Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Unbelebt, pflanzlich, lebend und sprechend

In der Spiritualität existieren vier Niveaus der Entwicklung des empfangenden Verlangens: unbelebtes, pflanzliches, tierisches und menschliches.

Das Verlangen entspricht jener Kraft, die darin existiert.

Wenn es die Kraft des unbelebten Niveaus ist, dann behält das Verlangen seine Struktur und widersteht nach Möglichkeit den äußeren Kräften, damit diese nicht nach innen geraten und es nicht zerschlagen. Es gibt mehr oder weniger feste Materialien, je nach der Kraft des Verlangens der unbelebten Form. Man kann einige Materialien sehr schwierig spalten, und andere sind im Gegenteil nachgiebig. Fraglich ist auch, welche Materialien letzten Endes standfester gegenüber der äußeren Einwirkung sind. Ungeachtet der Erschütterungen und der Durchdringung von außen können die Gummireifen den Schlag halten, wobei der Stein- oder eiserne Reifen um Vieles schneller zerbrochen ist.

Auf diese Weise können wir die innere Härte unserer Verlangen prüfen: inwiefern unsere Verlangen den inneren Veränderungen widerstehen können. Sogar in unserer Welt ist der Unterschied zwischen Gummi und Eisen sichtbar, wobei Gummi fähig ist, den äußeren Veränderungen standzuhalten, wird aber bei „der durchdringenden“ Einwirkung gebrochen.

Nach dem unbelebten Niveau folgt das Pflanzenniveau. Sein Verlangen ist größer und mächtiger, es ist schon fähig, den äußeren Einfluss zu ertragen, ihn zu sortieren und die nützlichen Elemente zu verwenden. Es prüft die äußeren Faktoren, absorbiert die nützlichen und weist die schädlichen ab.

Somit wird hier schon eine sehr komplizierte Analyse durchgeführt, für welche das Verlangen des pflanzlichen Niveaus seine Struktur kennen soll, d.h. wie und wofür sie existiert und was für es nützlich und was schädlich ist. Bei den Pflanzen erfolgt diese Analyse instinktiv, so dass man daraus verstehen kann, wie man auf der spirituellen pflanzlichen Stufe zu handeln hat.

Das Verlangen des tierischen Niveaus kann seine Umgebung wählen, weshalb es über die Möglichkeit verfügt, seinen Platz zu wechseln. Für die Vermehrung ist die Verbindung mit einem Partner notwendig. Die Geburt ist hier die wahrhafte Schöpfung, als ob der Schöpfer das neue Geschöpf erschaffen würde. In der Spiritualität funktioniert es genauso: solange der Mensch nicht über die Kraft Bina verfügt, kann er nichts bewirken.

Das Verlangen des tierischen Niveaus kann verschiedene Formen annehmen. Ihm sind schon die Erscheinungsformen der kleineren und der größeren Verlangen bekannt. Somit nimmt die tierische Stufe ihr Leben vollständig wahr. Die Tiere sorgen sich um die Nachkommenschaft, ziehen diese groß. Insgesamt gilt auf diesem Niveau das instinktive, innere Programm der Erkenntnis des eigenen Lebens, auch dann, wenn dieses beschränkt und unvermeidlich ist.

Die Tiere bewegen sich, sie fühlen, wo es ihnen gut und wo es ihnen schlecht geht. Sie können ihre Umgebung analysieren. Die Pflanzen wirken nicht auf ihre Umgebung ein, sie verteidigen sich nur gegen ihre schädlichen Elemente und öffnen sich in einem gewissem Grad den nützlichen äußeren Bedingungen, und zwar der Sonne, der Luft, der Feuchtigkeit usw.. Die Tiere wählen und ändern ihre Umgebung, bewegen sich, wählen die Orte für das Leben und die Vermehrung. Sie empfinden in einem gewissen Grad ihren Nächsten, sie versammeln sich in Rudeln, in denen eine klare Ordnung und Hierarchie herrscht.

Das alles sind schon sehr tiefe Situationen, welche jedoch nach wie vor instinktiv realisiert werden.

Auf dem menschlichen Niveau, das uns betrifft, soll alles über dem empfangenden Verlangen, oberhalb der Beschränkung, empfunden werden. Man muss nur verstehen, dass dem Menschen die Bekanntschaft mit der neuen Welt auferlegt ist.

In der spirituellen Welt gelten die 620 Verlangen auf jeder Stufe:

Das unbelebte Niveau ist bereit, jeder beliebigen Einwirkung der Selbstsucht zu widerstehen, da es sich unter dem Schirm, unter dem Schutz der Beschränkung aufhält, die allen egoistischen Verlangen auferlegt ist

Das Pflanzenniveau verwendet den empfangenden Wunsch, beginnt ihn zu korrigieren und klärt aus der egoistischen Schale der Klipot und mittels des Lichtes, das zur Quelle zurückführt, auf, was für ihn nützlich und was schädlich ist. Es saugt das Nützliche ein und stößt das Schädliche ab, öffnet und schließt sich, und alle seine Bewegungen sind auf das Geben gerichtet. Allerdings existiert es unter dem Einfluss der Gemeinsamkeit, ohne persönliche Analyse, und bewirkt nichts selbständig. Auf der pflanzlichen Stufe behalten die Geschöpfe im Rahmen des allgemeinen Wunsches ihre Struktur bei und ändern sich nur zusammen. Anders gesagt, der Mensch ist hier fähig, sich über dem persönlichen egoistischen Verlangen aufzuhalten, aber kann noch nicht die Umgebung beeinflussen oder wechseln, diese in seinem Inneren erfassen und korrigieren.

Das tierische Niveau ist mit seinem empfangenden Verlangen schon fähig, in der Welt des Schöpfers fast ohne Grenzen zu leben.

Der Mensch kann die Umgebung, die ganze Welt einschließen, und wird folglich „zum Gerechten, zur Grundlage der Welt“.

Baal HaSulam schreibt darüber im 115. Artikel der „Shamati“, der auch „Unbewegt, pflanzlich, lebend und sprechend“ heißt.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 09.11.2012

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