsprachigen Rabbiner, der mir ernsthaft erzählte, dass die Schlange auf zwei Beinen stand – „Nicht wahr? So steht es geschrieben!“

“Soll ich es glauben?”,  fragte ich ihn.

“Natürlich, sieh nur, es steht da schwarz auf weiß!”, antwortete er.

Ich erschrak sofort vor der absoluten Unwissenschaftlichkeit.

So traf ich mich mit Branover, einem Doktor der Physik, der zu einem religiösen Mann wurde. Ich dachte, Physiker, ein Mann der Wissenschaft…Aber es ging nicht.

Drei Monate lang habe ich in Kfar Chabad[2] studiert, studierte den Talmud[3] mit Jugendlichen und las „Tanya“[4]. Ich ging weg.

Im Laufe dieser „Suche“ traf ich einen Freund, der, wie ich, auf der Suche war. Sein Name war Chaim Malka, wir wurden Freunde. Wir begannen uns jede Nacht zu treffen und arbeiteten uns systematisch durch alle Bücher hindurch. Chaim las laut, und ich schrieb, als wäre ich an der Uni. So studierten wir viele Bücher von RAMAK[5] und RAMCHAL[6].

Aber ich hatte das Gefühl, dass die Bücher nicht mehr helfen Und noch mehr: “sie werden uns nicht helfen”. Ich verstand es jetzt – alleine können wir nicht durchbrechen. Wir müssen nach dem Lehrer suchen. Denjenigen, der diesen Weg bereits gegangen ist.

Gesagt, getan! Wir fingen an zu suchen.

Wir trafen uns mit Baba Sali[7], alle sagten, er sei ein Kabbalist. Er erwies sich als ein einfacher, sehr offener Mensch, der erzählte, was er sah, aber er konnte es nicht erklären.

Dann kam ich zum Zentrum von Berg[8].

Ich kaufte alle Bücher die sie hatten. Ich traf mich mit Berg selbst, nahm sogar ein paar Lektionen von ihm, bis er die Erklärung mit dem Kosmos verbunden hat. Hier wurde mir klar, dass es definitiv nicht meins war, ich konnte keine Mystik ertragen…

So ging ich nach Jerusalem, zu Yitzhak Silberman.

Er war ein anerkannter Kabbalist, lebte in Jerusalem. Er lehrte die Kabbala nach Vilna Gaon[9] und war ein religiöser Mann, der von allen respektiert wurde. Nicht wie der Mystiker Berg, den keiner ausstehen konnte. Er sagte mir: „Du und ich leben unter den Gläubigen, also sollten wir den Talmud studieren. Er wird uns Schutz gewähren, damit wir die Kabbala studieren können. Weil niemand die Kabbala mag.“

Ich fing an, von ihm zu lernen. Er gab einige Grundlagen der Kabbala basierend auf dem Buch „Safra de Zniüta“ Vilna Gaon. Aber auch er konnte mir nichts erklären! Er hat es einfach vorgelesen und das war alles. Das machte mich wütend: „Nun, worum geht es hier bitte?“,  fragte ich. Er antwortete: „Wir werden es eines Tages herausfinden“. Ich war nicht zufrieden mit diesem „eines Tages“. Ich brauchte Antworten, keine Versprechungen. Dann kam Silberman zu mir nach Hause und sah die Bücher von Baal HaSulam[10] in meinen Regalen.

Er wurde blass, zeigte auf die Bücher und sagte: „Es ist besser, sie im Keller zu verstecken, außer Sichtweite.“ Da beschloss ich, dass es an der Zeit war, mich von ihm zu verabschieden. Dies war das erste Mal, dass ich Baal HaSulam verteidigte, obwohl ich nicht wusste, dass ich den Rest meines Lebens mit seinem Erbe verbinde.

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[1] RABASH – Baruch Shalom a-Levy Ashlag (1907-1991), Sohn und Schüler von Baal HaSulam – dem größten Kabbalisten des XX Jahrhunderts.
[2] Kfar Habad (Hebräisch: ד „חב כפר – (Chassidische religiöse Siedlung), CHABAD in Israel. CABAD – Verweis auf den   Chassidismus, wird Lubavitcher Chassidismus genannt.
[3] Talmud – (die Lehre), eine Reihe von rechtlichen, religiösen und ethischen Bestimmungen des Judentums, die Mishna und Gmara in ihrer Einheit umfassen.
[4]  Tanya (hebräisch תניא) (oder Likutei Amarim (hebräisch אמרים ילקוטי)) – das Basalbuch von HABAD.
[5]  RAMAK – Moshe Cordovero r. (1522-1570) – berühmter Kabbalist, Vertreter der Kabbala-Schule von Safet, Autor vieler Bücher.
[6] RAMCHAL – r. Moshe Chaim Lutsatto (1707-1747) – Kabbalist, Autor von Dutzenden von Büchern über Kabbala und jüdische Ethik.
[7] Israel Abuhatsir (auch bekannt als Baba Sali, was „betender Vater“ oder „Vater Israel“ bedeutet; 1889-1984) Er war ein Kabbalist, ein spiritueller Führer der marokkanischen Juden in Marokko und Israel.
[8] Kabbala Berg Center – gegründet 1971 von F. Berg. Er ist ein Schüler des J. Brandwein – einer der Schüler von Baal HaSulam.
[9] Vilna Gaon, Rav Eliyahu ben Shlomo Salman (1720 – 1797) –  Kabbalist, hervorragende spirituelle Autorität.
[10] Baal HaSulam – Yehuda Ashlag r. (1884-1954). Gründer der modernen Kabbala-Methode. Autor von Kommentaren zu den Werken von ARI. Der Name „Baal HaSulam“ wurde ihm nach seinem Kommentar „Sulam“ („Treppe“ – Hebräisch) zum Buch Sohar gegeben.

 

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Fortsetzung folgt…

RAV BARUCH SHALOM HALEVI ASHLAG (RABASH), 1906-1991

 

Rav Baruch Ashlag ist der älteste Sohn von Baal HaSulam. Er stellt das letzte Glied in der Kette großer Kabbalisten dar. Noch als Jugendlicher emigrierte er gemeinsam mit seinem Vater aus Polen nach Jerusalem und studierte sein Leben lang bei ihm.

Nach dem Tod von Baal HaSulam setzte Rabash sein Lebenswerk fort: Er gab den vollständigen Kommentar Sulam sowie andere Schriften des Vaters heraus und begann anschließend, Artikel zu verfassen. Darin legte er die exakte Methodik der spirituellen Arbeit eines Menschen dar, der danach strebt, die innere Realität zu erkennen – etwas, was noch kein Kabbalist vor ihm tat. 

In seinen Artikeln liefert er eine exakte Beschreibung aller Etappen des spirituellen Weges eines Menschen – von dessen Anfang bis zum Ende. Aus den Artikeln entstand ein fünfbändiger Sammelband – Shlavei HaSulam (Etappen der Leiter). Zusätzlich hinterließ uns Rabash seine einzigartigen Mitschriften der Erklärungen spiritueller Zustände eines Menschen, die er von seinem Vater erhielt und die er mit einem entsprechenden Titel versah – Shamati  (Hebräisch: „Ich hörte“).

Rabash starb 1991. Seine Bücher stellen neben den Werken von Baal HaSulam die wichtigste Literatur zur Wissenschaft der Kabbala dar, deren Studium dem Menschen das wahre Bild der ihn umgebenden Wirklichkeit enthüllt. Das Studium der Kabbala vermag den Menschen auf eine bewusstere Stufe einer vernünftigen Existenz zu führen – in Harmonie mit der Natur und bei voller Verwirklichung der höchsten Bestimmung des Menschen – der Erkenntnis des Planes der Schöpfung.

Die wichtigste Botschaft, die Rabash an seine Schüler zu übermitteln suchte, war die Notwendigkeit des Studiums und der Arbeit in der Gruppe. Schon immer lernten Kabbalisten in Gruppen. Die Gruppe erlaubt den Mitgliedern, durch das Geben an den Schöpfer im Spirituellen fortzuschreiten, indem sie ihre Wünsche vereinen und auf dasselbe Ziel ausrichten.

 

Zu den Artikeln von Rabash…

RAV YEHUDA ASHLAG (BAAL HASULAM), 1884 – 1954

 

Yehuda Ashlag kam 1884 in Warschau zur Welt und wurde bereits in seinen jungen Jahren von seinen Lehrern als ein Mensch bezeichnet, der ständig nach der Enthüllung der Geheimnisse des Universums strebte. Er fiel bei allen seinen Mentoren durch glänzende Kenntnisse aller Grundwerke des Judentums auf und las auch die Werke bedeutender westlicher Philosophen, darunter Kant, Hegel, Schoppenhauer, Nietzsche und Marx. In der Folge verglich er in seinen Artikeln deren Sichtweise mit der Position der Kabbala.

Er begann Bücher zu verfassen, um Menschen die Methodik der richtigen Wahrnehmung der Realität und der vernünftigen Existenz darin zu lehren. Bereits in Polen war er als großer Kenner der Kabbala und Schüler größter Kabbalisten bekannt, die die Kette der Übermittlung kabbalistischen Wissens nach Baal Shem Tov weiterführten.

Im Jahre 1926 zieht Baal HaSulam nach London, wo er am Kommentar Leuchtendes Antlitz (Panim Meirot) zu ARIs Baum des Lebens arbeitet. Während dieser ganzen Zeit führt er einen regen Briefwechsel mit seinen Schülern, in welchem er ihnen die Hauptprinzipien der spirituellen Arbeit des Menschen erklärt.

Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem im Jahre 1928 fuhr er fort, die Kabbala zu unterrichten und zu schreiben. Nach einigen Jahren gab er sein monumentales Werk heraus – Die Lehre der Zehn Sefirot (Talmud Esser haSefirot oder TES). Das Buch stellt die innere Struktur des Universums dar, einschließlich die spirituelle Welt sowie unsere Welt, deren Bewohner und die Seelen.

In seinen Werken strebte Baal HaSulam danach, das innere Wesen der Kabbala zum Ausdruck zu bringen, sie von primitiven mittelalterlichen Vorstellungen zu reinigen; in dieser Wissenschaft sah er das mächtige Werkzeug zur Veränderung und Perfektionierung des Menschen.

Im Jahre 1940 beginnt er, den Kommentar zum Buch Sohar unter dem Namen Perush haSulam (wörtlich „Den Kommentar der Leiter“) zu verfassen, wodurch Yehuda Ashlag alsbald den Beinamen „Baal HaSulam“ erhielt (wörtlich aus dem Hebräischen: „Herr der Leiter“), da es unter Weisen der Tora üblich ist, den Menschen nicht bei seinem Namen, sondern bei seiner höchsten Errungenschaft zu bezeichnen.

Nachdem er sein ganzes Leben dem Unterrichten und Verbreiten der Wissenschaft der Kabbala widmete und wertvolles Material hinterließ, in dem er die ganze moderne kabbalistische Methodik darlegte, stirbt Baal HaSulam – der größte Kabbalist des 20. Jahrhunderts – im Jahre 1954. Seine Sache wurde von seinem ältesten Sohn – Rav Baruch Ashlag weitergeführt.

Zu den Artikeln von Baal HaSulam

Alle Ansprüche an den Schöpfer richten


Frage: Seit dem Jahr 2000 arbeite ich auf das höchste Ziel hin. Ich hatte einen Lehrer. Wir versuchen jetzt die Verbindung wiederherzustellen. In dieser Zeit gab es viele Abstiege. Geschah das durch das Ego vom Lehrer? Warum passiert so etwas?

Antwort: Wir studieren, das alles vom Schöpfer bestimmt wird. Natürlich kannst du deinem Lehrer, sogar mir oder deinen Freunden die Schuld dafür geben – das spielt keine Rolle. Auf jeden Fall kommt alles was mit dir geschieht vom Schöpfer. Es gelangt durch irgendwelche Menschen oder Handlungen zu dir. 

Denke nicht so viel darüber nach, wer dir die Schwierigkeiten bereitet hat. Es ist der Schöpfer. So spielt er mit dir. Es kommen Probleme durch deine Verwandten oder entfernten Menschen, die Gut oder Böse sind. Alles, was geschieht, geschieht unter seiner sehr sensiblen, sehr deutlichen Steuerung. 

Alle deine Ansprüche gelten nicht deinen Freunden oder Anderen gegenüber, sondern nur Ihm gegenüber.

Sobald du beginnst, die Natur und dich selbst so zu behandeln, wirst du sofort eine andere Einstellung zur Welt haben, du wirst sie viel tiefer verstehen.

Frage: Darf man überhaupt Ansprüche an den Schöpfer stellen?

Antwort: Es ist nur Ihm gegenüber notwendig, Ansprüche zu stellen. An wen sonst? Du kannst auf Ihn wütend sein, mit den Füßen trampeln, alles machen was du willst, verlasse Ihn nur nicht! Er möchte, dass du dich ständig an ihn wendest, sowohl mit guten als auch mit schlechten Dingen, egal mit was und wie. Die Hauptsache ist die ganze Zeit mit Ihm. Schimpfe mit ihm aber verlasse Ihn nicht! 

 

Aus dem Unterricht, 18.08.2019

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Blitzantworten und Fragen auf Facebook


Frage: Sie sprechen davon, einen einzelnen Europäer, einen einzelnen Menschen zu erziehen. Was wird die Grundlage für die Erziehung eines neuen Menschen sein? Ist Kabbala eine Methode, die Sie anbieten? Wo ist die Grundlage, das Konzept der von Ihnen vorgeschlagenen Methode?

Antwort: Dafür sollten Sie nur die Bücher über die Kabbala, in denen all dies steht, öffnen und lesen.

Frage: Wer ist der Schöpfer? Nicht von dieser Welt? Wie kann man Ihn dann zu etwas anregen?

Antwort: Der Schöpfer ist nicht von dieser Welt, das stimmt. Er ist die höchste Kraft von Geben und Liebe. Diese Kraft kann nur in dem Maße  auf Sie einwirken, wie Sie wollen, dass die Eigenschaft von Geben und Liebe in ihnen entwickelt wird. Möchten Sie die anderen lieben und ihnen geben? – Wenden Sie sich an den Schöpfer.

Frage: Was bedeutet die Erfüllung eines Wunsches?

Antwort: Die Erfüllung eines Wunsches bedeutet das Empfangen dessen, was ich will. In unserem Zustand sind alle unsere Wünsche egoistisch, deswegen werden sie nicht gefüllt. Oder, selbst wenn sie gefüllt werden, stellen wir fest, dass wir noch leerer geworden sind. Das lehrt uns, nicht egoistisch gefüllt werden zu wollen. 

Frage: Wenn es keinen Antisemitismus gäbe, kämen die Juden in Bewegung oder nicht?

Antwort: Natürlich nicht! Deshalb treibt uns der Schöpfer an,  unsere Bestimmung zu erfüllen, indem Er Hass auf Israel weckt.

Frage: Was sollten Kinder in erster Linie, im Alter von zwei oder drei Jahren beigebracht werden?

Antwort: Es ist sehr früh, im Alter von zwei oder drei Jahren etwas zu lernen. Man kann ihnen zeigen, in einer freundlichen Verbindung mit anderen zu sein.

Frage: Wie reagiert der Schöpfer auf das, was Sie uns beibringen? Spüren Sie es?

 

Antwort: Der Schöpfer billigt mich voll und ganz, reagiert sehr gut, und ich fühle es sehr deutlich. Ich mache keine Witze! Sie können das Gleiche tun und dann werden Sie es auch bemerken.

Frage: Ich bin ein Künstler. Bitte sagen Sie mir, warum benötigt man visuelle Kunst und wird sie in Zukunft wichtig sein?

Antwort: Nein, sie ist völlig irrelevant und wird in Zukunft nicht mehr wichtig sein. Die Menschen werden eine innere spirituelle Sicht bekommen. Sie wird in keiner Weise wiedergegeben werden können, nur in unserer Seele.

Frage: Warum muss man, wenn man selbst Liebe benötigt, sich um andere kümmern? Muss sich der Mensch zuerst um sich selbst kümmern?

Antwort: Dann werden Sie nie in die Lage kommen, zufrieden zu sein und Liebe zu fühlen. Wenn Sie Liebe brauchen, müssen Sie andere lieben, erst dann fangen Sie an, Liebe für sich selbst zu empfinden.

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Aus der TV-Sendung „Antworten auf Facebook-Fragen“, 10.03.2019