Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Eigenschaft des Gebens'

Immer mit mir – Teil 93

Die letzten Tage

Eines Tages, während des Unterrichts, kam Miller zu mir und flüsterte: „Hast du es gesehen?“ Und er zeigte auf Rav. Rebbe saß am Tisch und zitterte.

„Weißt du, es ist nicht das erste Mal“, sagte er. Ich antwortete: „Ich habe es nicht gesehen! Wie das?!“ Jetzt hatte ich Angst, ich dachte sofort: Es sollte etwas damit gemacht werden! Es waren bereits Herzattacken. Ich denke, dass es ein Herzinfarkt war! Er hatte schon einen Herzinfarkt erlitten und sagte niemandem etwas. Er hat das absichtlich nicht gesagt.

Ich habe sofort einen Arzt angerufen, den ich kenne. Er brachte einen Kardiographen mit und wir machten ein Kardiogramm. Der Arzt sagte mir: „Ich denke, wir sollten sofort ins Krankenhaus. Mit ihm passiert etwas Schlimmes. Ich werde sogar mit euch fahren.“

So fuhren wir  ins Beylinson Hospital. Ich wusste, dass RABASH ein starkes Herz hatte, dass er aber sich so in Minuten, in einer Stunde erholen konnte, wusste ich nicht. Ich wusste nicht, dass es möglich ist!

Rabbi bekam noch mal die Kardiogramm, bereits im Krankenhaus… Alles ist in Ordnung. Das Kardiogramm zeigt: ein vollkommen gesundes Herz, einen gleichmäßigen Puls, Füllung – alles wie bei einem Kind. Sie wollten uns nach Hause schicken, aber ich bestand darauf, und wir wurden zuerst auf die Herz Station verlegt.Später auf die allgemeine Station. Man dachte, es wäre ein gewöhnlicher Fall, nichts Dringendes.

Die Ärzte behandelten es einfach. Für sie war es kein großer Kabbalist, der letzte Kabbalist seiner Generation. Für sie war es ein 85 Jahre alter Mann, geboren 1906, der bereits schon so lange gelebt hatte…

 

[# 247013]

Fortsetzung folgt…

“Was ist ein gutes Beispiel für zwei Arten von Menschen?“

Veröffentlicht in Quora

 

Grundsätzlich gibt es in unserer Welt zwei Arten von Menschen: Egoisten und Altruisten.

Egoisten tun alles aus Berechnung zum persönlichen Nutzen und müssen eine Entschädigung, wie mehr Geld oder einen verbesserten sozialen Status, für jede Handlung sehen, dann sind sie bereit anderen zu dienen.

Altruisten geben bereitwillig sich selbst und die persönliche Entschädigung dazu, um anderen zu helfen.

Egoismus ist die menschliche Natur. Es existiert in jeder einzelnen Person. Der Altruismus dagegen läuft der menschlichen Natur zuwider.

Altruisten stellen eine Minderheit dar. In der Welt machen sie bis zu zehn Prozent der menschlichen Gesellschaft aus. Die Mehrheit sind Egoisten.

Letztendlich entwickeln wir uns jedoch zu einem Zustand, in dem wir erkennen, dass die altruistischer Art zu handeln, in der gesamten Gesellschaft die zunehmenden Probleme, die wir in unserer egoistisch konsumorientierten Gesellschaft sehen, lindert.

Das Problem ist es, Altruismus zu einer sozialen Norm zu machen. Es besteht darin, dass die Mehrheit der Egoisten Mangel an Belohnung für das Altruistisch sein, empfindet. Vergleichbar mit dem Einschalten eines Motors ohne Kraftstoff.

Unser gegenwärtiger Treibstoff für die Arbeit in unserer egoistisch orientierten konsumorientierten Gesellschaft, ist Belohnung und Bestrafung. In so einem Umfeld bedeutet es: mehr arbeiten, mehr Belohnung erhalten, was zu mehr Wohlstand, Respekt, Macht und Wissen führt. Weniger arbeiten bedeutet, die „Bestrafung“ zu erhalten und alle Wünsche bleiben leer.

Je mehr wir uns jedoch in einer egoistisch, konsumorientierten Gesellschaft entwickeln, desto schwieriger wird es, uns selbst zu erfüllen. Verschiedene Krisen werden uns schließlich zu einem Gefühl der Hilflosigkeit bringen, in der wir keine Befriedigung mehr finden, da wir den eigenen Nutzen dem Nutzen anderer vorziehen. 

Wir werden dann bereit sein, unsere Lebensweise zu ändern und altruistischer zu werden.

Treibstoff benötigen wir jedoch weiterhin, damit unsere altruistische Gesellschaft funktioniert.

Was ist altruistischer Treibstoff?

Bei diesem Treibstoff geht es darum zu geben, das Leben anderer zu verbessern und positive Handlungen für andere zu leisten, sie werden zu den wichtigsten Werten der Gesellschaft.

Die Entwicklung der altruistischen Gesellschaft beginnt damit, positive soziale Beiträge zu belohnen und zu würdigen. Nach einer gewissen Zeit werden wir allmählich beginnen, altruistische Werte an und für sich wert zu schätzen.

 

 

Immer mit mir – Teil 92

RABASH wird schwächer

Es ist ein weiteres Jahr vergangen. Jeder Tag, den ich mit RABASH verbrachte, war etwas Besonderes. Es war das höchste Glück, mit ihm zusammen zu sein. Natürlich wollte ich, dass es für immer so weitergeht. Aber ich verstand, dass wir uns körperlich trennen werden müssen.

Ich versuchte, nicht an seinen Tod zu denken… aber eines Tages hatte ich große Angst…

RABASH war 85 Jahre alt, und plötzlich wurde bemerkbar, dass der „laufende Rabbi“, wie er in Bnei-Brak genannt wurde, nicht mehr so „läuft“.

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Wir waren den ganzen Sommer über am Meer, und er hat den ganzen Sommer über nicht gebadet. Ich habe darauf gewartet, mit ihm zusammen ins Wasser zu gehen, doch er sagte: „Geh, geh, warte nicht auf mich.“ Er war normalerweise der Erste, der ins Wasser ging.

Schwamm seine vierhundert Schlägen.

Jetzt aber schwamm ich allein und blickte die ganze Zeit auf ihn zurück. Er winkte mir aus der Ferne zu und ging am Strand entlang und dachte die ganze Zeit an etwas. Er hat sich schon irgendwie gehen lassen. Er hat es akzeptiert. Ich verstand es nicht. Er schloss sich von allen möglichen Behandlungen aus. Was ihm früher nie passiert ist. Normalerweise ging er zu den Ärzten, folgte allen ihren Anweisungen.

Ich finde plötzlich heraus, dass er Blutausscheidungen hat. Ich machte mir Sorgen, wies ihn darauf hin. Doch er sieht mich so seltsam an und antwortet: „Es ist alles in Ordnung.“ Ich sagte zu ihm: „Aber, Rebbe…“ Und er schnitt es ab: „Schluss! Keine weiteren Gespräche!“ Mit seiner Hand winkte er, wie ich mich jetzt erinnere, als ob er sagte: „Lass es.“

Er hatte genaues Wissen, dass er gehen würde. Er fühlte es, er fühlte es ganz deutlich. Und ich dachte, es wird vorbeigehen.

Er wollte nicht einmal ein Etrog, ein Lulaw[1] für den Sukkot-Feiertag haben, er wollte nichts vorher tun. Rosh Ha-Shana[2] näherte sich, gefolgt von Sukkot, und er sprach nicht mehr von Sukka.

Ich wusste, wie ehrfurchtsvoll er über diesen Feiertag war, wie er verlangte, alle kleinsten Feinheiten beim Bau von Sukka zu beachten, fing an, sich darüber Gedanken zu machen und hat uns schon einen Monat vor dem Feiertag diesbezüglich angesprochen.

Jetzt aber schweigt er. Und die ganze Zeit in Gedanken.

Es ist erstaunlich, wie ich den Alarm nicht geschlagen habe. Ich musste ihn überzeugen, zum Arzt zu gehen, alle Kontrollen durchzuführen, nicht zustimmen, ihn nicht gehen lassen, bis er nicht untersucht wird…

Aber sie ließen mich es nicht tun. Irgendwie, plötzlich, geriet die Warnung in Vergessenheit, die wir lange zuvor erhalten hatten. Mein Kamerad, Josi Gimpel sagte mir, dass er mit einer Frau in Be’er Scheva sprach, und sie sagte ihm plötzlich, dass RABASH bald nicht mehr da sein würde. Und sie fügte einen erstaunlichen Satz hinzu: „Was machst du da Josi, so zu handeln?! Du hast eine Person, an die du dich wenden kannst, und er will, dass du alles von ihm erfährst, und er will, dass du es tust. Und das kannst du nicht.“

Josi sagte dann zu ihr: „Ja, das kann ich nicht. Ich weiß nicht, wie man das macht. Ich weiß nicht, wie ich mich nähern soll, wie ich fragen soll, ich will es wirklich, aber ich weiß es nicht.“ Und sie sagte: „Nun, okay, lass es. Aber denk dran, er hat nur Zeit, bis er 91 ist.“

Das war vier Jahre, bevor RABASH starb. Und irgendwie war alles vergessen. Man dachte: werden wir all diesen Vorhersagen glauben?! Und alles wurde aus dem Gedächtnis gelöscht.

Aber so geschah es.

Heute weiß ich bereits, wie es ist, komplett abgeschaltet zu sein, einfach nur das Gehirn, die Gefühle, die Angst und die Sorge abzuschalten. Wir sind in der Macht des Höheren. Er beherrscht absolut alles. Und RABASH wusste es besser als jeder andere. Er hatte einen internen Dialog mit dem Schöpfer.

 

[1] Lulav, Etrog, Adassim, Aravot – Pflanzen, Attribute des Sukkot-Festes, die die verschiedenen Eigenschaften des Menschen symbolisieren.
[2] Rosh HaShana (Kopf des Jahres) ist ein jüdischer Silvesterabend, ein Feiertag, der den Beginn des spirituellen Erwachen des Menschen darstellt.

 

[# 247009]

Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 91

RABASH verblüfft mich wieder

Alle, sieben Tage nach Jocheweds Beerdigung war Rebbe still, in sich versunken, nachdenklich. Shiva-Zeit war vorbei, und er verblüffte mich wieder einmal.

Er hat mir gezeigt, wie es ist, wenn man nur an einem Ziel festhält, nur das sieht, nur zu ihm geht. Und man nur ihm treu ist. Über dem Verstand, über den Gefühlen, über den Einstellungen dieser Welt, über allem.

Er kam auf mich zu und sagte: „Hilf mir, eine Frau zu finden.“ Ich bleibe stehen, bin überrascht, ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich reagiere nicht sofort. Und er fährt fort: „Ich habe keine Wahl. Ich muss eine Chuppa[1] machen.

Ich kannte bereits die spirituelle Wurzel dieser Forderung. Ich wusste, dass der Kabbalist verheiratet sein musste, aber ich hatte nicht erwartet, dass RABASH eine so schnelle Entscheidung trifft. Er und Jochewed waren unzertrennlich in Freude und Trauer. Jochewed ging, und ich dachte, es soll die Zeit vergehen, ein Jahr dauern, zwei… aber nein. Er konnte nicht warten, er hatte kein Recht dazu. Die Forderung, zu heiraten, auch formal, war für ihn höher als alles andere, weil dies eine Forderung des Höchsten war.

Also, fast am Ende des Lebens, macht RABASH einen neuen Umbruch…

Nach langer Suche wird Feiga, die sich um RABASHs Frau kümmerte, seine zweite Frau. Sie war für RABASH seine sehr treue Schülerin. Und jetzt, wie zuvor, zeigt er wieder, dass er für jede Revolution bereit ist, egal was man sagt, was man denken wird, wie man es betrachtet. Wenn es um das Ziel geht, ist er zu allem bereit. Aber darüber ein anderes Mal.

[1] Chuppa: das Hochzeitsbaldachin, das Dach, unter dem die Trauung stattfindet. In der Kabbala „Chuppa“(der Schirm und das reflektierte Licht) symbolisiert die Verschmelzung mit dem Schöpfer.

 

[# 247003]

Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 90

Die Trennung

Rabbanit Jochewed starb vier Jahre später. Sie konnte sich von dem Schlaganfall nicht erholen. Es war um 11 Uhr abends. Mich rief man zu Hause an und sagte mir: „Michael, du musst kommen! Wir wissen nicht, was wir mit Rebbe machen sollen.“

Ich kam sofort. RABASH lag in seinem Zimmer, gegenüber ihrem leeren Bett.

Ich ging hinein, setzte mich neben ihn und fragte: „Wollen Sie den anderen etwas sagen?“ Er sagte: „Nein“.

Lange Zeit wollte ich sein Schweigen nicht brechen. Er saß auch ruhig beiseite. Hinter der Tür hörte man die Frauenstimmen. RABASH sagte: „Michael, was wollen sie?  Geh und frag sie“.

Ich ging zu seinen Töchtern hinaus und sie sagten, sie wollten Busse bestellen, um nach Jerusalem zu fahren, zum Har HaMenuchot[1] (65). Ich ging zurück zu RABASH, erzählte ihm davon, und er war überrascht: „Warum der Berg HaMenuchot? Warum Jerusalem?! Seht ihr den Friedhof hinter dem Fenster? 300 Meter vom Haus entfernt. Lasst sie uns hier begraben“.

 

Es war keine Missachtung für seine Frau, nein, es war seine Einstellung zu all dem Äußerem. Aber natürlich verstanden es seine Töchter nicht. Sie waren empört: „Unsere Mutter wird in der Bnei-Brak sein, nicht in Jerusalem?! Eine geborene Jerusalemin! Das ist unmöglich!“  Rebbe sagte mir: „Ich werde mich nicht einmischen. Lass sie tun, was sie wollen.“

So wurde Jochewed in Jerusalem begraben.

[1] Har HaMenuchot: (ivr. המנוחות הר) der zentrale jüdische Friedhof in Jerusalem.

 

 [# 246999]

Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 89

Die Liebe

Die Liebe steht über dem menschlichen Egoismus. Wir haben mit RABASH nicht viel darüber gesprochen, aber es ist sein Satz: „Die Liebe ist ein Haustier, das aus gegenseitigen Zugeständnissen wächst…“.

So lebten sie mit Jochewed. Sie haben die Liebe in zwei Ebenen aufgebaut. Es gab Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten auf einer Ebene. Ich wiederhole, sie waren sehr unterschiedlich, eine Jerusalemer Aristokratin, die im orthodoxen Geist aufgewachsen ist, und er, ein Kabbalist. Und die andere Ebene ist die Verbindung, die sie über all den Widersprüchen aufgebaut haben, und das nennt man „alle Sünden wird die Liebe bedecken“. Betrachtet man sie, so war klar, dass nur solche zwei Menschen in einer guten, starken, gesunden, wirklich menschlichen Verbindung miteinander verbunden werden können.

 

[# 246965]

Fortsetzung folgt…

In Ähnlichkeit der Eigenschaften

Frage: Der Schöpfer, also die Natur beeinflusst uns ständig vor allem durch Probleme der materiellen Welt. Komme ich mit dieser Kraft erst in Berührung, wenn ich Ihr ähnlich bin, nach dem Gesetz der Gleichheit der Form?

Antwort: Natürlich.

Frage: Durch diese Probleme kann ich aber nicht verstehen was diese Kraft von mir will. Muss ich dafür auf ihre Stufe aufsteigen?

Antwort: Wir müssen uns über diese Probleme erheben, zu ihrer Quelle.

Frage: Wenn ich also zu einem gewissen Maß der Eigenschaft des Schöpfers, der Eigenschaft des Gebens, ähnele, werde ich dann Seine Absicht verstehen?

Antwort: Ja. Wenn ihr euch über eure Verlangen erhebt und zur Quelle eurer sogenannten Probleme gelangt, werdet ihr Ihn begreifen und den Sinn seiner Handlungen verstehen.

Frage: Interessant ist: Wenn wir über die Ähnlichkeit der Eigenschaften auf physikalischer Stufe sprechen, werden gleich geladene Teilchen abgestoßen. Das Beispiel eines Radioempfängers zeigt aber, dass hier die Wellen durch das Zusammentreffen von Eigenschaften aufgefangen werden.

Hier wird deutlich, dass je höher die Stufe der Natur ist, desto mehr wirkt dieses Gesetz in umgekehrter Weise.

Der Schöpfer ist die Eigenschaft des Gebens und wir sind die Eigenschaft des Empfangens. Deswegen kann ich Ihm nur durch die Veränderung der Absicht ähnlich werden, während das Empfangen selbst bleibt?

Antwort: Ihr könnt dem Schöpfer entgegengesetzt sein. Er ist Geber und ihr seid Empfänger. Und wenn eure Absichten übereinstimmen, seid ihr vereint und Ihm nur durch eure Handlungen entgegengesetzt.

Frage: Bin ich Ihm immer entgegengesetzt? Wenn er „plus“ ist und ich „minus“, dann werde ich nie „plus“ sein?

Antwort: Nie. Ihr führt alle Handlung nur nach dem Willen des Schöpfers aus. So gleicht ihr euch Ihm an, obwohl eure Handlung Ihm entgegengesetzt sind. Ihr tun dies, weil ihr Ihm ähnlich sein wollt. Dabei spielt die Art der Handlung selbst keine Rolle, was zählt, ist das Motiv. Das wird Absicht genannt.

Aus der Sendung „Grundlagen der Kabbala“, 10.06.2019

[#264402]

Immer mit mir – Teil 87

Rabbanit Jochewed

Rebbe liebte seine Frau sehr. Er lebte 64 Jahre lang mit ihr zusammen. Sie war ein oder zwei Jahre älter als er und kam aus einer sehr berühmten Familie aus Jerusalem. Sie waren die Alteingesessene von Jerusalem, die so genannte „edle Aristokratie“. Ihre Familie lebte seit sieben Generationen in dieser Stadt.

Rabbanit Jochewed war groß, schön und statisch. Ich kannte sie sehr gut. Wir hatten eine Art innere Verbindung. Vielleicht lag es daran, dass sie fühlte, wie ich RABASH behandelte, als die am nächsten stehende Person, wie ein Sohn zu seinem Vater. Und sie nahm mich als Sohn wahr. Jeden Shabbat schickte sie uns Fisch, niemand sonst bekam ihn, nur meine Familie.

Sie hatte einen starken Charakter als wahre Eingeborene aus Jerusalem. Der Rabbi liebte sie, respektierte sie und beugte sich ein wenig vor ihr.

Ich wusste, wie sehr sie miteinander verbunden waren, obwohl so unterschiedlich, aber was ich im Krankenhaus sah, war erstaunlich.

 

[# 246821]

Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 84

RABASH’s Stärke

Die Grabstätte von RASHBI[1] war etwas Besonderes für RABASH. Ich sah, dass er immer beeindruckt war, dass er hierher kommen, den Stein berühren und einen kurzen inneren Monolog führen konnte.

Er sagte nie etwas laut, er öffnete nicht, wie alle anderen, die Psalmen oder das Gebetbuch. Er war immer in seiner innersten Tiefe konzentriert und so stand er für ein paar Minuten, und ich neben ihm.

Manchmal fragte er: „Nun, hast du etwas gespürt? Was hast du gefühlt?“ Ich teilte meine Eindrücke mit ihm und sah, wie weit ich von ihm noch entfernt war.

Aber eines Tages, auf dem Grab von RASHBI, sah ich einen anderen RABASH. Es war der Lag Ba Omer[2] Feiertag (56). Jedes Jahr hatte RABASH immer weniger Lust, am Feiertag hierher zu kommen. Tatsache ist, dass am Lag ba-Omer die Hunderttausende von Menschen hierher kamen. Sowas gab’s früher nicht. Aus diesem Ort wurde ein Kult gemacht.

Die innere Bescheidenheit und Stille des Aufenthalts am Grab von RASHBI verschwand, äußeres Geschrei, Korruption kamen hierher. Die Massen von Menschen „rollten“ hier her, um das Grab zu berühren, Chamsa[3], Mesusa[4] zu kaufen, das Leben zu korrigieren…

Zum Grab zu kommen war nicht einfach, es erforderte Frechheit und scharfe Ellbogen. Das letzte Mal, waren 1984 dort.

Ich erinnere mich, dass wir uns den Weg zum Grab von RASHBI erkämpft haben. Ich ging vor RABASH, drehte mein Gesicht zu ihm, hielt seine Hände, zog die Menge mit dem Rücken auseinander und versuchte, sie herauszudrücken. Es funktionierte eine Weile, aber ich musste nahe am Grab anhalten. Ich lehnte mich an jemanden mit meinem Rücken an, drückte ihn fest, aber ich spürte, dass er sich nicht einen Millimeter bewegte.

Ich drehte mich um, es war ein stämmiger Mann, der keine Argumente hören wollte. Ich versuchte zu drängen, er hielt mich mit Leichtigkeit zurück, sogar mit Absicht, mit einem Lächeln. Und ich erkannte, wie nutzlos es war, wir werden nicht durchbrechen. Und plötzlich höre ich RABASH zu mir sagen: „Tritt zur Seite.“ Er schiebt mich beiseite, streckt seine Hand aus, nimmt diesen Mann an die Schulter und wendet ihn zu sich. Der dreht sich um, bereit zu kämpfen, und sieht plötzlich RABASH, sieht und erblasste.

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Seine Augen öffnen sich ganz weit und er fängt an, vor Angst zu schreien! „Aah! Aah! Aah! Aah!“ Es war etwas Wildes. Er stotterte sogar vor Angst, plötzlich hat er mit den Händen um sich geschlagen, um von Rabash wegzukommen…Und er, man lässt ihn nicht, es ist eng, jeder wird gegen jeden gedrückt. Er ist in Panik, schreit, heult!..

Es ist nicht so, als hätte RABASH ihn hart gepackt, ich habe gesehen, er hat ihn einfach berührt. Aber es gab etwas in RABASHs Augen, was ihn aufregte.

Was RABASH ihm mit diesem Blick übergab, weiß ich nicht. Aber er prallte ab wie ein Verbrühter, und plötzlich traten alle auseinander. Und der Weg zum RASHBI-Grabstein öffnete sich vor uns.

RABASH kam hoch, legte seine Hand auf den Stein, stand nur kurz da und ging weg.

Ich erinnere mich daran, wie sich alles beruhigt hat, als er dort stand.

Wir stiegen raus, und RABASH, ohne etwas zu sagen, ging zum Auto.

So habe ich RABASH die ganze Zeit offenbart, jeden Tag, jede Stunde. Und ich verstand, dass es kein Ende dieser Entdeckungen gab. Und ich werde nie sagen können: „Ich kenne RABASH.“

 

[1] RASHBI – Rabbi Shimon Bar Yohai, ein großer Kabbalist, Autor des Buches SOHAR.
[2] Lag ba-Omer – der Feiertag ist Shimon Bar Yohai (RASHBI) gewidmet, dem Autor des wichtigsten kabbalistischen Buches – Sohar.
[3] Chámsa (Hebräisch חמסה – (handförmiges Schutzamulett für Juden und Araber).
[4] Die Mesusa ist eine Pergamentrolle aus der Haus des „reines Tieres“, die in einem speziellen Behälter platziert und an der Tür einer jüdischen Behausung befestigt ist. Die Schriftrolle trägt zwei Auszüge aus der Tora, die im Gebet des „Schma Israel“ enthalten sind.

 

[# 246624]

Fortsetzung folgt…

Immer mit mir – Teil 83

Der Fehler

Wir haben ihn so gesehen, wollten so sein wie er, unsere ganze Gruppe. Deshalb hatten wir es eilig und machten Fehler.

Ich erinnere mich, wie ein paar Leute aus der Gruppe vorschlugen, um mit dem Aufbau einer Kommune zu beginnen. Ich wehrte mich, ich dachte, es sei künstlich, vorzeitig, ich wusste, dass die Absichten gut waren, aber ich war dagegen.

Ich wurde gefragt: ”Wofür studieren wir Kabbala denn, wofür studieren wir RABASH Artikel über die Nächstenliebe, warum werden wir Freunde, Brüder genannt?!”

Kurz gesagt, wir haben uns entschieden, mit dem Einfachsten zu beginnen. Also wir dachten wir legen alle Gehälter in eine Kasse und das Geld verteilen wir gleichmäßig.

Am nächsten Tag, nach dem Freundes Treffen, gingen wir mit RABASH spazieren, und ich erzählte ihm davon, ich konnte das einfach nicht verschweigen.

Ich hatte eine solche Reaktion nicht erwartet.

Er blieb mitten auf der Straße stehen, errötete, fragte erneut: Was?!

Ich wiederholte, stotternd, ich hatte ihn lange nicht mehr so gesehen.

Um die Liebe der Freunde zu zeigen, begann ich.

Wer gab euch das Recht, das zu tun?! Schrie er.

Erst jetzt wurde mir klar, dass etwas schreckliches passiert war.

Gedämpft stammelte ich: “Also, was machen wir jetzt?” Alle haben das entschieden…

Wer hat das entschieden?!

Alle.

Er drehte sich abrupt um, ging weg, dann plötzlich hielt er an und sagte zu mir: “Ich mische mich nicht ein, also ihr löffelt das selber aus!”

Ich ging sofort zu den Jungs zurück und erzählte ihnen von RABASH seiner Reaktion und wir stoppten alles.

Danach dacht ich, wie blind waren wir, wie konnten wir eine solche Entscheidung treffen, obwohl wir genau wussten, wohin all diese Revolutionen führen. Und vor allem bei mir. Ich habe das alles durchgemacht, ich erlebte es am eigenen Leibe, ich habe gesehen, was es bedeutet, wenn egoistische Menschen sich entscheiden, in brüderlicher Liebe zu leben. In der Folge davon übergießen sie alles um sich herum mit Blut.

Weil sie die List des Egoismus nicht erkannten, keine lange und gründliche Vorbereitung durch führten , keine neue Generation hervorgebrachten…Und alles versäumten.

Auch wir wären dabei gescheitert. RABASH sah dieses Scheitern der Gruppe voraus, in deren Gründung er so viel Mühe investiert hat. Auch ich sah den Hass voraus, der uns auseinander gerissen hätte. Er sah, dass wir nicht bereit waren, uns darüber, zur Liebe zu erheben.

Wir hatten Angst. Wir haben alles gestoppt. Gott sei Dank.

Wie Zufällig verließen diejenigen Initiatoren, die diese Entscheidung voran trieben, die Gruppe ein paar Wochen später. Sie wurden einfach von oben aus der Gruppe ausgestoßen…

…die Woche neigte sich dem Ende zu, und wir waren wieder auf dem Weg nach Tiberias.

Unterwegs fuhren wir fast immer nach Meron[1] zum Grab von RASHBI.

[1] der Berg Meron (hebräisch: מירון הר – der höchste Berg Galiläas in der Nähe der Stadt Safed (oder Zefat).

 

 [# 246568]

Fortsetzung folgt…