Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Wenn ich mir nicht selbst helfe – wer wird mir helfen?

Baal HaSulamEin Brief von Rabbi Yehuda Ashlag, aus dem Buch „Frucht des Weisen“, Band „Briefe“, Seite 61

Baal Shem Tov sagte: „Vor dem Erfüllen eines Gebotes soll der Mensch überhaupt nicht an die persönliche Führung denken, sondern soll sich im Gegenteil sagen: „Wenn ich mir nicht selbst [helfe], dann wird niemand mir helfen“. Nach der Erfüllung eines Gebotes jedoch soll er sich besinnen und glauben, dass er nicht aus seiner Kraft das Gebot erfüllte, sondern nur kraft des Schöpfers, der im Voraus alles für ihn plante, und der Mensch also gezwungen war, diese Handlung auszuführen“.

Wie die Worte unserer Welt übereinstimmen, so stimmen auch das Spirituelle und das Irdische überein, und so muss der Mensch, bevor er auf den Markt geht, um sich sein Brot zu verdienen, einen Teil seiner Gedanken der persönlichen Führung widmen, und sich selbst sagen: „Wenn ich mir nicht selbst [helfe], dann wird niemand mir helfen“, und alles Notwendige tun, wie alle Menschen, um sein Brot zu verdienen, genau so wie sie.

Doch abends, nachdem er nach Hause zurückkommt und seinen Lohn mitbringt, darf er keinesfalls denken, dass er dies aus eigener Kraft verdiente, sondern dass sogar wenn er den ganzen Tag faul liegen würde, er ebenfalls an das gleiche Geld kommen würde.

Und obwohl unser Verstand diese Dinge als gegensätzlich auffasst und das Herz sie keinesfalls gleichzeitig aufnimmt, muss doch der Mensch glauben, dass der Schöpfer es genau so in seiner Thora festlegte und durch diejenigen, die sie an uns weitergeben.

Und das ist das Wesen der Vereinigung HAWAYAH – ELOKIM, wo HAWAYA H die persönliche Führung bedeutet, d.h. alles wird vom Schöpfer vollbracht und Dieser bedarf überhaupt nicht der Hilfe des Unteren. Und ELOKIM meint die Natur, wenn der Mensch gemäß den Gesetzen der Natur handelt, die vom Schöpfer in unsere Welt imprägniert wurden, wie andere Menschen, und gleichzeitig an die Führung HAWAYAH glaubt, an die persönliche Führung, d.h. er verbindet sie in sich zu Einem, wodurch er dem Schöpfer eine große Freude macht und in allen Welten Licht hervorruft.

Das entspricht 3 Aspekten:

Das Gebot (Mizwa)- Ort der Heiligkeit (Spiritualität)
Das Vergehen (Awera)- Ort unreiner Kräfte (Sitra Achra)
Bereich der Wahl (Rashut) – weder Gebot noch Vergehen, sondern der Ort, an dem reine und unreine Kräfte miteinander kämpfen.

Und wenn ein Mensch, indem er freie Handlungen unternimmt, sie nicht mit der Macht reiner Kräfte verbindet, dann fällt dieser Ort in die Macht unreiner Kräfte. Und wenn ein Mensch kraft einer Anstrengung die freie Handlung der Vereinigung ausführt, soweit ihm seine Kräfte erlauben, führt er dadurch die Wahl an den Ort von Heiligkeit zurück.

Es steht geschrieben: „Dem Arzt ist das Recht gegeben zu heilen“, obwohl die Heilung natürlich in den Händen des Schöpfers ist, und keine menschlichen Anstrengungen eine Krankheit beeinflussen können, heißt es doch: „Der Arzt soll heilen“, was vom Ort der Wahl zeugt, dem Ort, wo Gebot und Vergehen (reine und unreine Kräfte) aufeinander stoßen. Wenn dem so ist, dann müssen wir selbst den Ort der Wahl in die Macht der reinen Kräfte reißen. Und wie kann man diesen Ort erobern? Eben wenn ein Mensch zu einem erfahrenen Arzt geht, der ihm eine bewährte Arznei gibt, und gesund wird, nachdem er die Arznei vom Arzt bekommt, muss er glauben, dass der Schöpfer ihn auch ohne den Arzt heilen würde. Denn das war bereits im Voraus bestimmt. Und anstatt den Arzt zu preisen, preist er den Schöpfer. Dadurch erobert er den Ort der Wahl [und bringt diesen] in die Macht der Heiligkeit.

Und so ist das auch bei den anderen Fällen von Wahl. Und dadurch schreitet er voraus und erweitert die Grenzen der Heiligkeit, bis diese schließlich alles, was ihr zusteht, in vollem Maße unter ihre Macht bringt, und dann sieht er plötzlich sich selbst, die eigene spirituelle Stufe, die sich bereits in der vollständigen Heiligkeit befindet. Denn die Heiligkeit hat sich mit ihren Grenzen bereits so weit erweitert, dass sie ihre wahre Größe erreichte.

Die Kenntnis des oben Gesagten befreit von einem alle eigenen Fehler, der sich bei den Nichtwissenden zum Stein des Hindernisses verwandelt, und so wollen sie anstatt der Arbeit mehr glauben, und in ihrem Glauben die Zweifel noch mehr annullieren, und für sich Zeichen und Wunder außerhalb der Grenzen unserer Welt erlangen, und so leiden sie nur darunter.

Denn seit der Sünde von Adam erschuf der Schöpfer eine Korrektur für dieses Vergehen in Form der Vereinigung AWAJAELOKIM, wie oben erklärt wurde. Und das ist der Sinn des Gesagten: „In Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen“. Und die Natur des Menschen ist so, dass nachdem der Mensch etwas durch harte Arbeit erreicht hat, es ihm schwer fällt, das Ergebnis seiner Arbeit an den Schöpfer abzutreten. Daraus entsteht für den Menschen Platz zur Arbeit: durch eine Anstrengung des vollen Glaubens an die persönliche Führung zu beschließen, dass sogar ohne jegliche Bemühungen seinerseits er alles Erreichte erlangen würde. Und dadurch korrigiert er dieses Vergehen.


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