Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Das Herz eines Großvaters

Als ich zum ersten Mal Großvater wurde und meinen Enkel zum ersten Mal sah, füllte sich mein Herz mit Liebe. Ich hielt ihn in meinen Armen, ich wollte mit ihm spielen, etwas für ihn tun, damit er sich gut fühlt. Ein solches Gefühl hatte ich bis dahin noch nie erlebt. 

Liebe ist der Grund, warum wir hier in dieser Welt sind, sie ist der Grund warum die Welt erschaffen wurde. Doch im Gegensatz zur natürlichen Liebe, wie zum Beispiel der instinktiven Liebe eines Großvaters zu seinem Enkelkind, gibt es unter Fremden eher natürlichen Widerstand, Entfremdung und Feindschaft als Liebe.

Das Leben entsteht jedoch gerade durch die Überwindung dieser Emotionen. Jedes Lebewesen entwickelt sich durch die Überwindung von Widerständen und Nöten. Diese „Hindernisse“ schaffen das Bedürfnis nach Wachstum und Entwicklung. Gäbe es keine Härten und Widerstände, gäbe es keine Evolution und der Mensch wäre nie entstanden.

Gefühle der Trennung von anderen, Entfremdung und Feindschaft sind also keine negativen Emotionen, sondern Hebel für Wachstum. Wir sehen sie als negativ an, wenn wir uns nicht über sie erheben und wachsen wollen. Wenn wir sie, anstatt sie abzulehnen und zu fürchten, als Gelegenheiten sehen würden, zu wachsen und uns zu entwickeln, würden wir sie willkommen heißen und enorm von ihnen profitieren. Außerdem würden wir, indem wir uns über sie erheben, eine größere und festere Bindung schaffen als die, die wir vor dem Auftreten dieser „Hindernisse“ hatten.

Denken Sie zum Beispiel an die Komplexität eines einzelligen Lebewesens im Vergleich zur Komplexität des menschlichen Körpers. Sie sind unvergleichbar. Der Grund für die Erschaffung eines so komplexen Systems wie des menschlichen Körpers sind genau die Hindernisse, auf die alle Ebenen der Komplexität gestoßen sind, bevor sie zu einem menschlichen Organismus wurden. In gewissem Sinne „verdanken“ wir also unser Leben, unsere Existenz, dem Hass und der Trennung, die auf den Ebenen vor unserer Ebene auftraten.

Das sollte uns lehren, dass wir uns nicht vor der Pflicht drücken können, dem Hass zu begegnen, der heute unter uns auftaucht. Der Hass erscheint aus keinem anderen Grund als dem, die Evolution und größere Einheit zu fördern. Wenn wir es vermeiden, uns unserem Widerstand zu stellen und uns über dem neuen und härteren Niveau des Hasses zu vereinen, werden wir die Evolution unserer eigenen Spezies behindern und schwer dafür bezahlen.

Unsere Haltung gegenüber den sozialen Krisen, die unseren Planeten plagen, sollte daher nicht so selbstverständlich sein wie unter Familienmitgliedern, sondern eher bewusst und absichtlich. Wir sollten uns eingestehen, dass wir uns nicht als Familie fühlen, familiäre Beziehungen als anzustrebendes Beispiel nehmen und gemeinsam versuchen, solche Beziehungen unter uns herzustellen.

Das Schlüsselwort hier ist „gemeinsam“. Die Überwindung der gegenseitigen Entfremdung muss eine gemeinsame Anstrengung sein, an der sich alle Teile der Bevölkerung beteiligen. Andernfalls wird ein Teil den anderen ausbeuten und das ganze Kunststück wird wie ein Kartenspiel zusammenfallen. Wir müssen das Bewusstsein dafür entwickeln, wie wichtig es ist, dass wir über unsere Trennung hinweg eine Einheit bilden, bis wir uns wirklich als eine Familie fühlen. Heute hängt unser Leben und das Leben unserer Lieben davon ab.

#Liebe #Großeltern #EQ


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