Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Von links nach rechts, wir haben jedes Regime ausprobiert, doch niemals mit Fürsorge versucht

Das vergangene Jahrhundert war voller sozialer Experimente, die uns viel gekostet haben. Zweimal wurde die Menschheit in Weltkriege verwickelt, Zehnmillionen von Menschen kamen ums Leben, Hunderte von Millionen verloren ihre Lieben und ihre Lebensgrundlage. Im zweiten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts neigten wir uns mit dem kommunistischen Russland zur extremen Linken. Etwa zwei Jahrzehnte später nahm ein Großteil Europas mit dem Aufkommen von Nazideutschland und dem faschistischen Italien eine scharfe Rechtskurve.

In der Mitte des Jahrhunderts, nach zwei Weltkriegen hatten wir genug Beweise, dass keines der beiden Extreme funktioniert. Wir setzten auf den Kapitalismus, und die Vereinigten Staaten wurden weltweit führend. Mit dem Kapitalismus dachten wir, wir hätten die Lösung gefunden. Er ignorierte grundsätzlich Ideologien und ließ zu, dass sowohl das demokratische Amerika als auch das kommunistische China kapitalistische Supermächte wurden. Statt Ideologien zu weihen, verehrte er das Geld. Und da alle das Geld lieben, begannen wir zusammenzuarbeiten.

Doch jetzt lässt uns sogar der Kapitalismus im Stich. Die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den Habenichtsen und die Unfähigkeit der Menschen, aus der Armut herauszukommen, haben den Kapitalismus zu einer weiteren Art von Tyrannei gemacht: eine Tyrannei der Mogule und nicht der Herrscher.

Die heutigen sozialen Spannungen in Amerika und überall in der Welt, insbesondere in Europa, zeigen, dass auch der Kapitalismus seinen Zenit erreicht hat. Wir haben keine Regierungsoptionen mehr; wir haben alles mögliche versucht. Jetzt führen wir entweder eine neue Zutat ein, um den Ernst der Lage zu mildern, oder alles wird zusammenbrechen.

Wenn wir versuchen, das fehlende Element in allen vergangenen Regimen zu finden, werden wir erkennen, dass es die schlichte menschliche Fürsorge gefehlt hatte. Alle früheren Ideologien versuchten, die beste soziale Struktur in einer Realität der Gleichgültigkeit und der gegenseitigen Ausbeutung aufzubauen. Die früheren Ideologien suchten nach Wegen, die obszöne, egozentrische menschliche Natur zu zügeln. Aber da diejenigen, die die Länder regierten, selbst Produkte der menschlichen Natur waren, waren ihre Bemühungen zum Scheitern verurteilt. Jetzt stellen wir zum ersten Mal in der Geschichte fest, dass es nicht die Gesellschaft ist, die wir verändern müssen, sondern einen neuen Menschen in uns erschaffen.  

Wenn wir uns die gegenseitige Fürsorge beibringen, wird es keine Rolle spielen, welche Form der Regierungsführung wir über uns haben werden. Die Sorge um den anderen wird zum Heilmittel der menschlichen Natur. 

Erstens müssen wir lernen, dass Vielfalt uns keinesfall schwächt. Im Gegenteil, vielmehr stärkt sie uns, und ermöglicht das Leben und die evolutionäre Entwicklung. 

Stellen Sie sich vor, was mit uns geschehen würde, wenn ein Körperorgan versuchen würde, ein anderes Organ, das ihm nicht ähnlich ist, zu verdrängen oder zu eliminieren. Genau das passiert, wenn wir einen anderen Menschen, einen anderen Glauben oder eine andere Ideologie ausschließen. Wenn wir erkennen, dass Vielfalt bereichert und stärkt, werden selbst die extremsten Ideen ihren Wert haben, solange sie uns nicht dazu verleiten, uns gegenseitig physisch auszulöschen.

Die Vielfalt an Ideen, selbst die extremsten, veranlassen oft die Menschen eigene Überzeugungen in Frage zu stellen, an ihren Gedanken zu feilen und mehr über sich selbst zu erfahren. Ohne die Unterschiede wären wir wie Roboter.

Zugegeben, hier gibt es eine Menge zu lernen, aber wenn wir uns zunächst darauf einigen, dass wir alle Teil einer einzigen, menschlichen Familie sind, dann werden wir auch die Unterschiede annehmen, voneinander profitieren und gemeinsam stärker, weiser, gesünder und reicher werden.

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