Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Ist weniger in unseren Leben mehr?

Der Trend des Minimalismus verändert die Gesellschaft weltweit. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, sich von ihrem materiellen Besitz zu lösen oder es zu vermeiden, Dinge im Übermaß zu erwerben, um dem Stress des westlichen Lebens zu entkommen und viel entspannter mit nur den Dingen zu leben, die als wirklich unverzichtbar gelten. Woher kommt das? Ist das das Geheimnis des Glücks?

Einfachheit ist der Trend, der im Grunde auf jeden Bereich unseres Daseins anwendbar ist und immer mehr an Attraktivität gewinnt. Entgegen dem, was wir vielleicht denken, ist dieses Phänomen nicht neu, es gab es schon in alten Kulturen. Es gab Zeiten, in denen die Menschen sich für ein bescheidenes Leben entschieden, obwohl sie sich sehr viel leisten konnten. Die Tendenz zum Minimalismus rührt von der Tatsache her, dass alles, was wir uns anschaffen, uns kontrolliert. Wie unsere Weisen vor langer Zeit sagten: „Je mehr Besitz, desto mehr Sorgen.“

Wenn Menschen verschwenderische Besitztümer z.B. Immobilien erwerben, haben sie das Gefühl, dass sie ihre Kontrolle erweitern, aber sie werden zu Sklaven dieser Anschaffungen. Auf die gleiche Weise werden Menschen süchtig nach ihren neuen Autos, neuen Handys, neuen Kleidern, prestigeträchtigen Marken, Statussymbolen. Gefangen durch Black Friday, Cyber Monday, Saisonschlussverkauf , Zwei zum Preis von einem, kurz gesagt, sie werden zu Sklaven des Konsums.

Doch an einem bestimmten Punkt werden sie müde, fühlen sich leer, und erreichen „genug! Eine schöne Wohnung in einem marmorverkleideten Turm mit opulenten Design? Das Leben in der Natur ist viel spannender. Ein Sweatshirt zum Wechseln ist genug, wenn es keine Waschmaschine gibt. Die Freiheit von Stress ist das größte Gut der Welt!“

Wirklich? Reicht es aus, wenn wir unser Hab und Gut loswerden, um auf Dauer glücklich zu sein? Die Antwort ist nein. Warum? Weil in all dem noch nicht die qualitative Entwicklung vorhanden ist, für die der Mensch geschaffen wurde. Das Anhäufen von Vermögen und Gegenständen oder das Loswerden aus persönlicher Bequemlichkeit ist in beiden Fällen eine Manifestation egoistischen Denkens: Was wird für mich besser und bequemer sein? Und solange sich die Richtung des Denkens um mich selbst dreht, wird mich das, was ich tue, nicht die Fülle spüren lassen, die im Leben erreicht werden kann.
Nur ein grundlegender Wechsel in der Richtung unserer Gedanken, von einem natürlichen Denken an das eigene Wohl zu einem Denken an das Wohl der anderen, kann als neue Entwicklung in unserer Evolution als menschliche Wesen angesehen werden.

Eine solche Veränderung ergibt sich aus einer tiefen Überlegung: Wofür lohnt es sich zu leben? Gibt es etwas, das in diesem Leben erworben werden kann, das für immer bei mir bleiben wird? Dann kann die erfüllende Antwort eindeutig nicht materieller Besitz sein, sondern etwas Sinnvolleres und Dauerhafteres.

Eine besondere Sensibilität wird in uns entwickelt, wenn wir in andere investieren. Wir erreichen allmählich einen Zustand, in dem wir unsere Nächsten wirklich beschenken wollen. Wir stellen fest, dass die Liebe und gute Behandlung, die wir jedem zukommen lassen, uns mit mehr Befriedigung erfüllt als alles andere. Es ist eine Errungenschaft, die nicht verschwinden wird und die uns niemand nehmen kann.

In unserer Evolution als menschliche Spezies haben wir einen Zustand erreicht, in dem wir auf der Grundlage von Gegenseitigkeit miteinander verbunden sein müssen. Derzeit leben wir in Dissonanz mit der vernetzten Welt, die wir geschaffen haben; wir denken nur an uns selbst und das ist völlig unhaltbar. Unsere sichere Zukunft hängt davon ab, dass wir eine neue Gesellschaft aufbauen, in der die Menschen einander und die Umwelt gut behandeln, eine Gesellschaft, in der niemand respektlos behandelt wird, in der wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir jeden Menschen mit dem versorgen können, was er zum guten Leben braucht, ohne endlos unnötige Dinge zu produzieren, die die Umwelt verschmutzen und unser gemeinsames Zuhause, den Planeten und uns selbst, zerstören.

Die Methode des Genusses für einen Menschen in der Zukunft wird aufgerüstet werden. Jetzt streben wir danach, mehr und mehr Dinge anzuhäufen, um uns zufrieden zu fühlen, um über allen anderen zu stehen, damit andere uns beneiden, aber es setzt uns auch unter ständigen Druck aus Angst, dass uns jeden Moment jemand übertreffen wird. Wenn wir erkennen, dass dies ein vergebliches Streben ist, werden wir lernen, uns daran zu erfreuen, den Menschen um uns herum Gutes zu tun, und das wird sowohl uns als auch sie erheben; es wird eine angenehme und befriedigende Atmosphäre schaffen.

Dauerhafte Erfüllung hat also nichts mit der Menge an Gegenständen oder Vermögenswerten zu tun. Wir werden also keine materiellen Objekte kaufen müssen, um Freude zu finden oder jemanden glücklich zu machen. Wir werden sehen, dass das größte Geschenk, das jemand geben oder empfangen kann, vor allem Wärme, ein Lächeln und echte, aufrichtige Zuwendung ist. Ein sinnvolles Leben hängt von der eigenen Einstellung ab, nicht von der Materie, von materiellen Dingen. Wenn wir gute gegenseitige Beziehungen entwickeln, werden wir alle mit Freude erfüllt sein und niemandem wird etwas fehlen. Wir werden entdecken, dass das Geheimnis des Lebens wirklich in den richtigen menschlichen Beziehungen liegt und die Erfüllung, die dadurch erreicht werden kann, grenzenlos ist.

[Von links nach rechts: Adi Jeremias, 7, Courtney Jeremias, Silas Jeremias, 2 Monate, Shae Jeremias, 2, und Laszlo Jeremias posieren für ein Porträt in ihrem Haus in Neapel am Dienstag, 28. April 2020. Reuters]

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