Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Bücher über das Ewige

Wenn wir anfangen, einem kleinen drei oder vierjährigen Kind unsere Erwachsenenprobleme zu erklären, dann ist es offensichtlich, dass es sie gemäß seiner intellektuellen, psychischen und seelischen Entwicklung nicht verstehen kann. Sie sind für es uninteressant und liegen überhaupt nicht im Rahmen seiner Auffassung.

Auch wir, wenn wir die von Kabbalisten geschriebenen Bücher lesen, müssen versuchen zu erkennen, dass wir überhaupt nicht verstehen, worum es dort geht.

Angenommen, wir lesen den Artikel „Bezüglich der Liebe zu Freunden“, wir wissen aber weder was Freunde sind noch  was Liebe ist. „Freunde“ im Spirituellen sind Teile meiner Seele, aber so nehme ich sie nicht wahr. Ich verwechsele sofort das Wort „Freunde“ mit der üblichen Freundschaft in dieser Welt, den Kumpels, mit denen man angenehm einen Abend verbringen kann, oder den Freunden aus der Kindheit, mit denen man eine gemeinsame Reise unternehmen kann.

Aber hier ist das ganz anders gemeint. Ich möchte meine Seele, den ewigen Teil der Wirklichkeit offenbaren, aber vorerst  erhalte ich  lediglich eine vergängliche, illusorische Existenz in unserer Scheinwelt, die es eigentlich gar nicht gibt.

Deshalb muss ich verstehen, dass die Bücher von meiner ewigen Seele sprechen, die mir in Gestalt von einigen besonderen Menschen erscheint, mit denen ich von einer höheren Macht zusammengebracht wurde – ein zerrissenes Netzwerk der Verbindungen zwischen uns.

Es ist notwendig, eine Vorstellung eines solchen Systems in sich selbst zu bilden – wenn auch immer noch imaginär, aber so nah wie möglich an der Spiritualität. Außerdem muss man die richtigen Begriffe definieren: was ist „ein Mensch“ im Allgemeinen und „ein Freund“ im Besonderen, was ist „Liebe zu Freunden“? Freunde sind nicht diejenigen, mit denen es angenehm ist zusammen zu sitzen, etwas zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen, zu tanzen, gemeinsam zu lernen.

Freunde sind eine besondere spirituelle Verbindung, die nicht den Zweck hat, einander Vergnügen zu bereiten. Vergnügen kann nur ein Mittel sein. Aber in Wirklichkeit ist mit der Liebe zu Freunden gemeint, dass jeder anstelle des anderen handelt. Dies ist eine der Schwierigkeiten beim Studium der Kabbala.

Die zweite Schwierigkeit besteht darin, dass wir die Tora als eine Geschichte über unsere Welt wahrnehmen: als ob es Zeit, Bewegung und Raum gäbe, die es in der spirituellen Welt nicht gibt. Deswegen gibt es auch die ganze „Geschichte“, die wir von der Tora erhalten, nicht! Es gibt weder Ägypten noch das ägyptische Exil.

Ich darf mir nicht vorstellen, dass dies jemals in unserer Welt passiert ist. Die Tora beschreibt keine historischen Ereignisse, sondern eine Reihe von Vorbereitungszuständen, die von einem Kabbalisten durchgeführt wurden, um die wahre und einzige existierende Wahrnehmung der Realität zu erreichen.

Ich darf mir ebenfalls nicht vorstellen, dass ich eine Geschichte aus der Antike studiere, die mit einer Gruppe von Menschen passiert ist, die von einem Ort zum anderen fliehen.

Darum geht es hier nicht, sondern um den Sinneseindruck eines Menschen, der sich in so einen Zustand hineinfühlt, den er als das spirituelle Exil definiert, eine Verbannung aus der spirituellen Welt. Dann kann man sich vorstellen, was spirituelle Befreiung und Entwicklung sind. Es geht nur darum, was im Inneren eines Menschen passiert.

Mit jedem Tag möchte ich mich mehr und mehr von „Überlieferungen“, von Geschichte und Geographie entfernen und sie mir auf der inneren, sinnlichen Ebene erklären: auf meiner Ebene oder auf der von jemand anderem, der sich spirituell entwickeln möchte. All dies gilt nur für die Zeit der spirituellen Entwicklung des Menschen. Daher sollte die „Liebe zu Freunden“ und im Allgemeinen die gesamte Tora nur in ihrer inneren Form in Bezug auf unsere Entwicklung betrachtet werden.

 

Aus der Lektion zum Thema „Vorbereitung auf Pessach“, Kap. 1, 06.03.2018

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