Scham bringt uns dem Schöpfer näher
Eine Frage, die ich erhalten habe: In welchem Zusammenhang steht das Leiden, die Verlegenheit und das Schamgefühl, das jemand gegenüber der Gesellschaft empfindet, mit seinem Hass auf die Gesellschaft?
Meine Antwort: Wir lernen, dass Scham die Basis der Korrektur ist. Das Gefühl der Scham durch Malchut in der Welt der Unendlichkeit führte zu Tzimtzum Aleph - der Zurückweisung, für sich selbst zu empfangen. Danach drängte dasselbe Schamgefühl Malchut dazu, einen Weg des Gebens zu finden -zu empfangen, um des Schöpfers willen.
Als sich dieses Schamgefühl weiter entwickelte, zeigte es nach und nach dem Geschöpf, der Seele von Adam, wie es dem Schöpfer ähnlich werden kann. Dieselbe Scham veranlasste Adam zu sündigen: Adam wollte ein für allemal die Scham überwinden und als Ergebnis offenbarte er nicht nur seine ganze egoistische Natur (für sein eigenes Wohl zu empfangen), sondern auch die Möglichkeit, diese Scham zu korrigieren (empfangen um des Schöpfers willen). Das muss jedoch schrittweise geschehen, im Laufe von Tausenden von Jahren, in vielen individuellen Seelen (während ihrer Lebenszyklen), indem sie die gegenseitige Ablehnung überwinden.
Wenn jemand beginnt Kabbala zu studieren, enthüllt er nach einer gewissen Zeit seinen Egoismus, der größer und größer wird. Wenn er weiter studiert, lernt er ständig, dass dieser Egoismus böse ist, aber er fühlt dies auf keine Weise. Er lernt, was Spiritualität bedeutet: Geben, Liebe zu seinem Freund - und dass er den Schöpfer nur durch diese Eigenschaft fühlen kann. Oder um es genauer zu sagen, dass der Schöpfer diese Eigenschaft ist.
Mit der Zeit beginnt er, den Egoismus als böse zu empfinden, weil er nach und nach entdeckt, wie der Egoismus mit der Spiritualität zusammenhängt, wie gegensätzlich die beiden sind und dass es unmöglich ist, samt Egoismus Spiritualität zu erreichen.
Nachdem noch mehr Zeit vergangen ist, wird er von Oben auf solch eine Weise „ausgerüstet”, dass er sich fühlt, als ob er vor „Scham brennen würde” und dass er sich nur an den Schöpfer anheften kann, wenn er seine ursprünglichen Eigenschaften ablegt. Dann beginnt seine Korrektur. Er ist bereit, ein Gefühl brennender Scham zu empfinden, um die Eigenschaft von Liebe und Geben anzunehmen!
Eine Frage, die ich erhalten habe: Auf der einen Seite wächst der Egoismus während der Vorbereitungsphase, bevor man aus Ägypten auszieht (den Machsom überschreitet). Aber auf der anderen Seite, muss man vollkommen rein sein, um den Machsom zu überschreiten! Man muss von grundlosem Hass zur Liebe kommen. Wie kann dies gleichzeitig geschehen? Führt der Prozess der Korrektur während der Vorbereitungsphase zu der Erkenntnis, dass man unfähig ist, zu lieben? Aber in diesem Fall wäre man in einer verzweifelten Lage. Wie sollte man aus dieser herauskommen? Wie kann jemand durch den Prozess der Reinigung gehen, der Trennung vom Egoismus?
Meine Anwort: Wenn die „ganze Welt” die schlimmsten Taten einer Person offenbart, wird sein ganzer Egoismus zur Schau gestellt. Das beinhaltet auch den kollektiven Egoismus der Welt. Eine Person fühlt dann die ursprüngliche Sünde von Adam und enthüllt, wie sie davon loskommen kann - indem sie sich an den Schöpfer heftet.
EMH
Leben aus der Kabbala (Kapitel 30: Furcht vor dem Schöpfer): Download
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Matan Tora Punkt 13:
13. Und obwohl es in der Thora zwei Teile gibt: - Gebote, die zwischen dem Menschen und dem Schöpfer gelten; - Gebote, die zwischen dem Menschen und seinem Nächsten gelten, meinen sie beide das Gleiche- das Geschöpf zum Endziel, nämlich der Verschmelzung mit dem Schöpfer zu führen. Mehr als das, sogar die praktische Seite in ihnen beiden ist tatsächlich ein Ganzes. Denn wenn man etwas „für den Schöpfer“ tut, ohne jede Beimengung von Selbstliebe, d.h. ohne jeglichen Nutzen für sich zu ziehen, wird der Mensch keinerlei Unterschied in seinen Handlungen wahrnehmen- ob er für die Liebe zu seinem Nächsten oder für die Liebe zum Schöpfer arbeitet. Denn für jedes Geschöpf lautet das Naturgesetz, dass er alles, was sich hinter den Grenzen seines Körpers befindet, für leer und vollkommen irreal hält. Und jede Bewegung, die der Mensch aus Liebe zu seinem Nächsten ausführt, führt er mithilfe des reflektierten Lichtes aus, und jegliche Belohnung, die letzten Endes zu ihm zurückkehren wird, wird seinem Nutzen dienen, und daher können solche Handlungen nicht als „Liebe zum Nächsten“ bezeichnet werden, weil sie nach dem Endergebnis bewertet werden. Das gleicht einem Angestellten, der am Ende bezahlt wird, und kann absolut nicht als Nächstenliebe gelten. Doch irgendeine Handlung oder Anstrengung „in Reinform“ aus Liebe zum Nächsten auszuführen, d.h. ohne Funken des Reflektierten Lichts oder jegliche Hoffnung auf Belohnung, die zum Menschen zurückkehren wird, ist nach der Natur der Dinge nicht möglich. Und davon, was aus alledem folgt, spricht „Tikkunej Sohar“ von den Völkern der Erde: „Alle ihre Barmherzigkeit ist nur zu ihrem Wohl.“ Das bedeutet, dass ihre ganze Barmherzigkeit, mit welcher sie sich zu ihren Nächsten verhalten, oder zur Anbetung ihrer Götter, nicht aus der Nächstenliebe, sondern aus Selbstliebe resultiert, weil die Liebe zum Nächsten außerhalb der Grenzen der Natur steht. Daher sind nur diejenigen, welche die Thora und die Gebote ausführen, darauf vorbereitet. Nur indem man sich angewöhnt, die Thora und die Gebote auszuführen, um dem Schöpfer Freude zu bereiten, trennt man sich ganz langsam ab, tritt aus den Grenzen der natürlichen Schöpfung heraus, und erlangt eine zweite Natur- die Nächstenliebe, von welcher die Rede war. Das ist es, was die Weisen des Sohar dazu zwang, in allem die Völker der Erde aus der Nächstenliebe auszugrenzen. Und es sagten die Weisen, dass all ihre Barmherzigkeit nur zu ihrem Wohl ist, d.h. es kann keine Nächstenliebe bei den Völkern der Erde geben, weil sie sich nicht mit der Thora und den Geboten für den Schöpfer beschäftigen. Und die ganze Anbetung ihrer Götter besteht, wie bekannt ist, in Belohnung und Rettung in dieser Welt und in der zukünftigen. Sodass sogar die Anbetung ihrer Götter auf der Selbstliebe basiert. Daher werden wir bei ihnen niemals eine Handlung sehen, die außerhalb der Grenzen ihrer eigener Körper vollbracht wäre, auch nur um eine Haarbreite über dem Niveau der Natur.