Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Buße der Sünden des letzten Jahres zu tun, erlaubt ihre Wiederholung im nächsten Jahr nicht.

In den Wochen vor Jom Kippur (Tag der Buße), und besonders an diesem heiligsten Tag des Jahres, bereuen viele Juden die Sünden des vergangenen Jahres. Wir bitten den Schöpfer, unsere Sünden gegen ihn und vor allem gegeneinander zu vergeben, und bitten ihn, unsere „Anklage“ zu löschen. Wir bekennen unsere Sünden vor Ihm und erwarten im Gegenzug, dass Er uns vergibt.

Am Ende des Fastens singen wir mit Freude, dass uns der Schöpfer  unsere Sünden vergeben hat. Und was tun wir unmittelbar danach? Wir beginnen, das Blatt für das nächste Jahr auszufüllen. 

Das ist ein völliges Missverständnis der ganzen Idee von Selichot – der Bitte um die Vergebung des Schöpfers.

Jeder Anlass auf dem hebräischen Kalender symbolisiert eine Etappe in unserem Übergang von Egoismus zu Selbstlosigkeit. Das ist die Bedeutung von Tikkun (Korrektur) – dass wir gute Menschen werden, die einander Gutes tun wollen und danach streben, unsere Nächsten wie uns selbst zu lieben. 

Selichot ist keine Erlaubnis, im nächsten Jahr zu sündigen; es ist ein Versprechen, sich der Sünde zu enthalten, eine Bitte an den Schöpfer, unsere böse, egoistische Neigung in eine gute, gebende Neigung zu verwandeln. Wenn wir unsere schlechten Eigenschaften gegenüber den anderen wieder aufnehmen, sobald Jom Kippur vorbei ist, ist das so, als wollten wir den Schöpfer betrügen. Das funktioniert aber nicht.

Wir Juden haben die Pflicht, uns selbst zu korrigieren und ein Vorbild zu sein, „ein Licht für die Nationen“. Deshalb geht es in all unseren Feiertagen um die Umwandlung von Egoismus in Altruismus. Solange wir unserer Aufgabe nicht nachgehen, sind wir in den Augen der Welt Ausgestoßene, eine Seuche, die die Welt bereinigen und ausmerzen will. Wir fragen, warum es Antisemitismus gibt und warum die Juden durch die Generationen hindurch unter den Völkern gelitten haben. Aber wir selbst tragen Schuld daran, dass sie uns hassen.

Jeder Nichtjude, und besonders Antisemiten, untersuchen genau, wie wir miteinander umgehen. Selbst Hitler schrieb in seinem Buch “Mein Kampf”, dass Juden sich nur dann vereinigen, wenn eine „gemeinsame Beute“ sie zur Zusammenarbeit verleitet, aber ansonsten sind sie gemein zueinander. Wenn wir für unsere Sünden Buße tun wollen, brauchen wir nur auf unsere Vergangenheit zu schauen, um daraus zu lernen, wie wir besser miteinander umgehen können. Den Schöpfer zu bitten, uns die Kraft zu geben, unser Versprechen einzuhalten, den Nächsten zu lieben, wie sich selbst.

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