Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Vom Hunger zur Revolution

Schon vor dem Ausbruch von Covid-19 waren Millionen von Menschen von Hunger betroffen. Lebensmittelmarken sind keine Lösung, ebenso wenig wie Sozialwohnungen.

Das Coronavirus hat die Dinge weitaus schlimmer gemacht, und von Tag zu Tag wird die Situation immer prekärer. Die Gesellschaft steht am Rande eines Abgrunds, und keine Verwaltung wird in der Lage sein, die Ordnung auf den Straßen wiederherzustellen, wenn es so weiter geht.

Es hat auch keinen Sinn, nach einem Sündenbock zu suchen; wenn wir wirklich jemandem die Schuld geben wollen, sollten wir in den Spiegel schauen. Wir und unsere Eltern sind dafür verantwortlich, wie die Welt für unsere Kinder heute aussieht. Sehen Sie uns an: Die Hälfte der Welt ist übergewichtig, die andere Hälfte verhungert. Das ist ein genaues Spiegelbild unseres Egoismus, unserer Entfremdung und unseres rücksichtslosen Anspruchsdenkens.

Dieser Egoismus, dieses grundlose Gefühl des Anspruchs auf alles, ist die Wurzel all unserer Probleme. Schlimmer noch, der Egoismus verschleiert listig die Tatsache, dass er das größte, ja sogar unser einziges Problem ist. Er täuscht uns vor, dass andere Menschen die Ursache unseres Unglücks sind; und selbstsüchtig fallen wir auf die bequeme Lüge herein.

Aber wenn wir rücksichtslos weiter danach streben, immer mehr zu verdienen und anzuhäufen, und das, was wir haben, nicht danach beurteilen, wie viel wir brauchen, sondern danach, wie viel mehr wir als andere haben, dann werden wir unseren Planeten wirklich völlig ruinieren. Der Ausbruch des Virus ist nur ein Symptom der zusammenbrechenden Welt; einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist und ihre Bewohner, die Menschheit, nicht mehr ernähren kann.

Sally Davis, die ehemalige leitende Ärztin für England sagte: „Es wird eine nächste Pandemie geben. Covid-19 ist weder der erste noch der letzte Gesundheitsnotstand, mit dem wir konfrontiert sein werden. Meine Kollegen schätzen, dass wir uns mindestens alle fünf Jahre mit einer Pandemie oder einer gesundheitlich gefährlichen Situation auseinandersetzen müssen. Es kann sein, dass dies sogar ein optimistisches Szenario ist. Die Realität könnte weitaus schlimmer sein“.

Deshalb müssen wir jetzt den Kurs ändern, bevor es zu spät ist.

Da Egoismus die Wurzel unserer Probleme ist, müssen wir ihn angehen und zügeln, wenn wir der nächsten Generation etwas mehr als Chaos hinterlassen wollen. Wir müssen verstehen, dass wir voneinander abhängig sind. Wenn ein Mensch krank ist, sind alle krank. Wenn sich ein Mensch unverantwortlich verhält, leiden alle darunter. Der einzige Weg ist, uns verantwortungsbewusst zu verhalten, rücksichtsvoll miteinander umzugehen, damit wir vorerst weiterhin auf einem erträglichen Niveau leben und es dann wieder langsam verbessern können.

Aber da wir Egoisten sind und Egoisten nur auf die Menschen Rücksicht nehmen, die ihnen wichtig sind, haben wir keine andere Wahl, als zu lernen, wie wir füreinander sorgen können. Zumindest müssen wir nach Wegen suchen, wie wir unsere Gefühle füreinander ändern können – vom gegenwärtigen negativen Gefühl zu einem neutraleren Gefühl und schließlich zu einem positiven Gefühl füreinander. Auch dies ist keine utopische Fantasie, sondern eine existentielle Voraussetzung.

Wir müssen unsere gesamte Wahrnehmung der Menschheit revolutionieren. Wir können es uns nicht leisten, uns weiterhin als eine Ansammlung von getrennten Individuen zu betrachten; wir müssen anfangen, uns als eine einzige Einheit wahrzunehmen, die sich um alle ihre Organe kümmert.

Wir sollten nicht denken, dass wir zu schwach oder zu klein sind, um Veränderung einzuleiten. Jeder von uns kann in seinen engsten Kreisen etwas bewirken, und die gemeinsam Wirkung wird stark genug sein, um den Wagen aus dem Schlamm zu ziehen und ihn in die richtige Richtung zu bewegen.

Wir sind an einem Wendepunkt angelangt. Wenn wir anfangen, unsere Differenzen mit Schusswaffen zu „klären“, werden wir in einem Bürgerkrieg enden. Aber wenn wir unsere wütenden Egos in den Griff bekommen und verstehen, dass wir voneinander abhängig sind (so sehr uns der Gedanke auch missfällt), dann werden wir vielleicht  lernen, füreinander zu sorgen – weil wir das Leben schätzen.

Von diesem Zeitpunkt an wird sich für uns ein neuer Weg eröffnen.

Wir können Frieden, Überfluss, Gesundheit und Sicherheit haben. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass, wenn nicht alle von uns dies haben, niemand von uns dies haben wird. Das ist das Gesetz eines jeden Ökosystems, und es gilt für jeden von uns genauso streng.

Beitrag teilen:


Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken               

Kommentare geschlossen.