Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

In Erwartung der frischen Luft der Freiheit

Seit tausenden von Jahren haben tausende von Menschen versucht, dem Gefängnis, dem Gefühl einer engen und kleinen Welt, zu entkommen, aber es ist ihnen nicht gelungen. Und das wird sich nie ändern!

Das Verlangen zu empfangen wird sich niemals freiwillig aus seinem eigenen Willen heraus ausdehnen und mich loslassen, sodass ich dadurch nicht auf die Realität schauen und die reale Welt sehen kann.

Das wird nie geschehen. Im Gegenteil! Von Tag zu Tag werde ich feststellen, dass mein Verlangen zu empfangen gewachsen ist, die Möglichkeiten für die Entdeckung neuer Erscheinungen darin aber geschrumpft sind. Und das bringt mich zum Gefühl des Exils, das mich zwingt zu suchen, und die Methode der Kabbala zu finden. Kabbala erklärt, dass ein Mensch in seinem egoistischen Verlangen nichts mehr sehen kann. Ich muss mich mit der Tatsache, dass mir mein Ego nicht erlauben wird, etwas neben dieser Welt zu fühlen, vereinbaren. Und wenn ich etwas darüber hinaus möchte, dann muss ich meine Einstellung hinsichtlich meinem Verlangen zu empfangen ändern.

Ich nehme die Wirklichkeit jetzt gezielt wahr, sehe nur, was mein Ego interessiert. Wenn ich aber ein breiteres, genaueres, oder zumindest ein Bild, näher der Wahrheit sehen will, dann liegt es an mir, mich über das Verlangen zu empfangen zu erheben, um mein egoistisches Verlangen zu übersteigen.

Ich kann zum Beispiel aus meinem Verlangen zu empfangen hinau s- und in das eines oder mehrerer Freunde übergehen. Dadurch habe ich meine Wahrnehmung schon erweitert und kann die Welt, die außerhalb von mir existiert, fühlen. Ich muss mich mit dem Verlangen eines Freundes verbinden. Wenn ich in der Lage bin, die Wirklichkeit auf seine Weise zu fühlen, dann wird es schon ganz anders sein im Vergleich zu dem, was ich in meinem Ego fühle. So werde ich aus diesem Traum erwachen und mich über mich selbst erheben. Zumindest bin ich in der Lage, aus meiner Box, meinem Gefängnis, herauszukommen. Die allgemeine Regel, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ wird daraus abgeleitet. Das ist das geeignetste Mittel, das es einem Menschen erlaubt, aus seinem winzigen Kokon, der uns durch das Prisma des Eigennutzes als diese Welt erscheint, herauszukommen, um sich über sich selbst zu erheben, und eine andere Ansicht zu finden. Damit allerdings mein Geist wirklich unabhängig von meinem Verlangen zu empfangen wird,  sollte ich nicht nur zu einem oder mehreren Freunden gehen, sondern – was an mir liegt – mich mit einer Vielzahl von anderen individuellen Verlangen verbinden,  um zu empfangen. Nur durch sie werde ich die wahre Wirklichkeit jedes mal aus einer anderen Perspektive sehen.

Am Ende werden sich alle Sichtweisen, die individuellen Perspektiven, zu einer gemeinsamen  Sicht, einer ausgedehnten Betrachtung, verbinden. Diese Betrachtung wird sich unendlich ausdehnen, bis ich völlig frei von meinem Verlangen zu empfangen bin, und durch die Verlangen der anderen werde ich Freiheit erwerben. Meine Wahrnehmung der Realität wird nicht an Bedingungen geknüpft und völlig frei sein.

Es ist eine wunderbare Sache, dass ich die neue Wahrnehmung immer noch in meinem Verlangen zu empfangen fühle, aber ich habe Gläser erschaffen, die meine Mängel korrigieren, diese neutralisieren, und es mir ermöglichen, die höhere Wirklichkeit zu sehen und zu fühlen.

Wir sagen also, dass die spirituelle Arbeit in der Notwendigkeit  wie “Liebe deinen Nächsten“,  “zur Höhe des Schöpfers aufsteigen”, usw., reflektiert wird. Denn „Die Thora ist in der menschlichen Sprache gesprochen“ (Mishna), sprich, was wir bereit sind zu verstehen und zu fühlen. Tatsächlich  jedoch spricht sie von einer Änderung in der Wahrnehmung der Realität.

Wir müssen allerdings einfache Aktivitäten und Übungen durchführen, um diese Änderung der Wahrnehmung zu  erzielen: entweder durch unser  primitives, egoistisches Verlangen, oder durch ein Verlangen, das zielgerichtet ist. Am Ende erreiche ich einen Zustand, in dem meine Bemühungen, meine Wahrnehmung zu ändern, in Freude verwandelt werden, weil ich fühle, dass ich schon fast in Freiheit bin. [119016]

Auszug aus der Vorbereitung zum Unterricht 24/10/13


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