Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Der Durchgang in der Wand

Baal HaSulam „Die Lehre der Kabbala und ihr Wesen“: Entsprechend der oben erwähnten Kraft in der Tora – d.h. wenn man das Maß an Licht in ihr in Betracht zieht – steht fest, dass die Tora, entsprechend des Ausmaßes an Licht, das jemand aus deren Studium empfangen kann, in Stufen aufgeteilt sein sollte.

Die „Tora“ ist das Mittel zur Korrektur des ursprünglichen Verlangens. Das Licht, „Existierendes aus Existierendem“, erschuf das Verlangen als „Existierendes aus nicht Existierendem“ und entwickelte dieses Verlangen, um es zum gewünschten (erforderlichen) Zustand zu korrigieren. Deshalb wird der gesamte Einfluss des Lichts auf das Verlangen während dessen Entwicklung „Tora“ genannt.

Die Tora ist also die Methode der Korrektur des Verlangens, bis dieses den nötigen Zustand erreicht hat. Einzelne Lichter „bewegen“ die Gefäße der Verlangen, richten sie aus, verbinden und trennen sie – all dies ist die Tora. Wir reden darüber und stimmen uns dahingehend in dem Maß aufeinander ab, dass wir mit dem Licht in Beziehung treten und es anziehen können. Der Teil, den wir anziehen, heißt Tora. Wir können es entsprechend einer der fünf Stufen des Verlangens (Phasen von Awiut), von Stufe null bis vier anziehen.

Dementsprechend  ist die Tora für uns in fünf Teile unterteilt. Im Studium untersuchen wir die Beziehungen der Bruchteile. Heute spüren wir deren egoistische Wechselwirkungen; sie hängen von einander ab, aber ihre Verbindung ist schlecht, und wir studieren, wie wir sie in richtiger Weise verbinden. Dafür benötigen wir das erneuernde Licht, um gute Verbindungen mit den verschiedenen Verlangen, Teilen der Schöpfung und all den Interaktionen zwischen Menschen in den Systemen, die sie aufgebaut haben, zu erschaffen. Wir wollen, dass uns das Licht auf die korrekte Verbindung ausrichtet; andernfalls werden alle Errungenschaften der Menschheit versagen.

Deshalb brauchen wir die Weisheit der Kabbala, das Mittel, welches uns ermöglicht, das Licht anzuziehen. Es wird uns zurück zur Quelle führen und dann wird das allgemeine Licht, der Schöpfer, zwischen uns in unseren korrigierten Verbindungen enthüllt werden. Wenn ich studiere, richte ich all diese Komponenten aus – verschiebe sie vom zerbrochenen Zustand zum korrigierten, von der Krise zur Einheit, vom egoistischen Empfangen zu  allgemeinen altruistischen Beziehungen zur Verbindung und gegenseitiger Bürgschaft – dann wird mir die richtige Verbindung, das richtige System enthüllt werden.

Darüber hinaus wird alles stufenweise enthüllt. Wenn ich in nur in der ersten Ebene des Verlangens agiere, enthülle ich Sod (Geheimnis). Auf zweiter Ebene zeigt sich Drush (Gleichnis), auf der dritten Remez (Hinweis) und die vierte Ebene ist jene, in der alle Verbindungen richtig ausgerichtet sind; sie enthüllt mir Pshat (einfache Bedeutung) – hier ist alles einfach, offen, offenbart.

Auf diese Weise ist die Tora das Mittel zur Korrektur der Gefäße; die Korrektur des menschlichen Wesens findet in der vierten Phase (Bchina Dalet) statt, weil sie alle vorherghenden Phasen beinhaltet. Wenn der Mensch korrigiert ist, sind automatisch auch alle anderen Stufen korrigiert: die unbelebte, pflanzliche und die tierische Stufe. Somit hängt alles vom Studium der Tora ab. Das heißt, dass ich die richtigen Komponenten und Verbindungen zwischen den Gefäßen unterschiedlicher Form in Erfahrung bringen will, die mich zum korrekten, wahren System – wo alle Verlangen miteinander in gegenseitigem Geben verbunden sind – bringen. Und dies ermöglicht mir, den Schöpfer zu enthüllen.

Ich enthülle also – abhängig von der Verbindung verschiedener Verlangen und ihrer Wechselwirkung, durch gegenseitiges aneinander Geben – den Schöpfer. Wieso? Weil in jenen Verlangen,  die korrekt miteinander in den spirituellen Gefäßen (Parzufim) – in den „Kreisen“ und „geraden Linien“, TANTA (Ta`amim, Nekudot, Tagin und Otiot) – miteinander verbunden sind, alle Einzelheiten der Wahrnehmung, all die Erkenntnisse, die mit dem Licht zu mir kommen, offenbart sind. So enthülle ich das Gefäß und das Licht, die sich gegenseitig unterstützen, und das erlaubt mir,  die Wurzel – entsprechend dem Prinzip „An deinen Taten wirst du erkannt werden“ –  zu fühlen, zu enthüllen. Es drückt sich im Licht und im Gefäß in der Form von TANTA, HaWaYaH aus und so manifestiert es sich in uns.

Dies ist der Sinn der Schöpfung. Ich bin  tatsächlich nur durch Anhaftung, die ich am Ende erreiche, fähig, Ihn zu enthüllen. Ich enthülle den Schöpfer in den korrigierten Gefäßen, dem Hauptgefäß TANTA, wobei HaWaYaH  offenbart wird, und dadurch beschere ich Ihm Vergnügen im gleicher Weise, wie Er dies tut. Aufgrund dieser Gegenseitigkeit erlangen wir Anhaftung – den Endzustand. Tatsächlich liegen all diese Facetten sehr nahe beieinander und das Wichtigste für uns ist, zu versuchen, sie miteinander zu verknüpfen. Die Krise, die gegenwärtigen Probleme, die Feinde, die gegen uns sind, und der Schöpfer, der uns vor ihnen bewahrt – der ganze Prozess, den wir durchmachen – all das müssen wir zusammenführen und als ein einziges System betrachten.

Vorerst wenden wir uns der Tora als dem von Moses geschriebenem Buch zu. In ihr beschrieb und präsentierte er den genauen Prozess, der vor uns liegt. Man sagt, dass der Mensch in jeder Generation sich selbst so betrachten muss, als wäre er aus Ägypten ausgezogen. Die gesamte Geschichte bis hin zur gegenwärtigen Krise kann mit den sieben „fetten“ Jahren verglichen werden. Im Allgemeinen waren wir mit unserem egoistischen Verlangen, unserer Entwicklung – dem „Amerikanischen Traum“ – der wahr zu werden schien, zufrieden. Miteinander konkurrierend erwarteten wir höher und höher zu steigen, mehr und mehr zu bekommen, die Natur zu beherrschen..

Doch dann kamen plötzlich die sieben „mageren“ Jahre – die verheißenen Belohnungen waren nicht mehr befriedigend; im Gegenteil, sie erniedrigten uns und machten uns verächtlich. Das Schaffen erweist sich als zu anstrengend, wie Sklaverei. Es entsteht Verzweiflung; wir stöhnen unter dem unerträglichen Joch und finden keinen Ausweg. Die Welt „zappelt“ in Aufruhr, doch im Wesentlichen kündigen diese Zustände den Auszug aus Ägypten an. Wir kommen dem Zustand völliger Hilflosigkeit näher und der einzige Ausweg ist, den Menschen das Tor zur Spiritualität zu zeigen. Dies ist wirklich ein Durchgang durch die Wand in eine neue Welt. Die Voraussetzung, sie zu durchqueren ist allerdings, dass wir diese Wand nicht sehen können. Wir werden es versuchen. [120976]

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