Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Jpost: „Rosh HaShana ist eine Gelegenheit des Wechsels“

Die Jerusalem Post veröffentlichte meinen Artikel „Rosh HaShana ist eine Gelegenheit des Wechsels“

Angesichts der Disaster, die Amerika in den vergangenen Monaten durchgemacht hat, hätte Rosh HaShana zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Tatsächlich kommt der Begriff „Rosch HaShana“ von den hebräischen Worten „Rosh Hashinui“ – der Anfang der Änderung. Wir können nur hoffen, dass es eine Änderung zum Besseren sein wird.

Jüdische Feiertage sind bekannt für ihre kulinarischen Köstlichkeiten. Aber neben dem Essen und den Familientreffen haben jüdische Feste eine tiefgreifende spirituelle Bedeutung.

Rosh HaShana ist nicht nur der Anfang des hebräischen Kalenders; es ist ebenso ein Symbol für Erneuerung. Dies geschieht, wenn wir anfangen, uns zu überprüfen und zu untersuchen, wie wir uns selbst verbessern wollen.

Den Kopf des Fisches zu probieren bedeutet, dass wir der Kopf und nicht der Schwanz sein wollen. Das bedeutet, dass wir unseren eigenen Weg untersuchen und nicht blindlings der Herde folgen wollen. Wir essen Granatapfelkerne und jeder Einzelne steht für ein Verlangen, dass wir in uns entdeckt haben und von dem wir lernen wollen, es nicht zu unserem Nutzen, sondern zum Segen für andere zu nutzen.

Und der Apfel, den wir essen, symbolisiert die Sünden (der Ichbezogenheit), die wir mit Honig mildern (süßen), was wiederum unseren Wunsch symbolisiert, wie wir lernen können, selbst diese ursprünglichste Versuchung altruistisch zu nutzen.

Das Volk Israel prägte den Spruch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ und führte es in verschiedenen Stufen aus bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. All unsere Feste symbolisieren Meilensteine auf dem Pfad der Transformation von der bösen Neigung – Egoismus genannt – bis zum Altruismus, wo wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst.

Unsere Weisen erzählten uns, dass der zweite Tempel nur aus einem einzigen Grund zerstört wurde und zwar aus grundlosem Hass. Wenn der Egoismus überhand nimmt, scheitern wir und fallen.

Wir waren als ein Volk bestimmt, erst als wir gelobt haben, uns „wie ein Mensch mit einem Herzen“ zu vereinen. Als wir dieses Gelöbnis brachen, wurden wir verstreut und verbannt.

Nicht minder wichtig als unser Gelöbnis wie eins zu sein war das Gebot, das uns gegeben wurde, ein Licht unter den Nationen zu sein.

Aber welches Licht senden wir aus, wenn die Verbindung zwischen uns fehlt?

Wenn wir verbunden sind und das auch zeigen, werden wir ein Licht unter den Nationen und verwirklichen unsere Berufung als Juden.

Heute herrschen Misstrauen und Entfremdung auf allen Ebenen der Menschlichkeit – von der zwischenmenschlichen über die soziale, nationale bis zur internationalen Ebene.

Eindeutig, wir entfremden uns in wachsendem Maße voneinander – also das Gegenteil von Verbindung und brüderlicher Liebe, die so lebenswichtig ist für das Überleben in einer Welt, wo jeder von dem anderen abhängig ist.

Je länger wir diesen gegenwärtigen Trend fortsetzen, desto größer wird der Druck, der auf die Juden ausgeübt werden wird.

Im tiefsten Inneren erinnert sich die Welt, dass die Juden einst das Geheimnis der richtigen menschlichen Verbindung wussten. Wenn diese Erinnerung zum Vorschein kommt, wird es zu Anklagen kommen, dass wir Kriegstreiber und Manipulatoren sind und ähnliche Tiraden werden feste Bestandteile des anti-jüdischen Jargons sein.

Obwohl wir auch nicht verbunden sind, sind wir diejenigen, die unsere Einheit wieder entzünden können und müssen. Wir mögen jetzt noch ziemlich weit davon entfernt sein, aber letzten Endes können wir die Unverzichtbarkeit dieses zu Unrecht verminderten Wertes erkennen: Einheit.

Deshalb ist Rosh HaShana eine Gelegenheit, richtig Rosh Hashinui zu zelebrieren, den Anfang der Änderung. Hier und jetzt sollten wir beginnen, uns in der Beziehung zueinander zu ändern. Wie wir uns mit Familie und Freunden treffen, müssen wir es auf den Punkt bringen, uns über unsere Unterschiede zu erheben und das gemeinsame Ziel der Verbindung zu finden. Und wenn wir das so machen, wird es die vorher erwähnten Leiden nicht mehr geben, da sie alle nur aus dem einen Ursprung herrühren – unserer Trennung.

Lasst uns dieses Jahr ein bisschen Honig auf unsere Entfremdung verteilen und sie damit versüßen, dass wir uns umeinander kümmern.

Nach den jüngsten Tragödien, die Amerika erlitten hat, könnte es sicher gegenseitiges Interesse und gegenseitige Verantwortlichkeit gut gebrauchen. Und tatsächlich ist Verbindung alles, was wir brauchen. Verbindung ist es, was die Welt braucht und sie ist der Schlüssel zum dauerhaften Glück.

 

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Die süßen Leiden des Geschöpfes 

Am Anfang sind S‘‘A und Malchut als 6 Sefirot, S‘‘A und der Punkt Malchut benannt. Alle Welten und Parzufim von der Welt der Unendlichkeit bis zu S‘‘A sind nur für Malchut bestimmt!

Seir Anpin wird „Kleines Gesicht“ genannt , da Seir Anpin hauptsächlich das Licht von Chassadim und in geringem Maß Licht von Chochma ist. Malchut ist das Geschöpf, welches als „Punkt im Herzen“ existiert. Man muss ihn aufziehen!

Wie wächst ein Geschöpft und was muss dafür der Höhere tun?

S‘‘A erweckt in Malchut (in diesem Punkt, welcher sich an sein Chase (die Brust) angeheftet hat) eine Empfindung des Gerichtes und der Einschränkungen. Mit anderen Worten, er erweckt die Verlangen, die eine Erfüllung brauchen, damit Malchut erwacht und beginnen kann zu wachsen!

Diese Einschränkungen bekommt Malchut von Mutter-Bina. Durch die höheren Sefirot, GA‘‘R de S‘‘A, gelangen sie in Keter der Malchut. Er (Keter) wird „Rosh ha-Shana“ genannt: der Anfang (der Kopf) des Jahres, der Anfang von Malchut, welcher „das Jahr“ heißt. Von hier an beginnt die Erweckung von Malchut.

Das weitere Wachstum geschieht zulasten der niederen Sefirot S‘‘A, seiner NeH‘‘J  (Nezach-Hod-Jessod). Dafür muss er den großen Zustand erreichen, der ihm die Mutter-Bina dank dem «ins Shofar (Horn) blasen“ gibt.

Infolgedessen erwachen in ihm (im Punkt) eigene Verlangen: Sefirot NeH‘‘J. Das geschieht in „10 Tagen (Sefirot) der Reue“ zwischen Rosh haShana und „Jom Kippur“.

In diesen 10 Tagen erhält Malchut jedes Mal aus NeH‘‘J von S‘‘A Anregungen und festigt sich so, dass der Zustand „Jom Kippur“ kommt.

Uns kann man nur zu einem höheren Zustand dank Einschränkungen bringen. Da wir nur mit deren Hilfe und dank dem Licht „Chochma“, fühlen können wieviel Korrektur wir noch brauchen, um damit unsere spirituellen Kelim vorzubereiten. Wir haben diese Gefäße schon, aber sie sind zerbrochen!

Am Anfang werden sie mit Hilfe der Einschränkungen ohne jegliche „Versüßung“ erweckt. Danach kommt das Licht „Chassadim“ und versüßt sie (mit den Leiden der Liebe).

Die Versüßung bedeutet die Korrektur… Es wurde gesagt, dass der Schöpfer „den Bösen Trieb erschuf und die Tora als Gewürz dazu“. Ein Gewürz zum egoistischen Verlangen zu geben bedeutet „Ihn“ (böser Trieb) so zu versüßen, dass man Ihn korrigieren und benutzen kann.

Davor war dieses Verlangen „bitter“, wenn man ihm aber die Absicht zu Geben hinzufügt, wird dieses Verlangen „versüßt“ und man kann Es benutzen und füllen.

Das ist die Bedeutung von der „Versüßung“ des Gerichtes. Das Gericht ist das Verlangen, den Genuss für sich zu empfangen und die Versüßung ist dasselbe Verlangen mit der Absicht um zu Geben. Man muss nur die Absicht ersetzen. Das war’s!         

Aus dem Unterricht “Die Lehre der 10 Sefirot“ 6/10/2010

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Zwischen den Meeresengen

Wir sind in einer sehr besonderen Zeit angekommen, die sogenannte „Zwischen den Meeresengen“ Periode, vom 17. Tammuz, als die Gesetzestafeln zerschlagen wurden, bis zum 9. Av, als der Tempel zerstört wurde. Im Rückblick können wir sehr vieles aus dieser Zeit lernen. Wir können sehen wie schwierig die Vereinigungsmethode zu akzeptieren und auszuführen ist. Dies bezeugen die Tage „Zwischen den Meeresengen“.

Wir erhielten die Tora, die Methode der Korrektur, symbolisiert durch Moses, der für vierzig Tage auf den Berg stieg und uns die Vereinigungsmethode von der Stufe „Bina“ (Schenken) brachte. Aber das Volk war unfähig dies zu akzeptieren. Obwohl alles von oben vorbereitet und gegeben wurde, sind wir unfähig, es zu empfangen.

In Wahrheit ist dies nicht unsere Schuld. Der Grund ist einfach der, dass unsere Wünsche noch nicht ausreichend das Gute und Böse integriert haben, um uns zu ermöglichen, das Eine durch das Andere zu korrigieren. Die Integration erfolgt mit dem Bruch. Nur eine Explosion kann die Grenzen zwischen zwei Gegensätzen, die sich gegenseitig ablehnen, brechen und diese zur Integration zwingen.

Die Integration muss komplett ungeordnet, chaotisch und unter dem Druck einer explosiven Kraft stattfinden, denn es kann bei der Integration von Gut und Böse keine Ordnung geben. Nur nachdem sie integriert wurden, kann Ordnung geschaffen werden. Innerhalb dieser Integration, mit Hilfe des Oberen Lichtes, kann alles eingeordnet und aussortiert werden. Und dann kann die richtige Verbindung und Konstruktion erreicht werden.

Ein komplexer Prozess erlaubt zwei Gegensätzen, sich in Harmonie und gegenseitiger Ergänzung zu verbinden. Genau dies passiert bei dem Prozess des Erhalts der Tora.

Die Neigung des egoistischen Verlangens, korrigiert zu werden, ist kurz nach der Flucht aus Ägypten sehr schwach. Und aufgrund dessen ist eine schnellere Korrektur unmöglich. Dieses Verlangen versteht, dass es korrigiert werden muss, erkennt jedoch nicht, inwiefern es dem korrigierten Zustand entgegengesetzt ist, weil noch keine gegenseitige Integration besteht.

Solange wir unter der Macht des Pharaos, des Egoismus sind, fühlen wir nicht, dass wir seine Sklaven sind. Unser Exodus geschieht durch eine äußere Kraft, die uns von dort herauszieht und uns zeigt, dass sich dies lohnt. Allerdings wird das Verlangen nicht von dieser Kraft korrigiert.

Wir sehen, was uns passiert: Jeden Tag entscheiden wir, endlich aus unserem Egoismus auszubrechen und an die Gruppe zu denken, sodass unsere Sorge nicht für uns selber auf einer persönlichen Ebene bleibt, sondern sich an alle richtet. Doch es gelingt uns nicht.

Wir bemühen uns immer mehr, und trotzdem finden immer wieder kleine Brüche statt. Dies geschieht als Folge mehrerer Zerstörungen und Korrekturen, die bereits in unseren Wurzeln stattfanden.

Die Tora erzählt uns von der Vorbereitung auf die Korrektur. Der Weg von sechstausend Jahren, den die Menschen durchliefen, war nur Vorbereitung. Die Korrektur wird erst am Ende erreicht, am Tag des absoluten Lichts. All diese Vorbereitungszustände wurden ebenfalls als Materie realisiert: Die Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels, sowie die Kriege innerhalb der israelischen Nation. Dies sind die Verkörperungen spiritueller Stufen.

Nach der vollständigen Integration, die auf Kosten vieler Kriege erreicht wurde, werden die Scherben des Willens zu genießen und des Willens zu geben vollständig ineinander integriert, und fallen sogar noch tiefer, bis zum tiefsten Grund. Nach vier notwendigen Exilen und drei Erlösungen erreichen wir das Ende des letzten Exils und den Beginn der endgültigen Erlösung.

Wenn man diesen Prozess betrachtet, ist es offensichtlich, dass die Tora nicht auf einmal empfangen werden kann. Und dies wird durch den Tag des 17. von Tammuz, dem Zerbrechen der ersten Tafeln angezeigt. Erst nach dem Bruch und der gegenseitigen Integration von spirituellen und materiellen Wünschen ist es möglich aufzusteigen, um eine andere Form zu erreichen.

Die erste Tora war „unkorrekt“. Das war notwendig, nur damit die Tafeln zerbrochen und korrigiert werden konnten. Die zweite Tora war korrigiert und in der Lage, die Integration der Wünsche zu geben und zu empfangen, zu regeln. Dies ist ein einzigartiger Prozess, der bezeugt, wie entgegengesetzt unsere Qualitäten von denen der oberen Kraft sind.

Wir sollten eine ausgewogene Haltung zu diesen Tagen haben und sie nicht nur als Tage der Trauer und des Bruchs sehen, sondern als etwas Unvermeidliches, was wir durchmachen müssen. Die ganze Welt wird diese Zerstörung in der einen oder anderen Form durchmachen müssen. Wenn wir aber wissen, weshalb und für welchen Zweck wir dies tun, werden wir durch den Weg von Achishena (Beschleunigung) als Menschen alles durchmachen können.

 

Aus dem 1. Teil des täglichen Kabbala Unterrichts 7/11/17

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Der Kampf um Unabhängigkeit vom Egoismus

ravWir müssen verstehen, was Unabhängigkeit für Israel bedeutet, weil es sich radikal von dem unterscheidet, was die Unabhängigkeit auf anderen Ebenen ist: der unbelebten, vegetativen, belebten und sogar der Ebene unter anderen Nationen der Welt.

Letztendlich muss die gesamte Menschheit die Unabhängigkeit im Verständnis Israels erreichen, weil diese Gruppe das Programm der Korrektur für die ganze Welt vornimmt, sowohl auf der vorbereitenden als auch auf der praktischen Stufe.

Daher sollte die Unabhängigkeit für diese Gruppe als der zukünftige Zustand der Unabhängigkeit für die ganze Welt angesehen werden. Und heute spürt man es besonders, wie sehr die Welt dieses braucht. Um zu verstehen, was Unabhängigkeit bedeutet, brauchen wir zuerst die Erfahrung, was es heißt, ein Sklave unseres eigenen Wunsches nach Genuss zu sein. Nach und nach wird den Menschen bewusst, dass uns unsere egoistische Natur in der Knechtschaft hält und uns gnadenlos benutzt und davon abhält, zu leben oder zu sterben. Als erbärmlich zerschlagene Kreaturen verbringen wir uns ganzes Leben und versuchen einfach, Leiden zu vermeiden. Kleine Freuden werden als glückliches Leben angesehen.

Darum müssen wir verstehen, dass Unabhängigkeit in erster Linie die Unabhängigkeit von unserer Natur, unserem Egoismus, bedeutet. Dieser Typ Unabhängigkeit hat Stufen. Anstatt unter der Kontrolle des Egoismus zu sein, müssen wir unter die Kontrolle einer neuen Kraft kommen, weil es unmöglich ist, ohne eine animierende Kraft zu sein, mit der man sein Leben kontrolliert. Aber wir müssen diese Kraft selbst wählen und sie vor allen anderen Möglichkeiten vorziehen.

So hat die Unabhängigkeit eine sehr breite und erhabene Bedeutung, in sich alle Realität einschließend.  Letzten Endes ist die Unabhängigkeit nur dem Schöpfer innewohnend, und wenn wir wirklich Unabhängigkeit erreichen wollen, dann müssen wir zu Seinem Zustand, Seinem Niveau, Seiner Natur aufsteigen. Diese Art Unabhängigkeit ist nicht leicht zu erreichen. Schließlich müssen wir nicht nur zur Natur des Gebens übergehen, sondern sie auch über unserer egoistischen Natur aufbauen.

Deshalb müssen wir, wenn wir die Unabhängigkeit erreichen wollen, zu einem unaufhörlichen Kampf mit unserem Egoismus bereit sein bis zum Ende der Korrektur. Wir können unsere Unabhängigkeit nur im Gegensatz zum Egoismus erreichen, weil einer dem anderen gegenüber steht: Unabhängigkeit gegen Sklaverei. Egal, welchen Zustand eine Person erlebt, es muss sich so anfühlen wie der Auszug aus Ägypten oder vor dem Auszug stehend.

Wir müssen das sehr ernst nehmen, denn, wenn wir geistig wachsen wollen, wird es erhebliche Kämpfe in uns gegen die Kräfte der Trennung geben, wie unser Egoismus offenbart wird. Diese Kräfte werden konstant wachsen und auf verschiedenen Wegen einen Keil zwischen uns treiben, um Konflikte zwischen uns hervorzurufen. Und über all diese Phänomene hinaus werden wir uns vereinen müssen.

In erster Linie müssen wir verstehen, dass das Einzige, was uns an der Unabhängigkeit hindert, die Sklaverei ist. Daher ist es unmöglich, Freiheit zu erlangen, ohne vorher Ägypten betreten zu haben. Vor diesem Dilemma steht Israel, die der ganzen Menschheit das Beispiel der Unabhängigkeit, der Einheit und der Korrektur wird zeigen müssen. Und danach werden alle Nationen das gleiche erreichen.

Daher feiern wir den Unabhängigkeitstag noch nicht, sondern vielmehr die Gelegenheit, sie zu erreichen!

 

Aus der Lektion: „Unabhängigkeitstag“

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Lag ba-Omer – Feiertag der Kabbalisten

Lag ba-Omer ist in erster Linie ein kabbalistischer Feiertag, ein Feiertag des Lichtes. Lag ba-Omer bedeutet 33. Tag (lamed-gimel) nach Pessach, d.h. nach dem Auszug aus dem egoistischen Wunsch, zum Geben um zu  Geben, zu den gebenden Wünschen. Deswegen beginnt danach die Periode der Säuberung der Wünsche: 33 Tage von Pessach bis Lag ba-Omer und von da bis zu Shawuot. In diesen 50 Tagen beenden wir alle Korrekturen und sind für den Empfang der Tora bereit, d.h. des Lichtes, das die Wünsche zu empfangen korrigiert um zu geben.

Bis zum Tag Lag ba-Omer werden wir noch nicht als die angesehen, die vollständig aus Ägypten ausgezogen sind. Denn wir müssen die Wünsche mit den ägyptischen (egoistischen) Eigenschaften korrigieren. Aber am 33.Tag werden die Korrekturen  erreicht, und uns bleibt nur, den unteren Teil der Stufe, die empfangenden Wünsche, zu korrigieren. Deswegen können wir dann sicher sein, dass wir zweifellos zum Empfang der Tora kommen. Ab dem Tag Lag ba-Omer beginnt das Licht der Gabe der Tora bereits zu leuchten, wenn auch zunächst aus der Entfernung.

Deswegen ist der Tag Lag ba-Omer aus Sicht der Korrektur so wichtig. Vor dem Lag ba-Omer korrigieren und vollenden wir immer noch den Auszug aus Ägypten, und nach diesem Tag beginnen wir, uns für den Empfang der Tora in Shawuot vorzubereiten. Daraus folgt, dass Lag ba-Omer ein ganz besonderer „Tag“ ist, das heißt, ein Zustand, den ein Mensch auf dem Weg zur Korrektur durchläuft.

Der Auszug aus Ägypten passiert unter dem Einfluss des Höheren Lichts, dem großen Licht Chochma, das sich dank dem Erwachen des Menschen offenbart. Als Ergebnis erhebt er (der Mensch) sich über seinen Egoismus und trennt sich von ihm. Allerdings passiert das alles dank dem Licht, das von oben kommt. Die Wünsche bleiben noch egoistisch, aber das Licht ermöglicht es jenen, sich über den Egoismus zu erheben und geben zu wollen. Das alles ist nur dank dem Höheren Licht möglich, das uns wie ein Magnet zusammenhält.

Und jetzt muss man diese Korrektur realisieren, damit sie sich in allen unseren Wünschen ausdrückt. Insgesamt muss man in 50 Tagen von Pessach bis Shawuot 49 Sefirot korrigieren, aber wenn 33 Sefirot schon korrigiert sind, braucht man nicht mehr daran zweifeln, dass wir unsere Korrektur vollenden werden. Danach wird uns nichts mehr aufhalten.

Es ist bekannt, dass vierundzwanzigtausend Schüler von Rabbi Akiva an einem Tag an einer Epidemie gestorben sind. In ihnen ist so ein großer Egoismus zum Vorschein gekommen, dass sie anstelle der Liebe zum Nächsten, was der Lehrer geboten hat, in einen grundlosen Hass gefallen sind. Und deswegen konnten sie das Licht der Korrektur, das sich in diesen Tagen offenbaren sollte, nicht aushalten und sind gestorben. Nur an dem Tag Lag ba-Omer wurde die Epidemie beendet und die Schüler starben nicht mehr.

Von allen Schülern Rabbi Akivas ist nur eine kleine Gruppe unter der Leitung von Rabbi Shimon übrig geblieben. In dieser Gruppe waren zehn Menschen, die sich wie zehn Sefirot verbinden konnten und dank dieser Verbindung das Buch Sohar  geschrieben haben; das wichtigste kabbalistische Buch, ein Kommentar zum Pentateuch in der Tora.

Jedes Mal haben sie das Licht erhalten, das zur Quelle zurückführt, und sich mit seiner Hilfe korrigiert und ihre Korrekturen und Offenbarungen haben sie aufgeschrieben. Das bedeutet Kommentar zur Tora. Das eigentliche Licht zu beschreiben ist unmöglich. Aber wenn es die Wünsche beleuchtet, die nach Einheit streben, dann offenbart es neue Formen der Vereinigung. Und auf diese Weise offenbart es sich, das bedeutet – die Tora offenbart sich.

Es gibt eine Verbindung zwischen der spirituellen Wurzel und den materiellen Festen, und deswegen gibt es in unserer Welt Tage, da erscheint ein stärkeres, allgemeines Licht.

Deswegen muss man diese besondere Zeit des Feiertages Lag ba-Omer nutzen und mit allen Kräften versuchen, die Verbindung zu erreichen. Denn das ist der günstigste Moment dafür – alle Bedingungen sind auf die Korrektur ausgerichtet. Die Gruppe von Rabbi Shimon hat zu ihrer Zeit die Korrektur der zehn Sefirot geschafft. Aber jetzt muss die ganze Menschheit diese zehn Sefirot erreichen und dann offenbart auch sie diese Wünsche und die Lichter, den  gleichen Zustand. Die Tatsache, dass sich das Buch Sohar nach mehreren Jahrhunderten der Verborgenheit offenbarte, spricht dafür, dass unsere Wünsche schon für die Endkorrektur bereit sind, das wir in der Generation Mashiach leben.

Rabbi Shimon ist am Tag des Lag ba-Omer gestorben. Aber der Abgang des Gerechten aus dieser Welt ist kein Trauertag, sondern ein Feiertag, weil es dem Guten in der Welt dient, weil die Seele des Heiligen auf eine noch höhere Stufe aufstiegen ist, die wir nicht einmal erahnen können.

Lag ba-Omer ist ein Feiertag der Kabbalisten, ein Feiertag des Höheren Lichtes, das kommt und das sich in den Seelen der Menschen verwirklichen muss. Das ist nämlich das Licht, das in den vierundzwanzigtausend Schülern von Rabbi Akiva dank deren Verbindung existierte. Und dann, als sie ihren Egoismus nicht überwinden konnten und spirituell gestorben sind, verschwanden sie. Wie die Geschichte erzählt, starben sie deswegen auch physisch, an einer Epidemie. Dieses ganze Licht hat die Gruppe von Rabbi Shimon unter sich offenbart, sie ist auf 125 Stufen der spirituellen Leiter aufgestiegen, hat darüber in dem Buch Sohar geschrieben und das Buch bis zu unseren Tagen verborgen.

In unserer Zeit hat sich das Buch Sohar offenbart und mit dem Kommentar von Baal HaSulam wurde es unter dem Namen „Sulam“ (Leiter) vervollständigt. Dank dieser Ergänzungen können wir uns nach und nach dem Buch Sohar annähern und es offenbaren, bis wir alle 125 Stufen bis zur vollkommenen Korrektur erreichen.  

Aus dem Unterricht zum Thema „Feiertag Lag ba-Omer“, 14.05.2017

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Was feiern wir zu Pessach eigentlich?

Frage: Wer sind die Ägypter und das Volk Israel im Bezug auf die spirituelle Arbeit?

Antwort: Die Tora spricht über einen Mensch, wie über einen Gegenstand, der die gesamte Welt in sich einschließt. Alles befindet sich im Mensch. Der Ägypter in uns symbolisiert egoistische Kräfte; das Volk Israel die altruistische Kräfte oder Kräfte, die altruistisch sein wollen, jedoch unter der Herrschaft der Ägypter stehen (Egoismus). Der Pharao repräsentiert das gesamte Ego, in dem wir existieren. Der Schöpfer stellt die höhere Kraft dar, die den Pharao, Moses und alle anderen kontrolliert. Seine Aufgabe ist es, die ganze Schöpfung in Entsprechung zu Ihm zu bringen, zum Altruismus. Dazu müssen wir den Egoismus als böse sehen und daraus austreten.

Moses ist eine Kraft, die innerhalb des Menschen einen Teil des Schöpfers darstellt, welche ihn zur Enthüllung und Erlangung der höheren spirituellen Eigenschaften zieht. Aus den Zuständen zwischen Egoismus und Altruismus ergeben sich Handlungen, die dem Menschen zeigen, welcher Seite er gerade mehr zugeneigt ist oder mit welcher Seite er sich gerade mehr verbinden will – dem Schöpfer oder dem Pharao.

Auf diesem Weg sortiert er seine Verlangen und als Resultat seiner Arbeit versteht er, was ihn tatsächlich antreibt. Er merkt, dass er sich völlig unter der Kontrolle des Pharaos befindet. Wo immer er sich auch hinwendet, entdeckt er den Pharao in sich. Er meint, dass er bereits für das Geben und für die Liebe zu anderen arbeitet, dass er über allen weltlichen Verlangen steht, in Wahrheit jedoch will er noch immer alles nur zum eigenen Vorteil empfangen.

Am Ende ist er nicht nur verzweifelt sondern auch davon überzeugt, dass der Pharao ihn zu 100% einnimmt. Zur gleichen Zeit taucht in ihm ein bestimmter Punkt auf, genannt Moses, der dem Pharao in ihm widerstehen kann. Moses beginnt den Kampf mit dem Pharao, der durch die zehn Plagen von Ägypten dem Untergang geweiht ist, um das Ego zu überwinden. Auf diesem Weg beginnt ein Mensch zu verstehen, dass er sich vom Ego befreien kann. Wie? Das ist noch nicht klar. Er tritt mit diesem Gefühl in die Dunkelheit ein, in der er einerseits nicht sehen und verstehen kann, wie sich die Erlösung vollzieht, andererseits hat er ein leidenschaftliches Verlangen danach. Diese Nacht wird als die Nacht des Auszuges aus Ägypten bezeichnet und das feiern wir an Pessach.

(181815)

Versklavung durch den Pharaoh

Baal HaSulams „Kommentar zur Pessach Haggada“ (Aus dem Artikel „Dies ist für Juda“): „Dieses Brot, das unsere Väter im Lande Ägypten aßen“ (Die Pessach-Haggada): …daraus folgt, dass ihnen die Mizwa, eine Matza zu essen, gegeben wurde, als sie noch versklavt waren und der Zweck der Mizwa war für die Zeit der Erlösung, weil sie dann in Eile weggingen.

Dies geschieht immer, wenn wir die gegenwärtige Stufe verlassen und von einem Zustand in den nächsten überwechseln: versklavt in Ägypten, beherrscht durch unser Ego, dem Pharao, unserem störrischen „bösen Trieb“, der uns gefangen hält und uns davon abhält, uns über unseren Neid, unseren Hass, unsere Lust und Begierde zu erheben.

Wie sehr wir es auch versuchen mögen, können wir uns noch nicht über diese egoistischen Eigenschaften erheben und fesseln uns selbst, was der Stufe, die dem Exodus aus Ägypten vorausgeht, entspricht. Wir sind noch immer nicht fähig, zu „einem Mann mit einem Herzen“ zu werden und die Bürgschaft einzuhalten, so dass die integrale Kraft der Liebe und des Gebens, die wir als Schöpfer bezeichnen, enthüllt wird.

Während wir also noch immer durch den Pharao versklavt sind, müssen wir uns den nächsten Zustand vorstellen und damit spielen, wie Kinder, die erwachsen sein spielen. So müssen wir versuchen, das Leben eines „spirituell Erwachsenen“ spielen.

Aus dem 1. Teil des Täglichen Unterrichtes, 18.04.2011, „Dies ist für Juda“

Pessach

Pessach bedeutet den Übergang aus der Wahrnehmung unserer Welt, die jedem Menschen unserer Welt eigen ist, in die Wahrnehmung der höheren Welt. Das ist nur dem Kabbalisten möglich. Pessach ist wie alle jüdischen Feiertage ein kabbalistischer Feiertag. Er besagt, dass der Mensch vom Zustand der Unmöglichkeit, sich mit anderen zu verbinden, zum Zustand gelangt, wo er seinen Egoismus überwindet und es tun kann. Der Auszug des Menschen aus der Macht des Egoismus hin zur Verbindung mit ihm geistig nahestehenden Menschen heißt „Pessach“.

Frage: Wie kann er diesen Sprung zu schaffen?

Antwort: Durch das Verlangen. Weil vom Einzug in Ägypten bis zum Auszug sich das riesige egoistische Verlangen ständig entwickelt, welches dem Volk Israel nicht erlaubt, sich miteinander zu verbinden.

Das Volk Israel muss sich verbinden, damit es durch die Verbindung den Schöpfer offenbaren kann – die Eigenschaft des Gebens und der Liebe. Sobald Israel sieht, dass es sich nicht verbinden kann, fühlt es sich in der ägyptischen Finsternis. Doch nun ist das Volk bereit für alles, um da raus zu kommen! Das heißt „Auszug aus Ägypten“ oder die „Errettung aus Ägypten“.

Wenn wir das von der Seite der Ereignisse betrachten, die dem Menschen geschehen – weil in der Kabbalah wird normalerweise genau darüber gesprochen – dann sprechen wir hier vom Besitz des Menschen. Ein Mensch ist zu allem bereit, selbst dazu, ins Meer zu springen, nur um sich von seinem Ego zu befreien, sich darüber zu erheben, und die Eigenschaft des Schöpfers zu erreichen – das Geben und die Liebe.

Er stürzt sich ins Meer und das Meer teilt sich vor ihm. Er durchquert es, schneidet sich selbst von seinem Ego ab und indem er über dem Ego steht, beginnt er, damit zu arbeiten und den Egoismus in Altruismus umzuwandeln. Das ist der Auszug aus Ägypten, welchen wir zu Pessach feiern. 

Aus dem TV Programm „Neues mit M. Laitman“ 11.04.2016

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Purim ist nicht das jüdische Halloween

Purim ist ein großartiges Fest: erst die große Furcht vor der Vernichtung, und dann die Riesenfreude nach der Erlösung, die zum Schluß erfolgt. Dieses Fest wird außergewöhnlich groß gefeiert, vor allem auch weil die Vorschriften des Feiertags uneingeschränkten Alkoholkonsum vorschreiben, damit man „nicht mehr zwischen dem bösen Haman und dem gerechten Mordechai unterscheiden“ kann.

Purim ist ein Fest der Symbole. Seine Hauptbotschaft liegt darin, dass selbst der Inbegriff des Guten, Mordechai, dem schlimmen Übel, dargestellt von Haman, hilflos gegenübersteht. Einzig und allein die Einheit kann das Böse überwinden. Als Mordechai Esther anfleht, den König um Gnade zu bitten, sagt selbst sie, dass sie sie nicht retten kann, es sei denn, Mordechai versammelt alle Juden und sie fasten und beten für sie. Dann, wenn sie wieder vereint sind, bemüht sie sich nach Kräften und hat Erfolg.

Bemerkenswert sind auch die Kostüme, ein weiteres Symbol. Purim ist nicht die jüdische Version von Halloween. Die Verkleidungen deuten auf das Verbergen der Kräfte hin, die dieses Szenario innerhalb eines jeden von uns ausspielen.

In seinem Buch Shamati, Ich hörte, erklärt Rav Jehuda Ashlag, der Autor des Sulam (Leiter) Kommentars zum Buch Sohar, dass der König Gott darstellt; Esther, die jüdische Königin, stellt den korrigierten Wunsch, uns mit Gott zu vereinen, dar. Darum erscheint sie, nachdem Königin Waschti vom rechten Weg abkommt und der König sich von ihr scheiden lässt.

Sie wird Esther (Ester, Hebr.) genannt, vom hebräischen Wort Hastarah her, Verhüllung, weil ihre jüdische Identität noch verborgen ist. Sie wird erst enthüllt, wenn sie die Juden retten muss. Daher auch das Wort Megilla (Schriftrolle, Buch) vom hebräischen Wort Gilui (enthüllen). Darum wird der Handlungsablauf im Buch Esther als „verborgenes Wunder“ bezeichnet, um sprachlich darauf hinzuweisen, was für ein Wunder diese Offenbarung von Gottes Macht im Verborgenen ist.

Mordechai steht für die Eigenschaft von Barmherzigkeit. Er ist reine Güte und will nichts für sich selbst. Wenn zwei Diener den Mord des Königs planen und Mordechai ihn durch Esther warnt, belohnt der König ihn nicht sofort, und Mordechai will auch keine Belohnung oder Anerkennung dafür.

Gottes Plan, die Eigenschaft der Barmherzigkeit – Mordechai – als Herrscher des Königreichs (sprich, der Welt) einzusetzen, ist ein weiteres wichtiges Element, das in der Geschichte verborgen ist. Würde die Welt von der Barmherzigkeit, dargestellt von Mordechai, regiert, würden Menschen glücklicher sein, als wenn sie von der Boshaftigkeit, dargestellt durch Haman, regiert werden würden. Doch Mordechai hat nicht den Wunsch, zu regieren, da er nichts für sich selbst will, und ist ganz froh darüber, anonym zu bleiben.

Um Mordechai nun endlich zur Aufgabe des Herrschers zu zwingen, muss der König eine Bedrohung ins Spiel bringen, die groß genug wäre, um Mordechai zum Handeln zu bewegen: die drohende Vernichtung, die nicht nur Mordechai, sondern auch das gesamte Volk betreffen würde. Diese Bedrohung personifiziert Haman, der das Gegenteil von Barmherigkeit darstellt, nämlich den rücksichtslosen Wunsch, zu verbrauchen, zu besitzen, und ohne Rücksicht auf Andere zu genießen. Kurz gesagt, Haman ist reiner Egoismus.

Hamans Vorwand dafür, die Juden umzubringen, besteht darin, dass diese nicht vereint sind: „Es gibt ein gewisses Volk, verstreut und abgesondert“. Die Juden wurden zu einem Volk, als sie versprachen, „wie ein Mensch mit einem Herzen“ vereint zu sein. Haman beschuldigt sie, sich „nicht an die Gesetze des Königs zu halten“, was vollkommen Sinn macht, weil das Gesetz ihrer Gründung als Nation von ihnen Einheit verlangt. Wenn sie verstreut sind, dann halten sie sich nicht an dieses Gesetz. Wenn dieser Zustand eintrifft, werden sie überflüssig, und Haman sagt dem König, dass dieser sie loswerden soll.

Die Juden waren in Schrecken versetzt. Weder hatten sie eine Vorstellung, wie sie sich retten sollten, noch wussten sie, was sie verkehrt gemacht hatten, um den Tod zu verdienen. Dann kommt Mordechai und versammelt sie im Gebet um Esthers Erfolg, und sie folgen ihm. Dadurch vereinen sie sich wieder und werden erneut zu einer Nation, genau wie damals am Fuß von Berg Sinai.

Das macht den Vorwand von Haman ungültig, da sie nicht länger „verstreut“ sind, und somit auch nicht mehr gegen das Gesetz des Königs verstoßen. Auf selbstverständliche Weise wird an dieser Stelle das Urteil wiederrufen.

Die Charaktere in diesem Stück erzählen uns über die verborgenen Kräfte, die in uns als Individuen und zwischen uns Menschen wirken. Sie sind immer vorhanden und tragen unsere spirituelle Entwicklung. So wie sie damals Haman ins Leben riefen, so bringen sie immer wieder neue Hamans zutage. Heutzutage gibt es etliche von ihnen in jedem Land und heute wie damals besteht das Gegenmittel in der Vereinigung. Wenn wir uns vereinen, sind wir gerettet; vergessen wird dies, werden wir bedroht und sogar vernichtet.

Dies führt uns nun zu der großen Freude an Purim, wo uns befohlen wird, Alkohol zu trinken, bis wir nicht mehr in der Lage sind, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Denn wenn wir uns vereinen, verbreiten wir diese Einigkeit im gesamten Königreich, womit die gesamte Schöpfung gemeint ist. Indem wir uns vereinen, werden wir zum Licht für die Völker, und verbreiten das Licht der Vereinigung.

Wenn alle Menschen sich vereinen, dann muss man nicht mehr auf der Hut sein oder einander misstrauen, da dann alle Menschen Eins sind. In diesem Zustand wird es sogar überflüssig, zwischen Haman und Mordechai zu unterscheiden, und die Betrunkenheit ist das Symbol dafür.

Die Hamantaschen oder Hamentaschen (Jiddisch für Hamans Taschen) stellen die Korrektur der egoistischen Wünsche da, die stattfindet, sobald sich alle Menschen vereint haben. Aus diesem Grund sind sie auch süß gefüllt: das symbolisiert die Freude der Einheit in nicht selbstbezogenen Wünschen.

Zum Schluss: Purim lehrt uns, dass alles Leid als Folge unserer Uneinigkeit kommt. Wenn wir uns nicht vereinen, werden wir verfolgt, so wie im Exil von Babylon, während all der Verfolgungen, die wir in der gesamten Geschichte erlitten, und die wir auch heutzutage wieder fühlen. Mit Einigkeit sind wir jedoch heil und gesund und beschwipst. Also: Wenn alles schief geht, vereinigt euch!

Huffington Post, 2015

Megilat Esther

Der folgende Abschnitt ist ein Auszug des Artikels von Rabash über den Feiertag von Purim, „Verhüllung und Enthüllung”:

„Dunkelheit ist das babylonische Exil, in welches sich das Volk Israel selbst gebracht hat, da der Schöpfer (Seir Anpin) schlief. Der Sünder Haman, welcher ein großer Sterndeuter war, warf das Los (Pur), um das Schicksal zu bestimmen. Haman und seine zehn Söhne sind die zehn Klipot (unreinen Kräfte), da er wusste, dass der Schöpfer schlief und somit Seine Höhere Lenkung das Volk Israel (all jene, die zum Schöpfer streben) nicht beschützte. Daher dachte Haman, dass nun die Zeit gekommen sei, um das Volk Israel zu vernichten.

Haman ist unser ganzer Wille zu empfangen, welcher im Gegensatz zum gesamten Licht von Chochma steht. Er weiß, dass das Licht sich offenbaren wird, aber was er nicht weiß, ist, dass dies nur in der mittleren Linie geschehen kann und später sogar wieder zurückgenommen wird, wenn der Übergang in den Zustand der ersten Einschränkung (Zimzum Alef) geschieht. Malchut vereinigt sich mit Seir Anpin in der mittleren Linie und sie steigen zu Bina auf, wo sie den Zustand der Endkorrektur erreichen.

Die Vernichtung des Volkes Israel bedeutet die Vernichtung der Absicht „um zu geben”, welche den Menschen daran hindert, das Licht von Chochma auf egoistische Weise zu empfangen. Mordechai ist die Absicht des Gebens, aber wenn er alleine handelt, ohne die Verlangen von Haman, so ist dies nur Geben in der Absicht um zu geben. Das heißt, dass er das Licht von Chochma zurückweist, damit dieses sich nicht enthüllt.

In anderen Worten, wenn der Mensch nicht in der mittleren Linie arbeitet, dann werden auch seine besten Handlungen des Gebens seinen Weg der Entwicklung nur blockieren. Daher braucht Mordechai die Verbindung mit Haman. Wenn sie beginnen, miteinander zu streiten (ein Streit zwischen der Absicht des Gebens und dem egoistischen Verlangen), fangen sie an zu verstehen, in welchem Ausmaß sie fähig oder nicht fähig sind, sich zu verbinden.

Die Absicht des Gebens macht es möglich, die Verlangen Hamans zu benutzen. Dennoch werden diese tatsächlichen Verlangen nicht erfüllt werden und das führt dazu, dass ein Konflikt zwischen Mordechai und Haman auftritt. Die Geschichte beschreibt, wie ein Mensch die richtige Einheit zwischen zwei streitenden Kräften oder zwei gegensätzlichen Absichten erschaffen kann. Sie beschreibt auch die Schlachten, Verwirrungen und Zweifel, welche uns auf dem Weg der Korrektur erwarten, bis wir die richtige Methode finden.

Dies ist es, worüber in „Megillat Ester” (die Rolle der Esther) erzählt wird.