Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Warum ist plötzlich auf Israel die “freie Jagd” eröffnet?

Diese Woche hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), eine internationale regierungsunabhängige Organisation mit Hauptsitz in New York City, “ in ihrem aktuellsten Kontrollbericht,  Israel beschuldigt, eine Variante des rassistischen Systems zu betreiben, wie es einst in Südafrika herrschte“, so die New York Times. Der 213-seitige HRW-Bericht, „A Threshold Crossed: Israeli Authorities and the Crimes of Apartheid and Persecution“ (Israelische Behörden und die Verbrechen der Apartheid und deren Verfolgung) behauptet, „die gegenwärtige Situation einer Körperschaft, der israelischen Regierung, darzustellen, die hauptsächlich das Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer regiert, das von zwei ungefähr gleich großen Gruppen bevölkert wird, und methodisch jüdische Israelis bevorzugt, während sie Palästinenser unterdrückt, am schlimmsten in den besetzten Gebieten.“

Die Position von HRW hat sich seit Jahren nicht geändert, und dieser Bericht ist nichts Neues. Allerdings die Reaktion der Welt darauf, die diesen Bericht jetzt als solide Wahrheit annimmt, hat sich geändert. Das israelische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten (das Äquivalent des Außenministeriums) prangerte den Bericht zwar an,  als unbegründet und voreingenommen, aber niemand kümmert es, was Israel sagt. Seit Jahren besteht die Strategie der israelischen Regierung darin, die Tatsache zu verkünden, dass sie den Palästinensern in den letzten zwanzig Jahren dreimal die Souveränität über 97% der Gebiete angeboten hat, aber diese alle Angebote abgelehnt haben. Israel erinnert die Kritiker auch daran, dass israelische Araber gleichberechtigte Bürger sind und im israelischen Parlament, der Knesset, vertreten sind, und selbst wenn sie sich explizit gegen die Existenz des Staates Israel aussprechen, werden sie aufgrund des demokratischen Prinzips der Redefreiheit nicht zum Schweigen gebracht.

Aber Fakten und Vernunft spielen keine Rolle. Wenn es um Israel geht, macht jeder bei der Jagd mit. Israels apologetische Strategie wird die Feindseligkeit ihm gegenüber nicht mindern, und es spielt nicht einmal eine Rolle, ob es schuldig ist oder nicht. Wenn es Hass gibt, wird man immer irgendeine Schuld finden, die man dem Gehassten anlasten kann. Besonders jetzt, wo die Residenten des Weißen Hauses gewechselt haben und Israel dort kein bevorzugtes Land mehr ist, ist es, als ob die Welt grünes Licht zum Angriff bekommen hat, und dementsprechend verhält sie sich.

Seien wir nicht überrascht!. Wir sollten allerdings sehr besorgt sein.  Vor allem aber sollten wir sehr aktiv werden. Wenn wir nämlich  jetzt nicht handeln, werden die Zustände sich verschlimmern, und zwar bald. Wir müssen verstehen, dass die Welt den jüdischen Staat loswerden will. Deshalb war die Pause, die uns während Trumps Amtszeit gegeben wurde, nur eine vorübergehende.  Diese Pause ist nun vorbei, und die Welt wird jeden Vorwand nutzen, um den jüdischen Staat als böse darzustellen.

Da es nutzlos ist, sollten wir aufhören, uns auf andere zu konzentrieren und stattdessen beginnen, die Konzentration auf uns selbst zu richten. Es ist an der Zeit, an unserer inneren Solidarität, unserem sozialen Zusammenhalt zu arbeiten. Die Spaltung, die wir projizieren, sendet eine klare Botschaft an die Nationen: Nehmt sie jetzt, solange sie schwach sind!

Wenn wir vereint wären, würden sie nicht nur aufhören, uns alles Böse vorzuwerfen, das sie aushecken können, sondern sie würden endlich einen Nutzen in unserer Existenz erkennen. Schließlich ist der einzige Zweck unserer Existenz im Staat Israel, Juden aus allen Exilen, ein Beispiel für die Vereinigung aller Kulturen und Ethnien zu geben. Wenn wir uns vereinigen, wird es das latente Gefühl in jedem Menschen auf der Welt neu entfachen, dass die Juden einen Zweck in dieser Welt zu erfüllen haben: „ein Licht für die Völker zu sein.“ Als unsere Vorfahren sich Abrahams Gemeinschaft anschlossen, waren sie Fremde, die sich ihm nur aufgrund seiner Lehre anschlossen, dass Vereinigung über allem Hass die richtige Art zu leben ist. Als die Nachkommen dieser Fremden sich unter Moses‘ Führung am Fuße des Berges Sinai vereinigten, gelobten sie, sich „als ein Mann mit einem Herzen“ zusammenzuschließen. Erst danach, nachdem sie diese Stufe der Einheit erreicht hatten, wurde ihnen die Aufgabe übertragen, „ein Licht für die Völker“ zu sein.

Unsere gegenwärtige Uneinigkeit, unser unbegründeter Hass, sagt der Welt, dass wir kein Licht für die Völker sind. Tatsächlich sind wir das Gegenteil davon: Wir senden eine ständige Botschaft der Spaltung und des gegenseitigen Spottes. Das ist der Grund, warum sie uns hassen.

Hier ein großartiges Beispiel für die Transformation, die stattfinden wird, wenn wir uns vereinen:  Der in der Ukraine geborene Wassili Shulgin war vor der bolschewistischen Revolution von 1917 ein hochrangiges Mitglied der Duma, des russischen Parlaments. Er bezeichnete sich offen und stolz als Antisemit und wiederholte diese Aussage oft. In seinem Buch „Was wir an ihnen nicht mögen“, analysiert er in vielen Essays seine Wahrnehmung der Juden und was sie seiner Meinung nach falsch machen. Zum Beispiel beklagt Shulgin, dass Juden „sehr klug, effektiv und energisch darin sind, die Ideen anderer Leute auszunutzen. Aber, protestiert er, „das ist kein Beruf für ‚Lehrer und Propheten‘, nicht die Rolle von ‚Führern der Blinden‘, nicht die Rolle von ‚Trägern der Lahmen‘.“ In einem anderen Aufsatz wird Shulgin fast poetisch, wenn er beschreibt, wohin die Juden die Menschheit führen können, wenn sie sich nur vereinen und sich der Herausforderung stellen: „Lasst sie … sich zu der Höhe erheben, zu der sie [in der Antike] anscheinend aufgestiegen sind … und sofort werden alle Nationen zu ihren Füßen eilen. Sie werden nicht aufgrund von Zwang eilen … sondern aus freiem Willen, freudig im Geiste, dankbar und liebevoll, einschließlich der Russen! Wir selbst werden bitten: ‚Gebt uns eine jüdische Herrschaft, weise, wohlwollend, die uns zum Guten führt.'“

Es steht an der Wand geschrieben; wir können uns aus eigenem Willen vereinigen, oder wir können gegen unseren Willen dazu gezwungen werden. Wenn wir uns weigern, es so oder so zu tun, wird es nicht gut enden. 1929 sagte Dr. Kurt Fleischer, der Vorsitzende der Liberalen in der Berliner Jüdischen Gemeindeversammlung: „Der Antisemitismus ist die Geißel, die Gott uns geschickt hat, um uns zusammenzuführen und zusammenzuschweißen.“ 1929 waren wir nicht bereit zu hören. Ich hoffe, wir werden es dieses Mal tun.

#humanrights #HRW #Israel

[Omar Shakir, ein US-Bürger, der die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in Israel und den palästinensischen Gebieten vertritt, steht neben Kenneth Roth, dem Exekutivdirektor von HRW, während er vor dem Abflug aus Israel am internationalen Flughafen Ben Gurion in der Nähe von Tel Aviv, Israel, spricht 25. November 2019. REUTERS/Ammar]


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