Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Die Kraft des Schweigens

Frage: An diesem Wochenende haben wir den „stillen Samstag“. Was für Stille soll es sein?

Meine Antwort: Dieser Brauch zu schweigen stammt von den Kabbalisten. Er wird als eine Übung in allen möglichen Techniken, die nichts mit unserem Weg zu tun haben, und überhaupt in dem Bereich der Psychologie verwendet.

Wenn der Mensch etwas Neues begreifen möchte, wenn er sich auf etwas Neues konzentrieren möchte, muss er sich zurückziehen. Man könnte vor allen weglaufen, so könnte man sich physisch zurückziehen. Man kann sich aber auch innerlich zurückziehen, wenn man einen gewissen Raum in seinem Inneren findet und sich dort vor fremden Blicken versteckt, obwohl man von vielen Menschen umgeben ist. Das betrifft alle Ebenen des Menschen.

Wir möchten also eine ähnliche Übung durchführen, das sogenannte „Schweigegelübde“, die Gesprächsabstinenz. Es gibt besondere Zeiten, in denen die Menschen mehr die Thora studieren, sich mehr in den Stoff vertiefen, verschiedene Fasttage durchführen. Solche Mittel ziehen den Menschen aus dem gewohnten Tagesablauf, aus der Routine heraus, helfen ihm, sein Leben und sich selbst ein wenig anders zu betrachten, ermöglichen ihm, sich auf das Innere zu konzentrieren.

Der „stille Samstag“ bedeutet nicht, dass keiner den Mund aufmachen darf. Wir sprechen jedoch nur über das Studium und darüber, was es beinhaltet, und zwar nur im nötigen Maße. Wenn aber keine Notwendigkeit besteht, denken wir über dieselben Fragen nach, anstatt zu sprechen. Denn Worte entblößen die Seele des Menschen, enthüllen die tiefsten Geheimnisse seines Herzens. Aus diesem Grund sollte nicht gesprochen werden, wenn es nicht der Korrektur dient.

Genauso machen wir es an diesem Samstag. Alle Unterrichte und Mahlzeiten werden nach gewohntem Programm verlaufen, dabei wird sich jeder nach Möglichkeit zurückhalten – um nicht zu sprechen, sondern nachzudenken.

Gedankliche, innere Konzentration erzeugt eine viel größere Wirkung in der Welt als Worte. Denn der Gedanke ist eine viel höhere Kraft als das Reden. Das ist die höchste Kraft im Menschen, deshalb ist sie die effektivste in dem Gesamtsystem der Realität. Genau mit ihr beginnt die Kette „Gedanke – Reden – Handlung“. Darum hoffen wir, dass wir, indem wir die Gespräche einschränken, zu einer höheren Stufe des Gebens aufsteigen können.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Freiheit“, 11.01.2011



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