Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Tora'

Immer mit mir – Teil 42

 

“Nichtigkeit” des Kabbalisten

Als Kabbalist fühlte er seine eigene Nichtigkeit: „Wer bin ich, und was habe ich?“ – das ist es, was er anderen zeigte. Er bewertete sich selbst in Bezug auf den Schöpfer, also war sein eigenes Gefühl: „Ich bin nichts, Staub und Asche.“ Das wurde an denjenigen weitergegeben, der neben ihm stand. Er hat es nicht mit Absicht getan. Unbeabsichtigter Weise wurde diese nach außen gerichtete Einfachheit aufgebaut. Er fühlt sich wirklich so. Im ständigen Kontakt mit der mächtigen Lenkungsmacht (er nannte es „vor dem Schöpfer stehen“) offenbarte er Vollkommenheit und Ewigkeit. Bei diesem Vergleich konnte er nicht anders, als sich unbedeutend zu fühlen.

Als ich ihn dazu fragte, sagte er: „Jetzt stell dir vor, wie schwer es für mich war an der Seite meines Vaters…

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Schließlich ist es der Vater. Zumindest hier hast du jemanden fremden vor dir stehen. Du kannst versuchen, besondere Beziehungen zu fremden Menschen aufzubauen, aber der Vater bleibt der Vater. Du spürst, dass er dich liebt, und dass die absolute Liebe des Vaters zu seinem Sohn dir die letzte Chance nimmt, etwas zu tun. Du kannst nichts tun, und er liebt dich trotzdem. Es ist, als würde er dir die Verantwortung abnehmen, ihn auf besondere Weise zu behandeln.“

 

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Fortsetzung folgt…

 

Immer mit mir – Teil 37

 

Das ist es, was ich über mich selbst erfuhr…

 

Vor einigen Jahren kamen mein Schüler Doron Goldin und ich zu meinem engen Freund Jeremy Langford, mit dem wir zusammen bei RABASH zur Shiwa[1]studierten . Es war eine Shiwa bezüglich dem Tod seiner Frau Yael, die ich sehr gut kannte. Dort traf ich Shimon Itah, Yaeli’s Bruder. Er war wahrscheinlich der jüngste, 20 Jahre alt, in unserer Gruppe.  So saßen wir da und redeten und plötzlich sagt Itah:

– Weißt du noch, ich erinnere mich an einen Fall, ich hatte dir nichts davon erzählt. Du hattest einmal  Streit mit RABASH und bist nicht mit ihm ans Meer gefahren.

– Ja, in der Tat, es gab ein paar solcher Fälle im Leben,- sagte ich.

„Nun, da war ich anstelle von dir gefahren“, fuhr Itah fort, – und ich erinnere mich, dass RABASH und ich am Ufer standen, bevor ich ins Wasser ging, fragte ich ihn: „Rabbi, warum brauchen Sie Michael? Lassen Sie  ihn in Ruhe. Warum Sind Sie die ganze Zeit bei ihm?“

Weißt du, was er zu mir sagte? Er sagte: „Weil Michael eine besondere Seele hat. Weil er einen sehr starken Punkt der Wahrheit hat. Deshalb arbeite ich mit ihm zusammen”.

Ich saß da und sagte nichts, ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Doch plötzlich fühlte ich mich, als würde vor mir RABASH sitzen, als ob er direkt vor mir steht. Ich versuchte wie immer, jedes seiner Worte zu fassen.

Und ich verstand, dass RABASH nicht von irgendeiner großen Seele, von mir sprach, nein. Sondern von der Tatsache, dass ich innerlich immer durch das Verlangen, die Wahrheit zu enthüllen, brannte. Dieser Schmerz war es, den ich ihnen noch nicht enthüllt hatte. Alles was von mir verlangt wurde (und ich verstand das vollkommen) war, mit dem Herzen, genau mit meinem Herzen, an diesem großen Kabbalisten festzuhalten. Sowie dem Schicksal, dem Schöpfer, zu danken, dass ich diesen Glücksschein bekam. Es ist mein großes Glück, immer in der Nähe von RABASH zu sein. Ich werde nie müde es immer zu sagen.

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[1] Shiwa ist eine siebentägige Trauerzeremonie. Sie wird von den engsten Verwandten des Verstorbenen besucht: Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter, Ehefrau, Mann.

 

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Fortsetzung folgt…

 

Immer mit mir – Teil 30

Abstiege

So befreite er sich aus den Abstiegen. Er sah sie im Voraus und bereitete sich auf sie vor. Als der alte Mann im Gleichnis, der nach verlorenem sucht[1].

Er wusste, dass es vor jedem Aufstieg einen Abstieg gab.

Er wusste, dass niemand von oben dir die Wichtigkeit des Ziels gibt, im Gegenteil, du wirst völlig des Lebens Geistes beraubt. Man offenbart dir noch mehr von deiner Natur, über die du aufsteigen musst, um einen „toten“ Körper in einen lebendigen zu verwandeln.

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Darüber wurde gesagt: „Mach alles, was in deiner Macht steht.“ Denn je größer der Mann, desto größer die Erschwernis des Herzens.

RABASH wusste, dass das Einzige, was ihm half, seine tägliche Routine war. Ein Aufstehen zur gleichen Zeit, die Lektion, Bücher, ein Spaziergang, die Arbeit, die du erledigen musst, egal was passiert. Es ist zur Gewohnheit geworden. Seine Gewohnheit war in die Natur eingedrungen. Selbst als er sich tot fühlte, wurde er auf der Grundlage des Tagesplanes lebendig.

Diese „Erweckung“ geschah vor meinen Augen. Er hatte es oft nicht vor mir verheimlicht. Er wollte, dass ich weiß, was auf mich wartet, damit ich verstehen lernte, wie man sich festhält, wie man aus solchen Bedingungen herauskommt.

Ich erinnere mich, dass er in der Mitte des Raumes lächelnd tanzte. Er quetschte das Lächeln aus sich raus, als würde er keuchen: „Jetzt müssen wir Spaß haben! – und fing an, wie Kinder, zu hüpfen und „la-la-la-la, la-la-la-la-la-la!“ zu singen… Er wusste, dass er aus diesem Zustand herauskommen musste, denn  zehn Minuten später begann der Unterricht.

Ich erinnere mich wie er mit dem Gesicht zur Wand lag. So etwas passierte auch. Er lag da wie ein Kind, zusammengerollt, und mein Herz blutete, als ich ihn so sah. Aber ich konnte ihm nicht helfen.

So lag er fünf Minuten, zehn Minuten lang und konzentrierte sich sowohl körperlich als auch innerlich, hing zwischen Himmel und Erde. Doch als er nach ein paar Minuten aufstand, stand er als eine andere Person auf. Er öffnete das Buch und versank jetzt bewusst in ihm…

Die Abstiege eines solchen Kabbalisten sind riesig, aber es waren immer die Abstiege vor dem Aufstieg. Er wusste es. Er war immer für sie bereit.

[1] Der babylonische Talmud. Mesechet Shabbat, Teil 23.

 

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Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 9

 

Hillel zündet an

 

Am nächsten Tag kam ich mit einem Tonbandgerät. Wir begannen zu lernen.

Etwa zwei Monate später, als die erste Begeisterung vorbei war und ich verstehen konnte, was vor sich ging, zog ich meine wichtigste Schlussfolgerung. Ich bin auf dem richtigen Weg, mit dem richtigen Lehrer. Ich hatte keine Angst mehr Fragen zu stellen und ich stellte die richtigen Fragen. Ich fragte nach dem Verhalten der höheren Kraft gegenüber uns, über den Plan der Schöpfung und seine Verwirklichung in uns. Hillel bewältigte alle Fragen. Nun verschärfte ich sie.

Ich wollte ihn überhaupt nicht verwirren, und ich wollte nicht den Ablauf der Lektion stören, aber ich wollte jedes Mal mehr und mehr klären. Ich war so durstig nach dieser Wissenschaft wie nach nichts anderem im Leben.

Er hat meine Neugier immer mehr angespornt. Er antwortete ohne zu überlegen, als ob er wusste, welche Frage ich stelle.

Er hat konkrete, einfache Erklärungen gegeben, wie in der Mechanik. Es gibt Licht, es gibt ein Gefäß, sie interagieren miteinander. Plötzlich stellte sich heraus, dass es möglich war, absolut alles zu erklären.

Wir begannen, die Lehre von Zehn Sefirot zu studieren. Er offenbarte uns das System der Welten, er führte uns von einer Kraft zur  anderen, er war reich an genauen, ausgezeichneten Kenntnissen und er konnte es gut vermitteln.

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Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 7

 

Schock

 

Wir saßen in einem leeren Raum im Haus. Es war dunkel, der Donner rumpelte wieder, Blitze funkelten, der Winter erwies sich als stürmisch, doch hier war es warm und gemütlich. Nun, wo wollten wir noch hin?! Wir begannen zu lernen.

Normalerweise beginnen wir mit „Einführung in die Wissenschaft der Kabbala“ sagte Hillel.

Ich dachte: „Dabei kann ich ihn testen”. Wir haben diese Einführung studiert. Ich wusste damals nicht, dass das „Lernen“ in der Kabbala nicht dasselbe ist wie in der Physik und Mathematik. Das Wissen spielt hier keine Rolle. Das Verständnis davon kommt später. Während ich mir selbst sicher war und mich darauf vorbereitete, Hillel zu testen, saß er vor uns, krank, müde und wischt sich seine tränenreichen Augen mit einem Taschentuch ab,er seufzte.

Ich sah ihn an, und ich dachte nicht einmal im Traum daran was gleich passiert. Er begann den ersten Satz aus der Einführung in die Wissenschaft der Kabbala zu lesen und zu erklären…

– Rabbiner Hanania ben Akashiya sagte, “las er“. Der Schöpfer wollte Israel ehren… Im Hebräischen ist das Wort „ehren“ dem Wort „Reinigung“ ähnlich. Dies warf zwei Fragen auf:

  1. a) Was ist das Privileg, das der Schöpfer uns gewähren möchte?
  2. b) Was ist das für eine „Unreinheit“, von der Er uns säubern will?

Hillel hebt seine tränenreiche Augen auf uns und fragt nach Baal Sulam:

– Also, wovon will er uns befreien?

Er wartet nicht auf unsere Antwort und beginnt zu erklären.

Diesen Moment vergesse ich nie. Plötzlich fühlte ich mich, als wäre ich buchstäblich an den Stuhl gefesselt. Ich zitterte. Ich sah ihn an und konnte meine Augen nicht von ihm ablenken. Noch nie in meinem Leben hatte ich eine so klare, präzise und wissenschaftliche Erklärung gehört. Vor mir stand kein kranker, alter Mann, sondern ein Kämpfer mit Schild und Schwert in der Hand. Das war kein müder, niemandem bekannter Lehrer, sondern ein Großer Weiser. Die Welt hat so einen noch nie gesehen.

Er erklärte die kompliziertesten Dinge, „Quantenphysik, höhere Mathematik“ der spirituellen Welt, aber in einer sehr einfachen Form, mit genauen Definitionen, einfach und klar. Er offenbarte uns den großen Baal HaSulam. Er drehte uns den Verstand um.

Wie fühlte ich mich damals? Nun, wie fühlt es sich an, den schrecklichen Schmerz, das große Leiden, die tödliche Krankheit loszuwerden, wenn bei Ihnen bereits diagnostiziert wird: “unheilbar!” Doch plötzlich stellte sich heraus, dass es eine Heilung gibt, und du wirst dich definitiv erholen.

All meine Fragen: „Wofür ich?“, „Warum ich?“, „Woher komme ich?“, „Wer bin ich?“, alle meine persönlichen Fragen, die mich verletzt haben und globale Fragen gleichzeitig: „Wofür ist die Welt da?“, „und das ganze Universum?“ – alles klärte sich plötzlich auf, es stellte sich heraus, dass sie eng miteinander verbunden sind, und es gibt Antworten auf sie. Ich verstand – „Ich habe es gefunden! Hier ist es echt! Lass es bloß nicht los!“

Und vor allem fühlte ich mich, als wäre ich zu Hause. Dass mein Weg voller Verzweiflung und ohne Ausweg, mit Leere und Depression, dass er hier in diesem Haus, am Rande von Bnei-Brak, endet.

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Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 6

 

Ich bekam eine Chance

 

Als wir dort ankamen, war da wieder dieser alte Hauptmann.

Damals wusste ich nicht, dass es RABASH war, der größte Kabbalist, dem ich mein Leben verdanke, nicht mehr und nicht weniger als das. Ich war damals niemand, um dies zu verstehen. So sind dem Menschen die Augen, Ohren, Verstand verschlossen und man sieht nicht, wer vor einem steht. Man ist bereit, aufzugeben und zu gehen. Aber trotzdem, man hält dich fest, gibt dir die Chance, dich festzuhalten.

Auch mir wurde diese Chance gegeben.

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Es war die erste Spur, was ich auf dem Gebäude sah.

Das Schild für „ARI-Aschlag“[1]. Ich sah dieses Schild am Vorabend nicht. Ich wusste, dass ARI ein großer Kabbalist des 16. Jahrhunderts war. Chaim und ich versuchten, seinen „Lebensbaum“ zu lesen.

Ich wusste, wer Rabbi Ashlag war. Wir lasen sein Lehrbuch „Die Lehre der zehn Sefirot“[2], das nicht einfach war. Wir arbeiteten an seiner “Einführung in die Wissenschaft der Kabbala“[3] und dachten, wir hätten etwas verstanden. Kurz gesagt, es beruhigte mich ein wenig.  „ARI-Aschlag“ war definitiv die Kabbala.

Wir kamen herein, RABASH rief einen der alten Männer, er nannte ihn Hillel, rief ihn zu sich wie ein Kind und sagte:”Hillel, komm her, lerne mit ihnen”.

Damals war Hillel etwa 65 Jahre alt, er war ein kranker alter Mann, mit tränenreichen Augen und einem blassen Gesicht, er konnte sich kaum bewegen. Ich dachte noch: „Wird er uns das beibringen?”

Danach erfuhr ich, dass Hillel ein Nachkomme einer berühmten chassidischen Familie war, hätte das Oberhaupt der Dynastie sein können, aber eines Tages, als er jung war, traf er RABASH. Sie begannen über innere Arbeit, über die höhere Lenkung zu sprechen, und Hillel sah plötzlich, dass RABASH etwas weiß, wovon er keine Ahnung hat. Er war erstaunt, woher RABASH dieses Wissen hatte, er war begeistert, ließ alles zurück und hängte sich an RABASH. Wie sich danach herausstellte, für immer.

Ich fand später alles über Hillel heraus, doch bis dahin war ich sehr unsicher, ob ich etwas von ihm bekam was ich suchte. Ich sah mir wieder die Tür an und dachte darüber nach, wie man unbemerkt verschwinden könnte… aber ich blieb. Dank RABASH. Plötzlich bemerkte ich, wie leicht seine Bewegungen waren, wie er mit der Hand irgendwie besonders auf uns zeigte, wie er mir zu nickte. Ja, ja, das war es, woran ich mich erinnere. Er sah mich so an, dass ich beschloss, mich nicht zu beeilen und zu bleiben.

Jetzt weiss ich, dass RABASH schon damals alles über mich wusste.

[1] „ARI-Ashlag“ Name setzt sich aus den Namen der Kabbalisten zusammen: Yehuda-Ashlag (Baal HaSulam) und ARI – der vollständige Name von Yitzhak Luria Ashkenazi (1534-1572). Einer der größten Kabbalisten in der Geschichte der Menschheit. Er schuf ein grundlegendes System der Kabbala-Ausbildung. Mit seiner Methodik kann jede Person dank dem Studium der Kabbala zum Ziel der Schöpfung kommen. Sein Hauptwerk ist das Buch „Der Baum des Lebens“.
[2]  TES – Talmud Eser Sefirot (Hebräisch – „Lehre der Zehn Sefirot“) – das wichtigste kabbalistische Lehrbuch unserer Zeit (6 Bände, mehr als 2000 Seiten). Das Haupterbe von Baal HaSulam. Obwohl Baal HaSulam als Autor des Kommentars „Sulam“ zum Buch Sohar bekannt ist, aber für diejenigen, die in die höhere Welt eintreten wollen, gibt das Werk “Die Lehre der zehn Sefirot“ die notwendigen Kräfte, um die Grenze zwischen unserer und der höheren spirituellen Welt zu überwinden. Das Buch enthält Fragen und Antworten, Materialien zur Wiederholung und Erinnerung, Erklärungen, Grafiken, Zeichnungen und so weiter. Das Buch bietet eine Beschreibung der Gesetze und Kräfte, die unser Universum regieren.
[3] Baal HaSulams Artikel, der vor dem Buch Sohar und den TES zu studieren beginnt.

 

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Fortsetzung folgt

Immer mit mir – Teil 4

Bild könnte enthalten: Bruder Jörg, Brille, Bart, Nahaufnahme und im Freien

 

Das höchste Szenario berechnen

 

So fuhren wir und wirklich, nach ein paar hundert Meter kamen Bäume eines Orangen Gartens aus der Dunkelheit, das Haus tauchte auf.

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Wir sahen nur ein schwach beleuchtetes Fenster in der Ferne. Wir hielten an und gingen hinein. Es war überall dunkel, außer in dem kleinen Raum am Ende der Halle. Wir traten ein und sahen fünf oder sechs alte Menschen, die saßen und lernten.

Ich erinnere mich, dass ich direkt vor der Tür fragte: „Lehrt man hier Kabbala?” Der alte Mann, der an der Spitze des Tisches saß, sagte einfach: „Ja, hier, setzt euch hin“. Wir setzten uns.

Sie haben das Buch Sohar[1] gelesen. Sie lasen das oben in Aramit[2], unten auf Hebräisch und erklärten es auf Jiddisch[3]. Ich kannte mehr oder weniger Hebräisch, konnte lesen, sprach es. Aber Aramit und Jiddisch… Das war zu viel. Ich wollte sofort aufstehen und nach einem neuen Platz suchen, ich war ungeduldig und es war mir egal, was sie über mich denken, aber Chaim hatte mich zurückgehalten.

Er war es gewohnt, in einer religiösen Einrichtung zu studieren. Er war voller Respekt vor dem „weisen Mann und seinen Schülern“. Also machte er eine Geste, um mich aufzuhalten und sagte zu mir: „Wir bleiben!“

So saßen wir bis zum Ende der Lektion, und ich wusste, dass ihr Hebräisch für mich genauso unverständlich ist wie der Aramit und das Jiddisch. Ich dachte: „Wir müssen von hier weglaufen und zwar schnell“.

 Aber der alte Mann fragte plötzlich: „Was wollt ihr denn?“

„Wir kommen aus Rehovot und wollen einen Ort finden, an dem wir Kabbala studieren können“, sagte ich.

Ich erinnere mich, dass ich das gesagt habe: „Wir wollen einen Platz finden“, nicht „studieren“, weil ich mir sicher war, dass wir nicht lange hier bleiben würden.

„Ich werde diesen Ort für euch organisieren. Gib mir deine Telefonnummer, ich werde es einrichten und dich anrufen“,  antwortete der alte Mann.

Wie oft hatte ich darüber nachgedacht, wie unmöglich es ist, dieses höchste Szenario logisch zu berechnen? Ich war damals bereit zu gehen, zu fliehen. Und ich wurde aufgehalten. Was für ein Glück!

[1]  das Buch Sohar ist das wichtigste kabbalistische Buch, das um 120 n. Chr. vom Rabby Schimon bar Johai (RASHBI) geschrieben wurde
[2] Aramit, die Sprache der semitischen Gruppe. In der Antike war Aramit eine gesprochene Sprache im Land Israel, Syrien und Mesopotamien.
[3] Jiddisch – (wörtlich „jüdisch“) – ist ein jüdisch-deutscher Dialekt der germanischen Gruppe, historisch gesehen die Hauptsprache der aschkenasischen Juden, die zu Beginn des XX. Jahrhunderts von etwa 11 Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesprochen wurde.

 

[# 241896]

Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 2

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Führung in eine ausweglose Situation…

 

Dann, eines Tages, nach einer weiteren Suche nach einem Lehrer, saß ich mit meinem Freund Chaim Malka in seiner Wohnung in Rehovot. Ich kam nach der Arbeit, müde und ausgelaugt. Hatte mich einfach hierher geschleppt. Es war ein kalter, regnerischer Winterabend mit starken Windböen. Chaim schlug vor: „Lass uns wie immer Kaffee kochen und lernen. Aber ich sagte: „Nein, das kann ich nicht mehr.“

Ich erinnere mich sehr deutlich an dieses Gefühl: Es ist alles umsonst, man kann nirgendwo hin, warum sollte ich so leben?!! Es ist ein Wunder, wenn ein Mensch in einen solchen Zustand gebracht wird und nicht entkommen darf. Es scheint, dass man aufstehen, die Tür zuschlagen und alles vergessen sollte. Ich habe Geld, sogar viel Geld. Ich habe einen Job, die Familie ist wunderbar. Ich gehe hin, wohin ich will, reise, lebe zum Vergnügen. Aber nein. Ich fühlte mich in eine ausweglose Situation geführt, wie mit dem Gesicht zur Wand gestellt, doch plötzlich spürte ich wie die letzte Hoffnung  in mein Herz floss.

Erst jetzt, viele Jahre später, wurde mir klar, dass dies die teuersten Momente meines Lebens waren, in denen ich mich in einer ausweglosen Situation befand. Genau das wird ein Gebet genannt.

Und in diesem hoffnungslosen Zustand, sagte ich zu meinem Freund:

– Chaim, wir werden jetzt sofort nach einem Lehrer suchen.

  Wie aus dem Nebel, aus völliger Machtlosigkeit, kamen diese Wörter angeschwommen.

– Wir müssen ihn noch heute finden!

– Wo finden? – fragte er – Du und ich waren überall.

– Ich habe gehört, dass man die Kabbala in Bnei-Brak[1] studiert.

Nicht dass ich jemals darüber nachgedacht hätte. Seit all diesen Jahren war ich nur für einen oder zwei Tage in Bnei-Brak. Ich kannte diese Stadt nicht. Doch plötzlich sagte ich: „In Bnei-Brak”.

Auch Chaim dachte nicht eine Sekunde nach, und sagte plötzlich: „Okay, fahren wir.“

Wir stiegen ins Auto und fuhren los. Ich erinnere mich, dass der Regen auf die Windschutzscheibe peitschte und ich fast blind fuhr. Aber ich dachte nicht einmal daran, anzuhalten, auf das Regenende zu warten, nein. Fahren, und zwar so schnell wie möglich.

[1] Bnei-Brak – liegt im Bezirk von Tel Aviv. Der größte Teil der Stadt besteht aus religiösen Einwohnern

 

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Fortsetzung folgt…

Michael Laitman – Immer mit mir – Teil 1

Über meinen Lehrer RABASH[1]

 

Bild könnte enthalten: 1 Person, Brille und Bart

 

RABASH, der älteste Sohn und Schüler von Baal HaSulam, setzte das Werk seines großen Vaters fort, war der letzte in der Kette der großen Kabbalisten von Adam bis heute. In seinen Werken gab RABASH eine detaillierte Beschreibung der Phasen des spirituellen Weges des Menschen. Michael Laitman (PhD-Philosophie, MSc Biokybernetik) ist ein weltweit anerkannter Forscher auf dem Gebiet der klassischen Kabbala, Student bei RABASH, Gründer und Leiter der International Kabbala Academy (IKA), einer unabhängigen, gemeinnützigen Vereinigung, die Forschung- und Bildungsarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft der Kabbala leistet.

М. Laitman ist der Autor von mehr als 70 Büchern, die in 40 Sprachen übersetzt wurden, die ausführliche Kommentare zu allen authentischen Kabbalistischen Quellen enthalten.

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Die wichtigste Frage des Lebens

 

Ich kam zu RABASH, müde davon, ständig zu suchen, hungrig nach der Wahrheit. Ich hatte mein ganzes Leben lang vergeblich nach ihr gesucht.

„Warum lebe ich?“ – Diese Frage quälte mich, trocknete mich buchstäblich aus. Ich erinnere mich an mich selbst als Kind, als ich im hohen Gras eines Stadtparks lag, die Sterne ansah und traurig und hoffnungsvoll dachte: „Vielleicht kommt die Antwort von dort? Was ist der Sinn meines Lebens, nun, was ist er?“ Ich hatte noch nicht einmal angefangen zu leben, ich wurde schon von Sehnsüchten aufgefressen. Eine Sehnsucht nach einem unbekannten, hohen, wahren Ziel.

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Jahre vergingen, ich versuchte, die Antwort in der Wissenschaft zu finden, in Büchern zu lesen, logisch zu verstehen. Aber es klappte nicht. Es wurde nur noch schlimmer. Die Leere und Hoffnungslosigkeit all meiner Bemühungen wurde immer deutlicher. Irgendwann dachte ich sogar, dass ich sterben würde, ohne etwas zu erreichen. Ich zog nach Israel. Ich arbeitete vier Jahre lang in der Armee, reparierte die Elektronik von Flugzeugen.

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Danach gründete ich mein eigenes Unternehmen, das ein gutes Einkommen brachte, kaufte eine zweistöckige Penthouse-Wohnung, versuchte, die Reichen und Adligen nachzuahmen, glaubte, ich werde vergessen…

Aber nein, ich konnte es nicht, ich stand nachts auf, ging in den Hof hinaus und konnte mir nicht helfen, Tränen flossen aus meinen Augen. „Was zum Teufel ist das?“ – fragte ich mich und wandte mich an jemanden, wusste nicht an wen: „Gib mir wenigstens eine Richtung, wohin ich schauen soll?!“

Irgendwann glaubte ich, die Antwort sei bei den Religiösen und beobachtete.

Sie sind so friedlich, ruhig – anscheinend haben sie den Sinn des Lebens gefunden. Ich ging nach Jerusalem, zu einem berühmten russischsprachigen Rabbiner, der mir ernsthaft erzählte, dass die Schlange auf zwei Beinen stand – „Nicht wahr? So steht es geschrieben!“

“Soll ich es glauben?”,  fragte ich ihn.

“Natürlich, sieh nur, es steht da schwarz auf weiß!”, antwortete er.

Ich erschrak sofort vor der absoluten Unwissenschaftlichkeit.

So traf ich mich mit Branover, einem Doktor der Physik, der zu einem religiösen Mann wurde. Ich dachte, Physiker, ein Mann der Wissenschaft…Aber es ging nicht.

Drei Monate lang habe ich in Kfar Chabad[2] studiert, studierte den Talmud[3] mit Jugendlichen und las „Tanya“[4]. Ich ging weg.

Im Laufe dieser „Suche“ traf ich einen Freund, der, wie ich, auf der Suche war. Sein Name war Chaim Malka, wir wurden Freunde. Wir begannen uns jede Nacht zu treffen und arbeiteten uns systematisch durch alle Bücher hindurch. Chaim las laut, und ich schrieb, als wäre ich an der Uni. So studierten wir viele Bücher von RAMAK[5] und RAMCHAL[6].

Aber ich hatte das Gefühl, dass die Bücher nicht mehr helfen Und noch mehr: “sie werden uns nicht helfen”. Ich verstand es jetzt – alleine können wir nicht durchbrechen. Wir müssen nach dem Lehrer suchen. Denjenigen, der diesen Weg bereits gegangen ist.

Gesagt, getan! Wir fingen an zu suchen.

Wir trafen uns mit Baba Sali[7], alle sagten, er sei ein Kabbalist. Er erwies sich als ein einfacher, sehr offener Mensch, der erzählte, was er sah, aber er konnte es nicht erklären.

Dann kam ich zum Zentrum von Berg[8].

Ich kaufte alle Bücher die sie hatten. Ich traf mich mit Berg selbst, nahm sogar ein paar Lektionen von ihm, bis er die Erklärung mit dem Kosmos verbunden hat. Hier wurde mir klar, dass es definitiv nicht meins war, ich konnte keine Mystik ertragen…

So ging ich nach Jerusalem, zu Yitzhak Silberman.

Er war ein anerkannter Kabbalist, lebte in Jerusalem. Er lehrte die Kabbala nach Vilna Gaon[9] und war ein religiöser Mann, der von allen respektiert wurde. Nicht wie der Mystiker Berg, den keiner ausstehen konnte. Er sagte mir: „Du und ich leben unter den Gläubigen, also sollten wir den Talmud studieren. Er wird uns Schutz gewähren, damit wir die Kabbala studieren können. Weil niemand die Kabbala mag.“

Ich fing an, von ihm zu lernen. Er gab einige Grundlagen der Kabbala basierend auf dem Buch „Safra de Zniüta“ Vilna Gaon. Aber auch er konnte mir nichts erklären! Er hat es einfach vorgelesen und das war alles. Das machte mich wütend: „Nun, worum geht es hier bitte?“,  fragte ich. Er antwortete: „Wir werden es eines Tages herausfinden“. Ich war nicht zufrieden mit diesem „eines Tages“. Ich brauchte Antworten, keine Versprechungen. Dann kam Silberman zu mir nach Hause und sah die Bücher von Baal HaSulam[10] in meinen Regalen.

Er wurde blass, zeigte auf die Bücher und sagte: „Es ist besser, sie im Keller zu verstecken, außer Sichtweite.“ Da beschloss ich, dass es an der Zeit war, mich von ihm zu verabschieden. Dies war das erste Mal, dass ich Baal HaSulam verteidigte, obwohl ich nicht wusste, dass ich den Rest meines Lebens mit seinem Erbe verbinde.

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[1] RABASH – Baruch Shalom a-Levy Ashlag (1907-1991), Sohn und Schüler von Baal HaSulam – dem größten Kabbalisten des XX Jahrhunderts.
[2] Kfar Habad (Hebräisch: ד „חב כפר – (Chassidische religiöse Siedlung), CHABAD in Israel. CABAD – Verweis auf den   Chassidismus, wird Lubavitcher Chassidismus genannt.
[3] Talmud – (die Lehre), eine Reihe von rechtlichen, religiösen und ethischen Bestimmungen des Judentums, die Mishna und Gmara in ihrer Einheit umfassen.
[4]  Tanya (hebräisch תניא) (oder Likutei Amarim (hebräisch אמרים ילקוטי)) – das Basalbuch von HABAD.
[5]  RAMAK – Moshe Cordovero r. (1522-1570) – berühmter Kabbalist, Vertreter der Kabbala-Schule von Safet, Autor vieler Bücher.
[6] RAMCHAL – r. Moshe Chaim Lutsatto (1707-1747) – Kabbalist, Autor von Dutzenden von Büchern über Kabbala und jüdische Ethik.
[7] Israel Abuhatsir (auch bekannt als Baba Sali, was „betender Vater“ oder „Vater Israel“ bedeutet; 1889-1984) Er war ein Kabbalist, ein spiritueller Führer der marokkanischen Juden in Marokko und Israel.
[8] Kabbala Berg Center – gegründet 1971 von F. Berg. Er ist ein Schüler des J. Brandwein – einer der Schüler von Baal HaSulam.
[9] Vilna Gaon, Rav Eliyahu ben Shlomo Salman (1720 – 1797) –  Kabbalist, hervorragende spirituelle Autorität.
[10] Baal HaSulam – Yehuda Ashlag r. (1884-1954). Gründer der modernen Kabbala-Methode. Autor von Kommentaren zu den Werken von ARI. Der Name „Baal HaSulam“ wurde ihm nach seinem Kommentar „Sulam“ („Treppe“ – Hebräisch) zum Buch Sohar gegeben.

 

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Fortsetzung folgt…

Wurzeln und Zweige – Ursachen und Folgen

Die Worte des Lehrers können niemals das höhere Wissen vermitteln. Es befindet sich außerhalb von Zeit, Raum und Bewegung. (Baal HaSulam, „Das Wesen der Wissenschaft Kabbala“)

Es handelt sich um die Höhere Welt, die außerhalb von unserer Wahrnehmung liegt, und deshalb können wir keinen geeigneten Gegenwert zu dem finden, was sich darin befindet. Schließlich gibt es in unserer Welt keine entsprechenden Worte, Ausdrücke, Kräfte, Handlungen, Beziehungen wie in der Spiritualität.

Es gibt dann ein Problem: Wie kann man die spirituelle Welt mit unseren Worten einem Menschen erklären, der gerade erst mit seinem Weg beginnt? Deshalb sagt Baal HaSulam, dass wir versuchen sollten, es in der Sprache der Zweige darzustellen. Was bedeutet aber „die Sprache der Zweige“?

Trotz der Tatsache, dass die höhere Welt mit unseren gegenwärtigen Eigenschaften völlig unbegreiflich ist, steigt alles, was sich in ihr befindet, in unsere Welt herab und bildet hier Zweige – die Folgen daraus.

Wenn wir die Sprache der Zweige richtig verwenden, das heißt, wir benennen die Eigenschaften der Höheren Welt mit Wörtern, Bildern und Begriffen unserer Welt, können wir alles, was dort existiert, richtig ausdrücken und unser Wissen vom Lehrer zum Schüler oder zwischen den Menschen übertragen, ohne Verwirrung zu verursachen.

Angenommen es gibt in der Höheren Welt einige Wechselwirkungen zwischen den Punkten „A“ und „B“ (Wurzeln). Und in unserer Welt sehen wir ihre Folge als „a“ und „b“ (Zweige).

Folglich können wir dann sagen, dass von der Höheren Welt in unsere Welt eine Eigenschaft herabgestiegen ist und in ihr eine bestimmte Folge gebildet hat, das heißt, wir können über das Zusammenspiel von Wurzeln und Zweigen sprechen.

Frage: Kann man etwas über ein großes „A“ anhand des kleinen „a“ sagen?

Antwort: Wir können nur eines sagen: das kleine „a“ und das große „A“ stehen zueinander als Ursache und Wirkung. Das große „A“ ist die Ursache, das kleine „a“ ist die Folge. Gleiches gilt für das große und kleine „B“. Deshalb werden sie als „Wurzel“ (Ursache) und „Zweig“ (Folge) bezeichnet.

Auf diese Weise besteht ein Zusammenhang zwischen den Eigenschaften des Höchsten und unserer Welt. Und wenn wir Wahrnehmungen der Höheren Welt haben, dann können wir bereits sagen, dass wir uns von den Zweigen zu den Wurzeln bewegen. Wir verstehen dann unter den Zweigen unserer Welt das Zusammenspiel der Wurzeln.

Aus dem Unterricht von 27.10.2019

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