Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Covid wird die Änderung unserer Bildungssysteme auslösen

Einerseits möchten wir, dass unsere Kinder wieder zur Schule gehen, damit wir arbeiten und zur Normalität zurückkehren können. Andererseits können Schulen zu Orten der Masseninfektion werden, da es für Kinder unnatürlich ist, soziale Distanz einzuhalten. Es ist emotional schädlich für sie, physisch getrennt zu sein. 

Das Ergebnis der Diskrepanz zwischen dem Fortführen des Schulbetriebs und dem wieder Ankurbeln der Wirtschaft, und der Schließung der Schulen zum Schutz der Kinder und ihrer Familien ohne Rücksicht auf die Wirtschaft, wird die längst überfällige Änderung des uns bekannten Bildungssystems sein.

Wir alle wissen oder ahnen, dass die Schulsysteme, wie wir sie bis heute kennen, nicht weiter tragbar sind. Doch ein Umgestalten dieses Systems ist, während es weiter in Betrieb ist, nur sehr umständlich und langsam möglich. Covid-19 hat uns deshalb einen großen Gefallen damit getan, dass wir das „Bildungssystem“ schliessen mussten, und es gibt uns die Gelegenheit – wenn es uns weiter davon abhalten wird, es weiter zu führen – ein neues Bildungssystem zu entwickeln.

Wir müssen herausfinden, welche sozialen Rahmenbedingungen wir aufbauen und welche Art von Bildung wirklich wichtig für unsere Kindern ist um zu Menschen einer empathischen und fürsorglichen Gesellschaft zu werden. Es liegt deshalb an uns selbst und daran, wie bereit wir dazu sind, diese komplett neue Ausrichtung  in der Bildung zu entwickeln. 

Die gesunde Entwicklung unserer Kinder hängt von ihrem Kontakt zu einander ab. Berühren, zusammen spielen, Objekte austauschen, teilen und sich anfreunden sind für ihre gesunde Entwicklung notwendig. Kinder brauchen engen Kontakt zu Freunden und Gleichaltrigen, um soziale Menschen zu werden. Für sie ist dies genauso wichtig wie Essen. Unser gesunder elterlicher Instinkt lässt uns die Kinder zu Kontakten zu anderen animieren, sie auffordern nett zu anderen Menschen und vorsichtig gegenüber asozialen Menschen zu sein. Wir möchten, dass sie zu empathischen Individuen heranwachsen.

Besonders schlimm ist deshalb, die Wirkung unsere Botschaft an die Kinder, sie sollen getrennt bleiben und soziale Distanz einhalten. “Haltet Euch von allen Menschen fern! Teilt mit niemandem etwas und nimmt von niemandem etwas an. Jeder kann Euch mit dem Virus anstecken!” Dies wird sie prägen. Sie werden soziale Nähe als “nicht gut” empfinden und sich dadurch entfremden. Was erwarten wir, welche Art von Menschen, werden in so eine Umgebung heranwachsen?

Unter solchen Bedingungen ist es besser, die Kinder zu Hause zu behalten und sie online zu unterrichten, dabei kann die Kommunikation zwischen ihnen begleitet werden. Die Verbindungen, die sie zu Gleichaltrigen online aufbauen können, werden positiver und weniger stessbehaftet sein, als der tägliche Unterricht, dem sie heute ausgesetzt sind. Sie werden ihr Bedürfnis nach sozialen Kontakten mit der Familie und mit einigen engen Freunden erfüllen können. Sie lernen dort wo sie sich wohl und sicher fühlen und das Infektionsrisiko bleibt so auch gering. Online-Lernen ist für Kinder heute genauso selbstverständlich wie physisches Lernen für uns. Eigentlich ist physisches Lernen und die obligatorische Teilnahme am Unterricht für sie unnatürlich. Was sie in den Schulen an Wissen mitbekommen haben, werden sie durch Online- oder aufgezeichnete Klassenunterrichte weiterhin lernen. 

Die Kindern zu Hause zu behalten bleibt nicht ohne finanzielle Auswirkungen. Die Kinder müssen zu hause von jemandem betreut werden. In Haushalten mit zwei Elternteilen muss jemand bei den Kindern bleiben, dafür sorgen, dass sie Essen bekommen und Pausen einlegen und dass sie tatsächlich während des Unterrichts lernen. Es wird schwierig, mit einem Gehalt auszukommen und für Alleinerziehende wird es noch viel schwieriger. Dafür müssen – entweder durch staatliche Unterstützung, mit Hilfe von NGOs oder durch andere Vereinbarungen – Lösungen angeboten werden. 

Je schneller wir die Notwendigkeit erkennen, uns an die neue Realität anzupassen, desto leichter werden wir den Übergang dahin durchlaufen.

Als ich vor Monaten schrieb, dass die Hoffnungen der Menschen, in die Zeit vor Covid zurückzukehren, unrealistisch seien, wollten die Menschen dies nicht hören. Jetzt hoffe ich, dass sie bereits erkennen, dass wir nicht dorthin zurückkehren werden. Je früher wir unsere Rahmenbedingungen und Institutionen an die Tatsache anpassen, dass das Virus nicht verschwinden wird, desto besser können wir unsere Bildung, Wirtschaft und alle anderen Aspekte unseres Lebens an die neue Welt, die scheinbar über Nacht entstanden ist, anpassen.

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