Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Der unglückliche Weise

Frage: Das Wissen ist die höchste Stufe, die die ganze Realität erfassen lässt. Gerade so dachte Ecclesiastes im gleichnamigen Buch des Königs Salomo. Er kam jedoch zum Schluss, dass „ein Mensch, der sein Wissen multipliziert, auch seine Trauer vertieft“, und „der Weise stirbt genauso wie der Dumme“. Warum haben ihm die Weisheit und das Wissen nicht das erwünschte Glück gebracht?

Meine Antwort: Die Weisheit und das Wissen sind nur Mittel für das Glück. Unser ganzes Leben besteht einzig aus dem Verlangen, glücklich zu sein. Man will schließlich sein Leben genießen. Ich kann das auf allerlei Dinge, Ereignisse, Erscheinung beziehen, letztendlich will ich genießen. Unter dem Genuss verstehe ich die Erfüllung des Lebens, weil ich nichts anderes besitze. Deshalb will ich mein Leben als angenehm empfinden. Was bedeutet, dass ein Mensch lebt? Er verfügt über einen bestimmten Geist, der ihn entweder erdrückt oder erfreut. Er will, dass dieser Geist mit Lebenskraft erfüllt ist. Dafür muss der Mensch sich immer wieder erneuern. Wenn er deshalb Reichtum, Macht, Wissen oder Familie, Sex und Essen verlangt, tut er das nur mit dem Ziel, den Zustand zu genießen.

Gäbe es keinen Genuss am Essen, würde der Mensch notgedrungen essen, nur um seinen Körper am Leben zu erhalten – wie ein Kranker die Medizin nimmt. Fände der Mensch kein Vergnügen an Sex, wäre das Fortleben der Menschheit bedroht; der mesnch wäre ungklücklich und ließe sich medizinisch behandeln. Gäbe es keine Freude in der Familie gibt, würde man aufhören zusammen zu leben. Das Gleiche betrifft den Reichtum. Wir streben danach, weil wir hoffen, dadurch Unabhängigkeit und Sicherheit zu erlangen. Wir sehen aber auch, dass alles plötzlich verschwinden kann. Auch die Macht ist heute nicht so beständig und absolut, wie es früher zur Zeit der Monarchen war.

Du erlangst die Weisheit und siehst, was passiert. Was erkennst du? Wenn du alle Quellen des Genusses analysierst, erkennst du, dass es darin keinen echten Genuss gibt, nicht einmal in der Weisheit selbst. Was hast du nach der Erkenntnis der ganzen Schöpfung erreicht? Alles funktioniert und alles ist doch leer. Du fühlst dich in einer Sackgasse und stehst mit dem Rücken zur Wand, kannst dich nicht mehr bewegen. Wenn du ein Weiser geworden bist und die Folgen deiner Handlung erkennst, dann begehst du sie nicht mehr. Du hast nichts mehr zu tun.

Heute sprechen wir von der Wissenschaft als Offenbarung der ganzen Welt. Das bedeutet, dass du nicht nur ein Gelehrter bist, der sich mit Mücken oder elektronischen Teilen beschäftigt, sondern du wirst zum großen Philosophen – zu einem Weisen. Und das ist eine ganz andere Weisheit.

Auszug aus dem 187. Gespräch über das neue Leben, 23.05.2013


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