Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Um Vergebung bitten, weil ich mich nicht angestrengt habe [116727]

Rabash „Shlavei HaSulam“, 1985-1986, Artikel 36: „Was ist  Vorbereitung für Vergebung“: Wenn der Mensch zum Schöpfer kommt, um um Vergebung für seine Vergehen und den Mangel an Respekt für den Schöpfer, gepriesen sei Er, zu bitten, muss er darüber nachdenken, was seine Sünde hinsichtlich des Schöpfers war.

Ich bitte nicht für jene Mängel um Vergebung, mit denen ich geboren wurde – die von Anfang an in meiner Natur zu finden sind. Ich beziehe mich nicht auf sie (Genesis 8,21) “ … denn die Vorstellung des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an … „. Ich beziehe mich nicht auf den bösen Trieb selbst, sondern nur auf meine Bemühungen: Habe ich mich schon über meinen bösen Trieb erhoben, um „Schirme“ zu bauen und eine Beziehung zu Geben, Liebe und Verbindung jenseits des bösen Triebs erworben? Könnte ich nach dem Grundsatz „Die Liebe deckt alle Sünden zu“ gehandelt haben (Sprüche 10,12)?

Besonders dann, wenn ich in dieser Anstrengung nachlässig gewesen bin, muss ich Reue bekunden und um Vergebung bitten und   darüber weine ich. Der „Schmerz der Shechina“ ist nicht, dass Sie für uns den zerbrochenen Zustand, den Mangel vorbereitet hat, sondern dass wir nicht versuchen, Sie aus dem Staub zu erheben – entsprechend den Bedingungen, die uns dafür gegeben wurden.

Das erneuernde Licht kommt entsprechend meiner Anstrengung. Tut es das nicht, zeigt sich  mir das allgemeine Zerbrechen, das durch den Schöpfer erfolgte. Kommt das erneuernde Licht jedoch entsprechend meiner Anstrengung, die ich getan oder unterlassen habe, enthüllt sich mir lediglich mein Part – der Einsatz, den ich nicht geleistet habe aber leisten hätte können.

Man muss nicht bedauern, dass man nicht so wohlgeraten und erfolgreich geboren wurde, zum Beispiel körperlich nicht stark, nicht klug genug oder ohne gutes Gedächtnis und Begabung zum Lernen; kein Grund, darüber zu klagen. Wenn mir etwas nicht geben wurde, ist dies ein Zeichen, dass ich es nicht brauche. Wenn ich keine besonderen Fähigkeiten und deswegen Schwierigkeiten habe, ist es offensichtlich, dass ich in meinem Leben damit zurechtkommen muss.

Meine Persönlichkeitsmerkmale bezeugen nicht, dass ich gut oder schlecht bin. Es könnte sein, dass ich faul, verschwenderisch, anmaßend und so weiter geboren wurde. Die Tatsache, dass ich mit diesen Eigenschaften geboren wurde, ist schon ein Zeichen dafür, dass ich mich nicht darauf beziehen brauche. Es liegt nicht an mir, sie zu korrigieren. Ich muss nur den Teil korrigieren, der sich mir durch meine Eigenschaften enthüllt. Wenn ich darüber hinaus faul bin, dann habe ich für diese Faulheit ein Opfer zu bringen und den Mangel dafür habe ich am Tag von Jom Kippur zu beweinen. Ich bitte nicht um Vergebung für meine schlechten Eigenschaften, mit denen ich geboren wurde, sondern dafür, was ich wirklich korrigieren hätte können, als ich die Gelegenheit dafür vom Himmel bekommen habe sie aber verstreichen ließ.

Deshalb wird keiner das Böse in sich enthüllen, solange er sich nicht angestrengt hat. Und jemand, der sich anstrengt, entdeckt, dass er verdorben ist –  und dies nur in dem Ausmaß, indem er eine Korrektur hätte vornehmen können, sich aber nicht korrigiert hat.

Wir sind nicht dafür verantwortlich, alles, was im spirituellen System zerstört wurde, zu korrigieren. Es ist ein Schaden des allgemeinen Systems. Vielmehr korrigieren wir, was uns auferlegt ist; dann wird das gesamte System korrigiert werden. Du siehst, dass es beschädigt wurde, weil eine Komponente – genannt Adam – „beschädigt“ ist. Deshalb korrigieren wir alles, indem wir den Anteil des Menschen im System korrigieren.

Frage: Wie ist Bedauern mit der Beziehung zwischen den Freunden verbunden?

Meine Antwort: Wie geschrieben steht, sühnt Jom Kippur nicht die Fehler des Menschen in Bezug auf dessen Freund. Ich muss bedauern, was ich anscheinend verursacht habe und mich gleichzeitig daran erinnern, dass auch dies vom Schöpfer getan wurde. Auf die eine oder andere Weise tut es mir nicht leid, dass ich entdeckt habe, dass ich böse bin. Ich bin traurig über das Gefühl, dass die Kluft zwischen mir und dem Schöpfer noch immer in mir zu finden ist. Und so korrigiere ich es.

Und das bedeutet, dass ich sogar in der Erkenntnis des Bösen Freude fühlen muss.

Frage: Es gibt niemanden, der – selbst unabsichtlich – einer anderen Person nicht etwas Böses angetan hat. Wie kann ich dafür büßen? Wie bitte ich um Vergebung?

Meine Antwort: Ein Mensch erreicht dies durch Verbindung. Das ist seine Wiedergutmachung. Es gibt keine Notwendigkeit und keine Tat, die für das, was ich getan habe, sühnen kann. All das Böse, dass ich getan habe, verursacht Trennung. Alles, was ich Gutes tun kann, ist die  Einheit zu bewirken. Die Art und Weise von Gut und Böse ist nicht wichtig; die Hauptsache ist ausdrücklich Einheit oder Trennung. Wenn du so vorgehst, wirst du nicht irren.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 13. 09.2013


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