Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Eine Welt ohne Geld

Eine Frage, die ich erhielt: Glauben Sie wirklich an eine Welt ohne Geld?

Als Antwort möchte ich den Brief meines langjährigen amerikanischen Studenten, Tasha, online stellen:

Ich arbeite in einem Finanzunternehmen, das bis vor kurzem zu den Grundpfeilern der Finanzwelt zählte, das sich aber nun an jeden Dollar klammern muss, um sich über Wasser zu halten. Noch vor nur einem Jahr gab es in diesem Unternehmen keine einzige freie Stelle, doch nun, nur ein Jahr später sind weniger als ein Drittel der Stellen besetzt. Jeden Monat werden Menschen entlassen. Alle warten, dass es sie trifft, alle hoffen dabei das Unvermeidliche hinausschieben zu können und versuchen eine Lösung zu finden, um ihre Familie zu ernähren.

Was ist also geschehen? Warum ist alles auseinandergefallen? Man sagt uns, wir hätten für „virtuelles“ Geld gelebt und gearbeitet. Aber wir haben gearbeitet und haben anderen die Möglichkeit gegeben zu arbeiten und ihre Familien zu ernähren. Was hat sich also geändert?

Die materielle Welt hat sich nicht verändert, aber die Büros sind leer, Flüge sind gecanceled und niemand macht mehr Urlaub in Ferienanlagen. Stattdessen stehen die Menschen Schlange, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Warum erlebt jeder auf diesem Planeten plötzlich eine surreale Welt? Warum funktioniert das althergebrachte System nicht mehr, wo jeder vom Anderen etwas bekam? Das universelle Wirtschaftsystem ist auseinandergefallen.

Selbst wenn noch Geld in das System fließt, funktioniert das System nicht mehr, wie es sollte, da die Banken und Unternehmen einander nicht mehr vertrauen. Die Unternehmen bekommen keine Kredite von den Banken und vertrauen Ihnen deshalb auch nicht ihr Geld an. In der Folge wird alles geschlossen. Das System basierte mit anderen Worten von Anfang an eher auf Vertrauen – auf die Aussicht einen Gewinn zu erzielen – als auf Geld.

Wenn es aber überhaupt kein Geld gibt, muss ich „aus der Güte meines Herzens heraus“ arbeiten (ohne jegliches Geld zu bekommen), das, was ich benötige aus dem Laden nehmen (ohne Geld zu geben), und der Laden wird (ohne Geld zu bezahlen) vom Lieferanten Waren erhalten, die ich hergestellt habe (wofür ich kein Geld bekommen habe). Kann so ein System, wo jeder aus der Güte seines Herzens heraus arbeitet und das erhält, was er benötigt, funktionieren? Es wäre der Himmel auf Erden.

Doch wie können wir es wagen „aus der Güte unseres Herzens heraus“ zu arbeiten, wenn jeder um uns herum uns sofort ausnutzen würde und es keine Garantie gibt, dass wir wenigstens einen Teil dessen, was wir benötigen, zurückbekommen würden. So ein System würde mit anderen Worten nur normal funktionieren, wenn alle Beteiligten, damit einverstanden wären, ohne Bezahlung zu arbeiten, dabei ein Maximum zum Überleben der Gesellschaft beizutragen und dafür nur das Lebensnotwendigste zu erhalten. Alle natürlichen Lebenssysteme funktionieren auf diese Weise: alle Teile des Ganzen leben für die Existenz des gesamten Organismus. Wenn die Krise sich weiter entwickelt, wird dies der einzig gangbare Weg sein.

Die eigentliche Frage muss hier also lauten: Wie genau können wir alle unseren Egoismus bezwingen und beginnen in unserem Leben Anderen zu helfen und für Andere zu sorgen statt Einander auszunutzen? Was ist der Grund dafür, dass Menschen bereit sind Einander zu übergehen, nur um mehr Geld herauszuschlagen? Was spielt es für eine Rolle, wie viele Nullen wir auf unseren Bankkonten haben? Was ist der Unterschied zwischen einer unendlich großen Geldsumme und dem Nichtvorhandensein von Geld?

Eine große Geldsumme gibt einem Menschen nur Eines: das Vertrauen, dass er und seine Familie immer das haben, was notwendig ist, dass seine Kinder eine Ausbildung erhalten, dass für sein Alter gesorgt ist und, dass er wann immer notwendig, die beste medizinische Versorgung bekommt. Wenn es also einen Weg gäbe, den Menschen das Vertrauen zu geben, dass die Gesellschaft sie mit allem Notwendigen versorgt, wie viel Geld würde jeder von uns dann benötigen? Wir würden kein Geld benötigen, da wie allmählich klar wird, alles, was über unsere Grundbedürfnisse hinausgeht uns nur schadet.

Die Grundbedürfnisse sind natürlich subjektiv. Für den Einen gehört dazu ein zweites Paar Socken, für den Anderen ein dritter Mercedes Benz. Wenn die Menschheit jedoch den Punkt erreicht, wo ihre einzige Chance zu überleben darin besteht, den Verbrauch auf ein Minimum zu reduzieren, dann wird jeder, das was er für sich selbst benötigt nur als eine Möglichkeit ansehen, der Gesellschaft den größten Nutzen zu bringen. Wo ist also diese magische Kraft, die unser innerstes Wesen wandeln kann, von Verbrauchenden zum Gebenden, vom einem, das jeden ausnutzt zu einem, dem am Wohl aller gelegen ist?

Sie existiert nicht in uns. Wir können unsere Hoffnung nur auf die Kraft setzen, die uns, diese ganze Welt, jede Pflanze und jedes Lebewesen mit einer so unermesslichen Weisheit erschaffen hat.
Es ist die Kraft, die die Menschheit dazu drängt, sich auf ein qualitativ neues Niveau hin zu entwickeln, das von uns noch nicht wahrgenommen wird.
Wir benötigen Licht in unserer Dunkelheit. Das Licht ist es, das uns korrigieren wird und uns in eine neue Welt bringen wird, mit neuen Beziehungen.

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