Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Das Ego und die Liebe

Frage: Kann das Genießen der Spiritualität egoistisch sein?

Meine Antwort: Natürlich. Spiritualität bedeutet Geben und Liebe. Ich bin dazu bereit, dich zu lieben und dir zu geben, wenn es mir dabei gut geht! Und wenn nicht, wozu soll ich dich dann lieben?! Das nennt sich Klipa, das ist keine Spiritualität, sondern Materialität.

So zu lieben ist jeder von uns in der Lage: ich liebe meine Kinder, weil das meine sind. Doch wenn das nicht meine Kinder sind, habe ich keinen Bezug zu ihnen. Ich kann jemanden lieben, von dem mein Wohl abhängt, andernfalls brauche ich ihn nicht.

Mit anderen Worten: ich bringe mich ein und liebe, weil ich daraus einen persönlichen Nutzen ziehe. Es ist jedoch kein Geben und keine Liebe, sondern Ausnutzung des Nächsten.

Das Geben und die Liebe, von denen in der Wissenschaft der Kabbala die Rede ist, hat nichts mit dem Empfangen für sich selbst zu tun. Ich liebe diesen Menschen, damit es ihm gut geht – das war es. Das ist mehr als die Liebe zu unseren Kindern, denn sie werden von uns instinktiv geliebt.

Ich muss eine solche Liebe zum Nächsten erlangen, die meinem Ego nichts bringt. Und wenn es irgendetwas bekommt, dann ist es keine Liebe: ich liebe mich selbst und erfülle mich selbst auf Umwegen.

Also liegt es an der Motivation. Wie könnte man sich denn prüfen?

Mich kümmert nicht das, was mit mir geschieht, ich sorge mich nur darum, was mit meinem Nächsten passiert – bis zu einer solchen Liebe müssen wir aufsteigen! Und das sollten wir wissen, weil die Natur uns dazu mit aller Strenge und Unvermeidbarkeit zwingen wird. Denn entsprechend dem Schöpfungsprogramm müssen wir die Ähnlichkeit mit dem Schöpfer erreichen. Der Schöpfer ist gut und tut Gutes ohne jeglichen Bezug zu sich selbst. Sein Wunsch ist es, uns zu erfüllen, und nur das wird als Liebe bezeichnet.

Wie kann man sich dem annähern? Meine momentane Motivation kann nur von dem korrigierenden Licht verändert werden. Es hat meinen Egoismus erschaffen und erhebt mich nun über ihn und vollbringt ein Wunder – lässt mich aus Ägypten ausziehen. Nachdem ich aufgestiegen bin, fange ich an, mich zu korrigieren.

Dieses Licht kann nur während des Studiums der Wissenschaft der Kabbala wahrgenommen werden. Beim Lesen des Buches Sohar beginnt der Mensch, dessen Einwirkung an sich zu spüren. In dem Studium selbst ist eine Kraft enthalten, die ihn verändert. Darüber steht geschrieben: „Ich erschuf den bösen Trieb und gab die Tora zu dessen Korrektur, deren Licht zum Guten zurückführt“. Zum Guten kann uns nur dieses Licht zurückführen, welches wir während des Studiums anziehen. Aus diesem Grund offenbart sich die Wissenschaft der Kabbala in der heutigen Zeit und wird für alle zugänglich.

Aus dem Programm „Frage den Kabbalisten“, 04.04.2010


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