Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Wenn Juden zu Antisemiten werden

The Times of Israel veröffentlichte meinen aktuellen Artikel “ Wenn Juden zu Antisemiten werden

 

Ist es gefährlich, in Paris eine Fremdsprache zu sprechen? Anscheinend  nicht, es sei denn, die Sprache ist Hebräisch. Dies war die jüngste Erfahrung eines israelischen Studenten. Nachdem man ihn am Telefon hebräisch sprechen hörte, wurde er Opfer eines gewalttätigen Angriffs in der Pariser U-Bahn durch zwei unbekannte Täter, die ihn bewusstlos schlugen und liegen ließen. Dieser Angriff sei „eindeutig allein auf den Hass gegen Israel zurückzuführen“, sagte Meyer Habib, Mitglied der französischen Nationalversammlung, die vor Tagen eine Resolution verabschiedet hatte, in der Antizionismus und Antisemitismus gleichgesetzt wurden.

Für einen Moment schien es, als sei mit einem solchen Gesetz ein Sieg der Wahrheit errungen, aber die anhaltenden anti-jüdischen und anti-israelischen Emotionen beweisen, dass man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen kann.  Der nächste Schritt ist die Gewährleistung unseres Lebens gegenüber den ständigen Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind. Einen Tag vor der Abstimmung veröffentlichten 127 jüdische Intellektuelle, darunter Israelis, in der Zeitung Le Monde, einen offenen Brief gegen das Gesetz, das Antizionismus mit Antisemitismus gleichsetzt. Der Angriff in der Pariser U-Bahn steht symbolisch dafür, dass ihre wunderschönen Worte ihnen nicht geholfen haben, aber der Brief enthüllt ebenso unsere wahre Natur: Der Jude kann sich selbst zum größten Feind werden.

Wo liegt die Grenze zwischen der Kritik an Israel und dem Antizionismus?

Es gibt kein Problem im Hinblick auf die Kritik an Israel, aber eben im Hinblick auf die giftige Kritik, die zu seiner Zerstörung aufruft. Freie Meinungsäußerung für jeden, der zum Frieden aufruft, sollte erlaubt sein, aber kein Frieden durch Vernichtung, schon gar nicht durch antisemitische Botschaften, von denen wir mehr als genug haben.

Die Juden machen weniger als ein Prozent der Bevölkerung Frankreichs aus, und dennoch wurden 2017 fast 40 Prozent aller Gewalttaten, im Zusammenhang mit Religion oder Rasse, gegen Juden verübt. Im vergangenen Jahr sind die antisemitischen Übergriffe um 75 Prozent gestiegen. Der französische Innenminister hat diese Manifestationen als Feindseligkeit beschrieben, die sich „wie Gift“ ausbreitet und ganze Familien zur Auswanderung zwingt. 

Im Ernst, was bringt gebildete Menschen dazu, unvernünftig zu handeln? Wie ist es möglich, dass sich Juden, die entweder in Israel oder im Ausland leben, mit Organisationen identifizieren, die die Delegitimierung ihrer Heimat unterstützen? Wie stellen sie sich ihre Zukunft vor?

Die BDS (Boykott-, Deinvestitions- und Sanktionsbewegung) ist bereits ein bekanntes Phänomen unter den internationalen Organisationen, besonders unter denen, die gegen das jüdische Volk und den Staat Israel handeln. Ihr gehören jüdische und israelische Aktivisten an, die die größten Antisemiten sind. Warum ist das so? Der Grund dafür ist, dass sie versuchen, sich von der Erfüllung ihrer Bestimmung, „ein Licht für die Nationen“ zu sein, zu befreien und nach Wegen zu suchen, ihre Wurzeln auszulöschen oder zu verstecken. 

Einige denken sogar, dass sie, wenn sie sich assimilieren, ihr innewohnendes Judentum verlieren werden, aber gemäß der Weisheit der Kabbala ist das ausgeschlossen. Juden werden immer Juden bleiben. Ihre jüdischen spirituellen Wurzeln sind ewig.

So wie der Hass auf diesen unkontrollierbaren und sogar unerwünschten Zustand im Juden erwacht, so erwacht auch sein Hass auf das Wesen des Volkes Israel. Es ist eine Abneigung, die sich die Menschen im Allgemeinen selbst nicht erklären können, aber sie ist stark genug, um sie zu veranlassen, aggressiv gegen das jüdische Volk zu handeln.

Juden gegen Juden: Der Kampf mit der spirituellen Wurzel

Rav Yehuda Ashlag (Baal HaSulam) schreibt: „In jedem Menschen, auch wenn er weltlich ist, gibt es einen unbekannten Funken, der die Vereinigung mit Gott verlangt. Wenn dieser manchmal erwacht, erweckt er einen, um Gott zu erkennen oder Gott zu verleugnen, was ein und dasselbe ist.“ („Die Lösung“)

Dieser unbekannte Funke, auf den sich Baal HaSulam bezieht, wird der „Punkt im Herzen“ genannt. Er existiert in jedem Menschen auf der Welt, aber ist bei Juden stärker ausgeprägt und weniger sichtbar bei den Nationen der Welt. Die Weisheit der Kabbala erklärt, dass das Herz die Verschmelzung von Selbstliebe oder Egoismus ist, und der Punkt im Herzen ist der einzigartige Funke, der nach der Liebe zu anderen strebt. So wie das Ego wächst, so wächst auch die Spannung zwischen diesem und dem Punkt im Herzen, und so wächst die Abneigung und sogar der Hass gegen die Juden in der Person. Außerdem spiegeln sich die inneren Beziehungen zwischen dem Punkt im Herzen und dem Herzen in den Beziehungen zwischen Israel und den Nationen der Welt wider. Wir nähern uns also einer Situation, in der sich die Nationen der Welt ohne Ausnahme gegen Israel erheben werden.

Deshalb gibt es Juden, die sich durch Antisemitismus oder anti-israelische Stimmungen benachteiligt und unter Druck gesetzt fühlen. Um dem gegen sie gerichteten Hass zu entkommen, leben sie in verschiedenen Ländern der Welt und versuchen, ihre jüdische Identität zu verbergen. Nach und nach werden sie selber zu Judenhassern, entweder bewusst oder unbewusst. Es gibt andere, die, anstatt Israel zu verlassen, im Land bleiben, ihren Lebensunterhalt verdienen, studieren, lehren und eine Familie gründen, aber die Ablehnung ihrer wahren Identität bleibt in ihren Herzen. Beispiele für solche antisemitischen Juden, die in Israel leben, sind diejenigen, die von ihren Büros in der Wissenschaft aus öffentliche Briefe zur Unterstützung antisemitischer Organisationen unterschreiben.

Wenn die Akademiker sich über das Schicksal und die Situation Israels Sorgen machen, sollten sie lieber die Geschichtsbücher und die authentischen Quellen der jüdischen Nation öffnen, um die Rolle des Volkes Israel zu verstehen, die darin besteht, sich zu vereinen und die Methode der Vereinigung an die Menschheit weiterzugeben. Allerdings fehlt ihnen das Bewusstsein für ihre erhabene Rolle und die Größe ihrer Verantwortung gegenüber der Welt.

Wenn die Juden die Wichtigkeit und Dringlichkeit erkennen, sich über das Trennende hinweg zu vereinen und diese Einheit in der Welt verbreiten, wird der Antisemitismus verschwinden und alle Boykotte, Demonstrationen und Anschuldigungen gegen Juden werden aufhören. An dessen Stelle wird es eine neu gewonnene Leuchtkraft, Vollendung und Erfüllung geben, die sich durch das jüdische Volk auf die gesamte Menschheit ausbreitet und antisemitische Gefühle in ihr Gegenteil verkehrt: Unterstützung, Respekt und Ermutigung des jüdischen Volkes.

 

Immer mit mir – Teil 6

 

Ich bekam eine Chance

 

Als wir dort ankamen, war da wieder dieser alte Hauptmann.

Damals wusste ich nicht, dass es RABASH war, der größte Kabbalist, dem ich mein Leben verdanke, nicht mehr und nicht weniger als das. Ich war damals niemand, um dies zu verstehen. So sind dem Menschen die Augen, Ohren, Verstand verschlossen und man sieht nicht, wer vor einem steht. Man ist bereit, aufzugeben und zu gehen. Aber trotzdem, man hält dich fest, gibt dir die Chance, dich festzuhalten.

Auch mir wurde diese Chance gegeben.

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Es war die erste Spur, was ich auf dem Gebäude sah.

Das Schild für „ARI-Aschlag“[1]. Ich sah dieses Schild am Vorabend nicht. Ich wusste, dass ARI ein großer Kabbalist des 16. Jahrhunderts war. Chaim und ich versuchten, seinen „Lebensbaum“ zu lesen.

Ich wusste, wer Rabbi Ashlag war. Wir lasen sein Lehrbuch „Die Lehre der zehn Sefirot“[2], das nicht einfach war. Wir arbeiteten an seiner “Einführung in die Wissenschaft der Kabbala“[3] und dachten, wir hätten etwas verstanden. Kurz gesagt, es beruhigte mich ein wenig.  „ARI-Aschlag“ war definitiv die Kabbala.

Wir kamen herein, RABASH rief einen der alten Männer, er nannte ihn Hillel, rief ihn zu sich wie ein Kind und sagte:”Hillel, komm her, lerne mit ihnen”.

Damals war Hillel etwa 65 Jahre alt, er war ein kranker alter Mann, mit tränenreichen Augen und einem blassen Gesicht, er konnte sich kaum bewegen. Ich dachte noch: „Wird er uns das beibringen?”

Danach erfuhr ich, dass Hillel ein Nachkomme einer berühmten chassidischen Familie war, hätte das Oberhaupt der Dynastie sein können, aber eines Tages, als er jung war, traf er RABASH. Sie begannen über innere Arbeit, über die höhere Lenkung zu sprechen, und Hillel sah plötzlich, dass RABASH etwas weiß, wovon er keine Ahnung hat. Er war erstaunt, woher RABASH dieses Wissen hatte, er war begeistert, ließ alles zurück und hängte sich an RABASH. Wie sich danach herausstellte, für immer.

Ich fand später alles über Hillel heraus, doch bis dahin war ich sehr unsicher, ob ich etwas von ihm bekam was ich suchte. Ich sah mir wieder die Tür an und dachte darüber nach, wie man unbemerkt verschwinden könnte… aber ich blieb. Dank RABASH. Plötzlich bemerkte ich, wie leicht seine Bewegungen waren, wie er mit der Hand irgendwie besonders auf uns zeigte, wie er mir zu nickte. Ja, ja, das war es, woran ich mich erinnere. Er sah mich so an, dass ich beschloss, mich nicht zu beeilen und zu bleiben.

Jetzt weiss ich, dass RABASH schon damals alles über mich wusste.

[1] „ARI-Ashlag“ Name setzt sich aus den Namen der Kabbalisten zusammen: Yehuda-Ashlag (Baal HaSulam) und ARI – der vollständige Name von Yitzhak Luria Ashkenazi (1534-1572). Einer der größten Kabbalisten in der Geschichte der Menschheit. Er schuf ein grundlegendes System der Kabbala-Ausbildung. Mit seiner Methodik kann jede Person dank dem Studium der Kabbala zum Ziel der Schöpfung kommen. Sein Hauptwerk ist das Buch „Der Baum des Lebens“.
[2]  TES – Talmud Eser Sefirot (Hebräisch – „Lehre der Zehn Sefirot“) – das wichtigste kabbalistische Lehrbuch unserer Zeit (6 Bände, mehr als 2000 Seiten). Das Haupterbe von Baal HaSulam. Obwohl Baal HaSulam als Autor des Kommentars „Sulam“ zum Buch Sohar bekannt ist, aber für diejenigen, die in die höhere Welt eintreten wollen, gibt das Werk “Die Lehre der zehn Sefirot“ die notwendigen Kräfte, um die Grenze zwischen unserer und der höheren spirituellen Welt zu überwinden. Das Buch enthält Fragen und Antworten, Materialien zur Wiederholung und Erinnerung, Erklärungen, Grafiken, Zeichnungen und so weiter. Das Buch bietet eine Beschreibung der Gesetze und Kräfte, die unser Universum regieren.
[3] Baal HaSulams Artikel, der vor dem Buch Sohar und den TES zu studieren beginnt.

 

[# 242008]

Fortsetzung folgt