Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Eine schmale Brücke zwischen den Welten

Es gibt keinen höheren Zustand als die Annullierung der eigener Selbstsucht, aller eigenen Gedanken und persönlichen Verlangen, der vorausgegangenen Beziehungen, aller Pläne, Ziele und Hoffnungen. Es ist die volle Annullierung des eigenen „Ich“, als ob ich nicht existiere, niemals existiert hätte, und nie existieren würde.

Alles, was in mir bleibt, sogar jener Funke oder Tropfen, aus dem ich geboren werden soll, gehört auch nicht mir, sondern dem Höheren, kommt aus seinem Ursprung. Ich muss mich so annullieren, damit dieser Tropfen, aus dem ich jetzt beginnen werde mich zu entwickeln, zum Tropfen des Lichtes wird, der nicht zu mir gehört.

Es ist schwierig sich das vorzustellen, aber in Wirklichkeit erfolgt der Eintritt in die Spiritualität infolge des Zustandes, in dem sich der Mensch vollständig annulliert. Dann ist das einzige, was von unten nach oben durchdringen kann, dieser Funke, den der Mensch nicht als Teil seiner selbst empfindet.

Deshalb ist hier die Arbeit an der Annullierung notwendig. Und nach dem Machsom fängt dann die Arbeit mit dem Verlangen zu genießen an, die sich von der Arbeit vor dem Machsom unterscheidet, also von der Phase der Vorbereitung. So beginnt der Mensch in der Spiritualität zu „wachsen“, seine Entwicklung von Augenblick zu Augenblick besteht in einer immer größeren Annullierung seines “Ich”. Außer dieser Arbeit muss er mit seinem Verlangen zu empfangen zum Wohle seiner Nächsten arbeiten, was wesentlich höher und anspruchsvoller ist als die einfache Annullierung. Diese Handlung erfordert volle Verschmelzung mit seinem Nächsten und den Dienst in der Liebe, die über dem Hass aufgebaut ist.

Die volle Annullierung ist der erste spirituelle Zustand, in welchem wir den Übergang aus einer Welt in die andere begehen. Die volle Annullierung wird mit Hilfe des Lichtes, das zur Quelle zurückführt, verwirklicht.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, 22.03.2013

Hinter dem Machsom geboren werden

Frage: Kann ich erwarten, dass wir den Machsom auf dem Kongress in New Jersey vom 10. bis zum 12. Mai überqueren?

Meine Antwort: Wenn du genau weißt, was es bedeutet „den Machsom zu überqueren“ und ein sehr starkes Verlangen danach hast, dann wird es dir auf jeden Fall gelingen. Den Machsom zu überqueren bedeutet, sich in die Gruppe einzureihen, in der spirituellen Welt geboren zu werden.

Für die Geburt musst du mit Hilfe des höheren Lichtes den Punkt in deinem Herzen, den Tropfen des spirituellen Samens nach oben verlegen, und zwar indem du ihn in „den weißen Tropfen“ des Lichtes, in den Keim deiner Seele umwandelst. Durch ihn wirst du die Spiritualität wahrnehmen können, darin wirst du die Selbstaufhebung, vor allem in Bezug auf die Gruppe, auf die Eigenschaft des Gebens empfinden, so dass du folglich das Gleiche für den Schöpfer empfinden wirst. Es wird deine erste Empfindung der höheren Welt sein: die Selbstannullierung.

Und später beginnt sich aus diesem Tropfen des spirituellen Samens der Keim zu entwickeln, wobei zu dieser Selbstannullierung eine immer größere Selbstsucht hinzugefügt wird, die du korrigierst und in das Material für die Vereinigung mit der Gruppe umwandelst. Gerade mit ihrer Hilfe entwickelst du dein Gefäß, das heißt den spirituellen Körper. Du verlegst jedesmal die ganze korrigierte Selbstsucht auf die andere Seite, hinter den Machsom.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 23.04.2013

Mission Impossible?

Baal HaSulam, „Die Bürgschaft“: Jeder Angehörige des Volkes Israel sollte sich darin verpflichten, sich um alle zu sorgen, und zwar mindestens genauso sehr wie er sich gemäß seiner Natur um seine eigenen Bedürfnisse sorgt.  

Diese Einstellung erscheint irgendwie unrealistisch. Wie kann man dies verwirklichen? Denn wenn diese Bedingung bereits im Geschöpf hinterlegt wurde, ob wir wollen oder nicht, müssen wir sie erfüllen. Eigentlich machen wir viele Sachen gegen unseren Willen, manchmal glauben wir sogar, dass wir etwas wirklich wollen.

Aber jeder vernünftige Mensch kann erkennen, was von der Natur ausgeht, wie sie in uns verschiedene Reize, Gedanken und Verlangen weckt, ohne uns nach unserer Meinung zu fragen. Wir entscheiden darüber nicht im Voraus, sondern entdecken diese in uns erst im Nachhinein.

Heute sehen wir bereits, dass uns das System im Endeffekt dazu verpflichtet, ihm gleich zu werden. Was tun? Auf diese sich annähernde Perspektive mit Schrecken reagieren? Zittern wie vor einem Vulkanausbruch, vor dem man nicht wegrennen kann?

Oder können wir trotzdem irgendetwas tun? Wie dem auch sei, die Kabbalisten behaupten, dass die Bürgschaft für uns notwendig ist. Und wenn wir die moderne Welt betrachten, sehen wir auch, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach auch keinen anderen Ausweg mehr geben wird.

Wenn wir uns dagegen wehren, erwecken wir nur den ganzen Egoismus in uns und im Endeffekt vernichten wir damit am Ende die Erde. Denn tatsächlich denkt keiner, dass er in der Lage ist, sich wirklich zu verbinden. In unseren Augen ist es einfach nicht zu realisieren bzw. in die Tat umzusetzen, es ist einfacher zu sterben, jedoch ist auch eine solche „Erlösung“ nicht einfach zu erlangen…

Also wenn uns diese Bedingung gestellt wird, müssen wir lernen, wie wir sie schleunigst umsetzen. Es ist schon klar, dass dieser Weg die Rettung von den Leiden darstellt, welche noch schlimmer sind als der Tod, da sie durch die meist gehasste Sache der Welt  hervorgerufen wurden – irgendetwas, das wir einfach nicht akzeptieren können. Deswegen müssen wir alle Prinzipien erforschen, die uns irreal erscheinen:

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, die Bürgschaft, Bruderliebe. Verschmelzung in einem Herzen. Hier versteckt sich auch die Lösung – nicht nur Mittel und Wege, um den Leiden zu entgehen, sondern eine unerwartete Gelegenheit: Wir haben es nicht vermutet, aber unterdessen, dank der Liebe zum Nächsten, wird uns die ewige Welt enthüllt.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel “Die Bürgschaft“, 22.04.2013

In einer interessanten Position

Wir befinden uns innerhalb sehr interessanter Beziehungen mit dem Schöpfer. Wenn der Mensch mit Ihm seine egoistischen Hoffnungen verbindet, wie es alle Menschen in dieser Welt tun, dann ist alles in Ordnung und alle glauben an den barmherzigen Gott, Der sich um sie sorgt. Und obwohl die Menschen leiden, finden sie immer eine Rechtfertigung für ihre Leiden. Wir sehen, dass es leicht ist, den einfachen Glauben zu praktizieren. Milliarden von Menschen glauben fest an die Existenz der höheren Kraft und sind bereit, für ihren Glauben zu kämpfen, sogar ihr Leben dafür aufzuopfern.

Es ist deshalb so einfach zu glauben, weil es von unserer Selbstsucht gerechtfertigt wird. Der Mensch verherrlicht den Schöpfer und strengt sich an, die religiösen Traditionen zu erfüllen. Wir sind dagegen überhaupt nicht fähig, an den Schöpfer zu denken, wir bezweifeln Seine Existenz, Seine Güte, wir empfinden nicht, dass alles von Ihm kommt. Das ist deshalb so schwierig, weil das nicht aus der Selbstsucht, sondern aus dem Punkt im Herzen kommt – und zwar in der entgegengesetzten Form im Vergleich zu der allgemeingültigen Beziehung zum Schöpfer.

Damit unsere Beziehung zum Schöpfer nicht auf der Selbstsucht, sondern auf der anderen Grundlage basiert, ist uns die Umgebung gegeben. Mit ihrer Hilfe können wir uns tatsächlich mit dem Schöpfer in dem Maß verbinden, in welchem die Umgebung uns Seine Wichtigkeit einflößen wird. Je wichtiger die Umgebung in unseren Augen sein wird, umso größeren Wert wird der Mensch auf alles in dieser Gesellschaft legen, einschließlich auf die Wichtigkeit des Schöpfers.

Wenn er die Umgebung mit dem Punkt im Herzen verbindet, dann wird der Schöpfer darin, innerhalb der Gruppe offenbart, und in den Menschen, in seinen Punkt im Herzen allmählich eingehen. Wir sollen gerade das von der Gruppe fordern. Anderenfalls gibt es nicht die geringste Chance, den Schöpfer zu offenbaren – nur indem man die Umgebung mit dem Punkt im Herzen verbindet, damit innerhalb ihrer Vereinigung zu einem Ganzen der Schöpfer offenbart wird.

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht, 23.04.2013

Das Familiennest des Schöpfers und des Geschöpfes

“Klipat Noga” besteht zur Hälfte aus dem Guten und zur Hälfte aus dem Bösen – das mir eigen ist und mir nicht gehört, etwas, das in der Mitte steht und mich mit dem ganzen Universum verbindet. Einerseits ist es die dunkle Kraft (Klipa), aber andererseits die Kraft, die ich benutzen kann – der Übergang von einer Realität zu einer anderen.

Es gibt immer eine Brücke, die das Gute und das Böse verbindet. Es gibt nicht so etwas Böses, das vom Guten vollständig abgetrennt wäre – außer dem steinernen Herzen (Lew haEwen). Das Steinherz hat keinen Kontakt mit dem Guten. Der Schöpfer verkörpert die Eigenschaft „Die Existenz aus dem Existierenden“ (Jesh mi jesh) und erschafft die Eigenschaft des Geschöpfs „Die Existenz aus dem nichts“ (Jesh mi Ajn), die früher nicht existierte, weshalb es zwischen ihnen keinen verbindenden Übergang gibt.

Zwischen den Eigenschaften „Jesh mi Jesh“ (dem Schöpfer), und „Jesh mi Ajn“ (dem Verlangen des Geschöpfes) gibt es keine „Klipat Noga“, keinen Übergang zwischen dem Steinherz und dem Schöpfer, weshalb es unmöglich ist, diese Eigenschaft direkt zu korrigieren. Jedoch existiert zwischen allen anderen Eigenschaften ein Übergang, nach dem man immer suchen sollte. Es wird gesagt: „Der Mensch soll seinen guten Anfang vom bösen Anfang abziehen“, das heißt, hier ist ein Konflikt zwischen ihnen notwendig.

Aber schon am Anfang soll man wissen, dass am Ende dieses Konflikts, dieser mächtigen Reibung, der wahren Explosion, etwas Mittleres offenbart wird, das die feindlichen Seiten verbindet: wie der Affe das Bindeglied zwischen dem Menschen und dem Tier ist, so existiert auch der Übergang zwischen den Stufen, den Zuständen.

Dieser Übergang ist eben der wichtigste Moment. Denn zwei entgegengesetzte Seiten, das Gute und das Böse, bleiben auf der laufenden Stufe bestehen, und der Übergang verwandelt sich in den Ort der neuen Geburt, der mich plötzlich nach oben erhebt .

Deshalb ist das mittlere Drittel Tiferet, worin sich Bina und Malchut, G“E und АCHaP verbinden, der zentralste Punkt im Universum – der Schöpfer und das Geschöpf, die  zusammen anfangen, das Familiennetz, das gemeinsame Haus zu bauen.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 19.04.2013

Schlüssel zu den 99 % der gesamten Seele

Frage: Worin besteht heute die Hauptmission der weltweiten “Bnei Baruch” Gruppen in den verschiedenen Ländern?

Meine Antwort: Die weltweiten Gruppen spielen eine sehr wichtige Rolle, denn die Kelim „Israel = G“E“ können sich nicht korrigieren, wenn sie sich nicht an den Bedürfnissen der Welt orientieren. Die Kelim Galgalta ve Ejnaim (G“E) haben keine Chance sich alleine, isoliert von den anderen zu korrigieren.

Zuerst wollte der Schöpfer die Tora den Völkern der Welt geben. Das ganze Licht befindet sich in diesem Verlangen, in ACHA“P, und nicht in den Kelim G“E. Die Kelim ACHA“P bilden tatsächlich 99.99 % vom ganzen spirituellen Gefäß. Deshalb ist das Volk Israel, Kelim G“E, das kleinste unter allen Völkern. Und es hat keinen anderen Grund für seine Existenz, außer dem, im Dienst dieses riesigen ACHA“P zu stehen.

Der Schöpfer will die Kelim ACHA“P mit dem Licht ausfüllen, und die Kelim G“E betrachtet Er als jenen Teil, der dem Schöpfer und dem Verlangen zu  empfangen dient. Israel sind Sklaven dieser Mission, aber nicht die Völker der Welt. Wir müssen unsere Verpflichtung dem Schöpfer und der ganzen Menschheit gegenüber erfüllen. Deshalb erheben beide Seiten rechtmäßige Ansprüche, denn wir sind verpflichtet, als “Adapter” zu dienen. Als “Adapter” zwischen dem Schöpfer und der Welt zu vermitteln, und umgekehrt, zwischen der Welt und dem Schöpfer. Und wir erfüllen diese Rolle nicht.

Damit wir richtig funktionieren können, brauchen wir die Verbindung mit der Höheren Kraft, mit dem Schöpfer. Diese Verbindung wird durch das Zentrum der Gruppe realisiert. Und andererseits sollen wir mit all unseren Gruppen und all unseren Freunden, die den Völkern der Welt angehören, verbunden sein. Denn so verwirklicht sich die Verbindung von uns zu ihnen, und von ihnen zu den Völkern, innerhalb welcher sie sich befinden. So verbinden wir uns und schaffen einen durchgängigen Weg von Malchut de-Malchut, des größten Verlangens in der Schöpfung, bis zu Keter de-Keter des Verlangens, und weiter bis zum Schöpfer.

Die zentrale Gruppe ist verpflichtet, sich in Liebe, Sorge und Aufmerksamkeit zu allen weltweit zerstreuten Gruppen zu verhalten. Sie soll sich unabhängig von den sprachlichen Barrieren oder der geographischen Lage enger mit diesen verbinden, und diese Freunde so nah wie möglich wahrnehmen. Denn gerade mit Hilfe unserer Chaverim können wir die Menschen und andere Völker erreichen und ihnen die Methode der integralen Bildung und Erziehung weitergeben.

Unsere Chaverim weltweit, die sich dort als „Gerim“ befinden, das heißt, dass sie über den Punkt im Herzen verfügen und sich deshalb in Israel einreihen, verwirklichen diese Verbindung zwischen ACHA“P und uns, G“E. Wir selbst können solch eine Verbindung nicht realisieren.  Das machen unsere Chaverim in den anderen Ländern der Welt.

Folglich gehören sie zur wichtigsten Schicht des Verlangens, die sich an der Grenze zwischen G“E und AHA“P befindet. Ohne dieses Bindeglied hat weder G“E noch AHA“P einen Sinn. Deshalb sind wir verpflichtet, unseren Chaverim die ganze Aufmerksamkeit zu widmen, jegliche Unterstützung zu leisten, Kongresse zu organisieren, Übersetzungen in alle Sprachen zu gewährleisten, mit andern Worten, ihnen soviel wie möglich zu helfen. Denn sie gehören gerade zu jener Schicht des Verlangens, die uns ermöglicht, unsere Existenz zu rechtfertigen und auf die Frage zu antworten, wofür wir existieren.

Wir existieren gerade deshalb, weil wir dank unserer Freunde so eine Verbindung mit AHA“P weltweit haben.

Auszug aus der Lektion nach dem Artikel „Nachfolge der Erde“, 15.04.2013