Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Alles hängt vom Verlangen ab

Frage: Wenn die menschliche Natur das Verlangen zu genießen ist, warum gibt sich dann der größere Teil der Menschheit mit dem Wenigen zufrieden und sucht nicht nach dem ewigen Genuss?

Meine Antwort: Eines Tages traf ich einen alten Freund, noch aus Kindertagen. Schon damals sammelte er Briefmarken. Nachdem ich selbst diese Leidenschaft „überwunden“ habe, schenkte ich ihm meine Sammlung. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Briefmarken in meinen Augen an Wert verloren haben, er aber hat das sehr genossen.

Bei unserem Treffen sagte er zu mir:

– Außer Briefmarken sammle ich jetzt auch noch Briefumschläge.

Er hat das sehr ernst gesagt, also habe ich versprochen, ihm einen Umschlag von uns zu schicken. Es gibt hier nichts zu lachen: der Mensch schätzt etwas, er hat ein bestimmtes Verlangen. Ich wollte noch nicht einmal ein Gespräch mit ihm über die Lichter und den ewigen Genuss anfangen. Wozu, wenn es hier um Briefumschläge und Briefmarken geht.

Alles nimmt seinen Ursprung im Verlangen. Solange ich ein Verlangen danach hatte, sammelte ich auch Briefmarken. Jeder durchläuft als Kind solche Phasen. Und er hat dieses Verlangen behalten – wie soll ich da mein Verlangen an ihn weitergeben? Das ist unmöglich.

Ich habe viele Kinder neben Rabash aufwachsen sehen, von seinen Schülern und Verwandten. Wenn ein Kind ein Verlangen hat, dann hat es dieses Verlangen, und wenn nicht, dann nicht. Du kannst es nicht zwingen. Es sieht, womit du dich beschäftigst, alles Andere hängt von seinen Bestrebungen ab. Da kann man nichts tun.

Wir können also nicht verlangen, dass der Mensch an der Vereinigung arbeitet. Wie viele Menschen weltweit kümmern sich wirklich darum, weil sie die ganze Welt als ein einziges einfaches Licht, eine einzige Kraft sehen wollen? Wer will allein dieses Bild der Realität wahrnehmen, und auch noch so, dass er sich selbst nicht darin wahrnimmt? Entweder hast du ein Verlangen danach oder du hast es nicht.

Ja, mit Hilfe der Gruppe können wir die Entwicklung beschleunigen – aber wiederum ohne einen Druck auf den Menschen auszuüben.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 10.02.2011

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