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Israelischer Sommer – eine reale Bedrohung

Eines der führenden russischsprachigen Nachrichtenportale Israels Cursor hat einen guten Artikel eines meiner Schüler über die aktuellen Ereignisse in Israel, über die Gründe und mögliche Lösungen veröffentlicht.

Israelischer Sommer – eine reale Bedrohung

Die Welle der Unzufriedenheit, die das Land überflutet, spült den Schlamm von den Mechanismen des sozialen Einvernehmens weg und deckt den Rost auf, der diese Mechanismen immer öfter klemmen lässt. Proteste, die aus dem Netz auf die Straßen übergeschwappt sind, haben das israelische Establishment überrascht und gezeigt, wie leicht ein ganzes Land in Gefahr gebracht werden kann.

Wenn zehntausende Menschen freiwillig auf die Straßen zum Demonstrieren gehen, muss man das Offensichtliche erkennen: in den Menschen hat sich wirklich einiges angestaut. Obwohl es niemanden, außer den Machthabern und dem Vorsitzenden der israelischen Zentralbank, überrascht hat. Einmal mehr konnten wir uns überzeugen, dass unsere Regierung – wie auch alle anderen vielleicht – um die Probleme des Staates besorgt ist, die Probleme des Volkes aber vergisst.

In der Tat können die aktuellen Ereignisse kritisch für die zukünftige Existenz des gesamten Landes werden. Die aufrichtigen und gerechten Forderungen der Menschen sind nur ein Teil des Gesamtbildes. Sie sind durchaus verständlich und erklärbar. Ärzte, Studenten und Mütter haben auf ihre Art und Weise recht. Der Aufstand wurde aber nicht von ihnen initiiert. Mehr noch: am meisten leiden die armen Schichten, doch ein besonderer Akzent wird auf die sogenannte „mittlere Klasse“ gelegt, deren Rechte von dem „Schweinekapitalismus“ skrupellos getreten werden.

Zum Teil stimmt das, doch nur zum Teil. Die Wirklichkeit ist komplizierter. Lasst uns also klären, was da vor sich geht.

Erstens geschieht nichts zufällig. In den modernen Zeiten stecken hinter jeder Massenbewegung spezielle Technologien. Es ist nicht einfach, in einer so kurzen Zeit große Menschenmassen auf seine Seite zu ziehen und sie auf die Straßen zu führen. Und doch wurde es mit Bravour umgesetzt. Von wem? Hier sind einige Fakten.

Einer der Initiatoren der Proteste ist der Rechtsanwalt Eldad Yaniv, ein durchaus erfolgreicher Jurist, der in ganz Israel bekannt ist. Übrigens gehörte er ebenfalls zu den Gründern der Bewegung „Nationale Linke“.

Die Zelte wurden von dem New Israel Fund gespendet, einer linksextremen Organisation, die von den USA mit Geld versorgt wird. Unter den Sponsoren sind die Ford Foundation (USA) und die Soros-Stiftung (USA), die Israel gegenüber recht „unsanft“ gesinnt sind.

Alle rechten Abgeordneten wurden mit Schimpf und Schande aus der Zeltstadt vertrieben, während die Linken mehr als wohlwollend empfangen wurden.

Nach unbestätigten Informationen werden die Organisatoren von Ron Werber unterstützt, einem professionellen linksorientierten politischen Berater, der jahrelang freundschaftliche Beziehungen zu der Avoda-Partei pflegte und in der Vergangenheit zu den Aktivisten der zionistischen Organisationen in Amerika gehörte.

Srdja Popovic, Leiter von CANVAS (Zentrum für angewandte gewaltlose Aktion und Strategien), ehemaliger serbischer Revolutionär und Experte im Export von Revolutionen, gesteht offen vor den Fernsehkameras, dass seine „Firma“ mit 37 Ländern gearbeitet und fünf erfolgreiche Revolutionen noch vor dem Arabischen Frühling durchgeführt hat.

Er verspricht, dass die Liste weiterhin wachsen wird. Zu den unerlässlichen Attributen, sagt Popovic, gehören die Gruppensolidarität der Teilnehmer, physische Nähe, gleiche Kleidung, verbindendes Singen, Trommeln, die den Rhythmus angeben, Pfeifen, Musik und Atmosphäre der Freude.

Infolge dessen glauben die Menschen, an einer „Parade der Liebe“ teilzunehmen. Rein zufällig können wir alle diese „schönen Sachen“ auch auf den Straßen der israelischen Städte beobachten. Von seinen Methoden und Erfolgen sprach Popovic ganz offiziell vor dem ehrenwerten Publikum der Columbia University (USA).

Vor einigen Tagen hat sich herausgestellt, dass die Organisatoren der Aktion bis zuletzt eigentlich nicht zum Gespräch mit der Regierung bereit waren und es kategorisch ablehnten, die Liste mit konkreten Forderungen zusammenzustellen. Sie führten den Protest um des Protestes willen, womit sie selbst den Vorsitzenden der Histadrut-Gewerkschaft Ofer Eini in Erstaunen versetzt haben, der erklärt hat, dass er die Politik aus der Sache raushalten möchte. Die studentische Führung hat sich ebenfalls von einer solchen Herangehenswiese distanziert.

Welches Ziel verfolgen nun diejenigen, die die Sache ins Rollen gebracht haben? Worauf sind die hier und da aufflackernden Aufrufe zum Generalstreik, zum massenhaften Verzicht auf Kreditkarten und Bankservice, zur Abschaffung des Staatshaushaltsplanes aufgrund der „fehlenden Aktualität“ gerichtet? Kurzfristig verspricht es Wahlen, langfristig die Zerstörung des Landes.

Bei einem ordentlichen Protest, der nicht politisch arrangiert ist, setzen sich die Gegenparteien an den Verhandlungstisch. Ein anderes Format existiert einfach nicht. Ein Ultimatum, geschweige denn ein stolzes Spucken ist inakzeptabel. Selbst die Gewerkschaftsstreiks, die das ganze Land lähmen, werden nach strikten Regeln und in einem strikten Rahmen geführt. Sie verfolgen niemals zerstörerische Ziele.

Die jetzige Welle wurde jedoch von Menschen initiiert, die etwas andere Interessen verfolgen. Aus diesem Grund sollten alle, die sich mit den reinsten Absichten den Protesten angeschlossen haben, sich davor in acht nehmen, zum Spielzeug in den Händen von Interessenkreisen zu werden, deren Vorhaben in ihrer Grundlage destruktiv sind.

Soziale Destabilisierung droht in populistischen Lösungsvorschlägen auszuarten, die uns den Weg von Griechenland gehen lassen werden. Und angesichts der internationalen Lage existiert eine reale Bedrohung des arabischen Szenarios, das das Land in einer Drei-Schritte-Kombination ins Chaos stürzen lässt.

Aus irgendeinem Grund spitzt sich die Situation in Israel gerade zu der Zeit zu, in der wir verzweifelt versuchen, die Gründung des Palästinenserstaates zu verhindern. In dem Artikel „Rettet Israel!“ (http://www.mk.ru/politics/article/2011/07/08/604285-spasite-izrail.html), der auf der Website der Zeitschrift „Moskovski Komsomolec“ veröffentlicht wurde, schreibt der berühmte russische Schriftsteller und Regisseur Eduard Topol darüber, dass die amerikanische Politik offen zu der pro-arabischen Position gewechselt hat. Präsident Obama hat offiziell über die Notwendigkeit der Rückkehr Israels zu den Grenzen von 1967 gesprochen und hat nicht die Absicht, seine Worte zurückzunehmen.

„Im September, also gleich nach der Sommerpause, schreibt Topol, findet die nächste UN-Sitzung statt, bei der die meisten Stimmen längst den muslimischen Ländern gehören. Da es klar ist, dass die USA nun nicht mehr die anti-israelischen Beschlüsse blockieren werden, bereiten diese Länder bereits eine zukünftige UN-Resolution über die Anerkennung des Palästinenserstaates vor… Und nach der Verabschiedung einer solchen Resolution werden jegliche Aggressionen, die gegen Israel gerichtet sind, als legitim erachtet. Und was noch wichtiger ist: sie sind unvermeidbar, weil zwischen Israel, das unter dem Schutz der USA steht und Israel, das von den USA fallengelassen wurde, ein sehr großer Unterschied besteht“.

Und was werden wir währenddessen tun? Uns mit Hüttenkäse und Hypothekendarlehen beschäftigen?

Die Ereignisse können eine furchtbare Wendung annehmen, weil diejenigen, die sie bezahlen und lenken, weitreichende Pläne hegen und sich nicht durch die Vernichtung des Landes abhalten lassen. Die Menschen sollten aus dem Schlaf erwachen und erkennen, dass sie von diesem „Festival“ für breite Massen hypnotisiert wurden. Die Massen haben sich mitreißen lassen, sie sind begeistert und wahrscheinlich von ihrer Kraft geblendet. Genauso verspürt ein Mensch, der vom Dach fällt, ein wonniges Fluggefühl während des Falls.

Anstatt einer klaren Aufgabenstellung werden die Forderungen politisiert. Die allgemeine Stimmung schlägt immer mehr in Richtung Zerstörung um – und selbstverständlich steht jemand hinter all dem. Selbst die Vereinigung, von der die Demonstranten reden, hat keine reale Grundlage. Denn die Vereinigung darf nicht zerstörerisch sein; wir vereinigen uns nicht, um jemanden zu brechen. Die Kraft einer echten Vereinigung ist schöpferisch.

Ich glaube, wir alle empfinden Solidarität mit den Menschen, die gerechte Forderungen an die Regierung stellen. Doch im Grunde genommen wissen sie nicht, von wem sie manipuliert werden. Die aktuellen Proteste sind initiiert, und die Pläne der Initiatoren gehen sehr weit, bis hin zur Demontage des ganzen Landes. Und der Ursprung dieses Vorhabens liegt in den USA.

Es ist sehr schade, dass die amerikanische Elite mit dem Präsidenten Obama an der Spitze gerade auf diese Weise versucht, ihre Probleme zu lösen. Die Juden sind aber ein schlaues Volk. Wir begreifen sehr schnell, vom wem wir manipuliert werden, und Wissen ist in diesem Fall eine große Kraft. Die richtige Bewertung der Situation wird den Protestteilnehmern helfen, die beste Strategie zu wählen, die die Sicherheit des Landes nicht schwächt, sondern im Gegenteil stärkt.

In erster Linie müssen sie sich verbinden und aus ihren Reihen diejenigen aussieben, die die politischen Ziele der Strategen aus Übersee verfolgen. Wir können keinen Erfolg erzielen, indem wir eine Regierung für die nächste stürzen und das Parlament durch ordentliche oder außerordentliche Wahlen durchschütteln. Das bringt nichts. Wir sehen, wie die ganze Welt versucht, etwas in dieser Richtung zu unternehmen, und scheitert.

Es soll klar getrennt werden zwischen denjenigen, die nach Einheit, Preissenkungen und Verbesserung der Arbeitsbedingungen verlangen, und denjenigen, die die Protestwelle manipulieren, um Zerstörung und Chaos zu säen.

Die Kräfte, die die Fäden ziehen, gehen auf keine Vorschläge ein, sie beabsichtigen, bis zum Ende zu gehen. Sie werden die Spannung immer mehr verstärken, indem sie alle Vorschläge ablehnen. In erster Linie wollen sie die Regierung und danach das ganze Land stürzen. Es ist das gleiche Programm, das bereits in den anderen Ländern der Region wirkt. Derartige Versuche sollten im Keim erstickt werden.

Danach sollte man sich den sozialen Problemen zuwenden. Sie sind auch bei weitem nicht zufällig und werden selbstverständlich nicht holterdiepolter gelöst. Reale Veränderungen werden erst dann eintreten, wenn der Mensch sich selbst ändert, wenn die Menschen eine andere Art der gegenseitigen Verbindung, andere Beziehungen untereinander etablieren. Die Regierung ist nicht allmächtig, sie wird einige Löcher stopfen können, doch wir werden es noch nicht einmal schaffen, dessen Wirkung zu spüren, weil gleich um die Ecke bereits neue, ernstere Probleme auf uns warten.

Unter den heutigen Bedingungen werden die Aufrufe der Demonstranten zur Gleichheit, Einheit, Gegenseitigkeit, Bürgschaft mit einem neuem Sinn erfüllt. Die Lösung unserer Probleme beginnt mit den Veränderungen in den Menschen und nicht in der Regierung. Wir sind mit der Ungerechtigkeit und der sozialen Ungleichheit nicht einverstanden, das heißt aber nicht, dass die Grundlagen des Staates zerstört werden müssen. Jede Revolution bedeutet immer Zerstörung und Zusammenbruch, die wahrscheinlich einen Aufstieg mit sich bringen.

Nicht die Regierung, sondern die Gesellschaft selbst muss korrigiert werden, und die Gesellschaft sind wir. Nicht auf die Staatsgewalt muss Druck ausgeübt werden, damit sie ihren Kräften gemäß die Situation rettet; unsere wichtigste Aufgabe besteht gerade darin, das Volk umzuwandeln. Heutzutage ist es nicht mehr so schwer zu verstehen, dass es aus der Vereinigung neue Kräfte gewinnt, und nur sie werden ihm die erwünschte Prosperität bringen.

Die Lösung der modernen Probleme liegt nicht mehr in den Händen der Regierungen. Wir sehen es an der Schuldenkrise in Europa, an der Kreditfalle in den USA. Die Welt ist an eine Übergangsphase herangetreten, hat aber noch keine neuen Methoden ertastet und versucht, alte anzuwenden, die nicht mehr funktionieren. Die Kraft der Einzelnen, welche Reichtümer sie auch besitzen mögen, weicht vor der Stärke des integralen Systems zurück.

Es sei zur Ehre der Demonstranten gesagt, dass sie viel über die Vereinigung sprechen. Was ist also das Problem? Ihr wollt die Einheit – dann vereinigt euch. Verbietet uns etwa der Staat, in Liebe und Einvernehmen zu leben? Die Regierung bestimmt nicht über die Qualität unserer sozialen Beziehungen. Sie kann (in einem bestimmten Rahmen) die Steuer auf diese oder jene Ware senken, damit es für uns erschwinglicher ist. Doch kann sie etwa den Geist der Einheit in der Gesellschaft verbreiten?

Darum muss jeder, der sich an den Protesten beteiligt, ganz genau für sich klären, was sein Ziel ist. Man darf nicht nach den Gefühlen gehen, man darf nicht im Rausch ein Fest der Unstimmigkeit veranstalten. In einem solchen Fall wirst du von jemandem manipuliert, der mit einem großen Gewinn rechnet und dabei ein unheilbringendes Ziel verfolgt. Man sollte also nicht mit geschlossenen Augen zum Kampf aufbrechen.

Was die momentanen Probleme betrifft, sollten sie sach- und fachgerecht gelöst werden und nicht wie im Nebel, indem man im Voraus jede Lösung ausschlägt. Denn dadurch, dass wir die Regierung stürzen, erreichen wir nichts, mit Ausnahme dessen, dass wir anderen Menschen auf die gleichen Posten verhelfen. In der eng miteinander verbundenen Welt liegt die einzige Möglichkeit, die Sachlage zu verbessern, in der Integration. Lasst uns darüber Klarheit verschaffen, dass die Einheit zwischen uns das Wichtigste ist. Lasst uns den Fakten ins Gesicht sehen und uns in den gemeinsamen Kreis einordnen. Doch lasst es uns bewusst tun, lasst uns über die Geschehnisse im Klaren sein, anstatt uns blind wie eine Herde in den gemeinsamen Strom zu stürzen.

Die Lohnungleichheit und andere Probleme sind nur eine Folge. Wenn sich das Volk ändert, ändert sich auch alles andere. Jeder von uns ist ein Teil der Gesellschaft, wir alle zusammen sind die Gesellschaft. Von wem verlangen wir also nach Veränderungen? Von den Politikern? In Wirklichkeit hängt unser Erfolg von uns selbst, von der Stärke unserer Verbindung ab. Wir müssen lediglich die ersten Schritte auf dem Weg zur wahren, inneren Gleichheit zwischen uns tun.

Unter den Demonstranten gibt es Menschen, die das verstehen und ausdrücken. Der Prozess wird jedoch von den Kräften bewegt, die recht böswillig gestimmt sind und bereit sind, alles Mögliche für die eigenen Interessen zu opfern. Ihr Schwerpunkt ist die Pseudovereinigung, für die sie gegebenenfalls in kürzester Zeit Dutzende Millionen Dollar zur Verfügung stellen können. Für sie arbeiten Ökonomen, Vertreter der Religion, Strategen, analytische Gruppen. Ihre Methoden sind flexibel und effektiv, und der von ihnen verursachte Schaden ist manchmal ungeheuerlich.

Und darum sollte man nicht nach Worten, sondern nach Taten bewerten. Unser Protest ist nicht auf die Zerstörung des Landes, sondern auf dessen Aufschwung gerichtet. Und dafür lohnt es sich, auf die Straßen zu gehen.

Oleg Chlebnikow, die Zeitung „Gemeinsame Welt“