Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Purim ist nicht das jüdische Halloween

Purim ist ein großartiges Fest: erst die große Furcht vor der Vernichtung, und dann die Riesenfreude nach der Erlösung, die zum Schluß erfolgt. Dieses Fest wird außergewöhnlich groß gefeiert, vor allem auch weil die Vorschriften des Feiertags uneingeschränkten Alkoholkonsum vorschreiben, damit man „nicht mehr zwischen dem bösen Haman und dem gerechten Mordechai unterscheiden“ kann.

Purim ist ein Fest der Symbole. Seine Hauptbotschaft liegt darin, dass selbst der Inbegriff des Guten, Mordechai, dem schlimmen Übel, dargestellt von Haman, hilflos gegenübersteht. Einzig und allein die Einheit kann das Böse überwinden. Als Mordechai Esther anfleht, den König um Gnade zu bitten, sagt selbst sie, dass sie sie nicht retten kann, es sei denn, Mordechai versammelt alle Juden und sie fasten und beten für sie. Dann, wenn sie wieder vereint sind, bemüht sie sich nach Kräften und hat Erfolg.

Bemerkenswert sind auch die Kostüme, ein weiteres Symbol. Purim ist nicht die jüdische Version von Halloween. Die Verkleidungen deuten auf das Verbergen der Kräfte hin, die dieses Szenario innerhalb eines jeden von uns ausspielen.

In seinem Buch Shamati, Ich hörte, erklärt Rav Jehuda Ashlag, der Autor des Sulam (Leiter) Kommentars zum Buch Sohar, dass der König Gott darstellt; Esther, die jüdische Königin, stellt den korrigierten Wunsch, uns mit Gott zu vereinen, dar. Darum erscheint sie, nachdem Königin Waschti vom rechten Weg abkommt und der König sich von ihr scheiden lässt.

Sie wird Esther (Ester, Hebr.) genannt, vom hebräischen Wort Hastarah her, Verhüllung, weil ihre jüdische Identität noch verborgen ist. Sie wird erst enthüllt, wenn sie die Juden retten muss. Daher auch das Wort Megilla (Schriftrolle, Buch) vom hebräischen Wort Gilui (enthüllen). Darum wird der Handlungsablauf im Buch Esther als „verborgenes Wunder“ bezeichnet, um sprachlich darauf hinzuweisen, was für ein Wunder diese Offenbarung von Gottes Macht im Verborgenen ist.

Mordechai steht für die Eigenschaft von Barmherzigkeit. Er ist reine Güte und will nichts für sich selbst. Wenn zwei Diener den Mord des Königs planen und Mordechai ihn durch Esther warnt, belohnt der König ihn nicht sofort, und Mordechai will auch keine Belohnung oder Anerkennung dafür.

Gottes Plan, die Eigenschaft der Barmherzigkeit – Mordechai – als Herrscher des Königreichs (sprich, der Welt) einzusetzen, ist ein weiteres wichtiges Element, das in der Geschichte verborgen ist. Würde die Welt von der Barmherzigkeit, dargestellt von Mordechai, regiert, würden Menschen glücklicher sein, als wenn sie von der Boshaftigkeit, dargestellt durch Haman, regiert werden würden. Doch Mordechai hat nicht den Wunsch, zu regieren, da er nichts für sich selbst will, und ist ganz froh darüber, anonym zu bleiben.

Um Mordechai nun endlich zur Aufgabe des Herrschers zu zwingen, muss der König eine Bedrohung ins Spiel bringen, die groß genug wäre, um Mordechai zum Handeln zu bewegen: die drohende Vernichtung, die nicht nur Mordechai, sondern auch das gesamte Volk betreffen würde. Diese Bedrohung personifiziert Haman, der das Gegenteil von Barmherigkeit darstellt, nämlich den rücksichtslosen Wunsch, zu verbrauchen, zu besitzen, und ohne Rücksicht auf Andere zu genießen. Kurz gesagt, Haman ist reiner Egoismus.

Hamans Vorwand dafür, die Juden umzubringen, besteht darin, dass diese nicht vereint sind: „Es gibt ein gewisses Volk, verstreut und abgesondert“. Die Juden wurden zu einem Volk, als sie versprachen, „wie ein Mensch mit einem Herzen“ vereint zu sein. Haman beschuldigt sie, sich „nicht an die Gesetze des Königs zu halten“, was vollkommen Sinn macht, weil das Gesetz ihrer Gründung als Nation von ihnen Einheit verlangt. Wenn sie verstreut sind, dann halten sie sich nicht an dieses Gesetz. Wenn dieser Zustand eintrifft, werden sie überflüssig, und Haman sagt dem König, dass dieser sie loswerden soll.

Die Juden waren in Schrecken versetzt. Weder hatten sie eine Vorstellung, wie sie sich retten sollten, noch wussten sie, was sie verkehrt gemacht hatten, um den Tod zu verdienen. Dann kommt Mordechai und versammelt sie im Gebet um Esthers Erfolg, und sie folgen ihm. Dadurch vereinen sie sich wieder und werden erneut zu einer Nation, genau wie damals am Fuß von Berg Sinai.

Das macht den Vorwand von Haman ungültig, da sie nicht länger „verstreut“ sind, und somit auch nicht mehr gegen das Gesetz des Königs verstoßen. Auf selbstverständliche Weise wird an dieser Stelle das Urteil wiederrufen.

Die Charaktere in diesem Stück erzählen uns über die verborgenen Kräfte, die in uns als Individuen und zwischen uns Menschen wirken. Sie sind immer vorhanden und tragen unsere spirituelle Entwicklung. So wie sie damals Haman ins Leben riefen, so bringen sie immer wieder neue Hamans zutage. Heutzutage gibt es etliche von ihnen in jedem Land und heute wie damals besteht das Gegenmittel in der Vereinigung. Wenn wir uns vereinen, sind wir gerettet; vergessen wird dies, werden wir bedroht und sogar vernichtet.

Dies führt uns nun zu der großen Freude an Purim, wo uns befohlen wird, Alkohol zu trinken, bis wir nicht mehr in der Lage sind, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Denn wenn wir uns vereinen, verbreiten wir diese Einigkeit im gesamten Königreich, womit die gesamte Schöpfung gemeint ist. Indem wir uns vereinen, werden wir zum Licht für die Völker, und verbreiten das Licht der Vereinigung.

Wenn alle Menschen sich vereinen, dann muss man nicht mehr auf der Hut sein oder einander misstrauen, da dann alle Menschen Eins sind. In diesem Zustand wird es sogar überflüssig, zwischen Haman und Mordechai zu unterscheiden, und die Betrunkenheit ist das Symbol dafür.

Die Hamantaschen oder Hamentaschen (Jiddisch für Hamans Taschen) stellen die Korrektur der egoistischen Wünsche da, die stattfindet, sobald sich alle Menschen vereint haben. Aus diesem Grund sind sie auch süß gefüllt: das symbolisiert die Freude der Einheit in nicht selbstbezogenen Wünschen.

Zum Schluss: Purim lehrt uns, dass alles Leid als Folge unserer Uneinigkeit kommt. Wenn wir uns nicht vereinen, werden wir verfolgt, so wie im Exil von Babylon, während all der Verfolgungen, die wir in der gesamten Geschichte erlitten, und die wir auch heutzutage wieder fühlen. Mit Einigkeit sind wir jedoch heil und gesund und beschwipst. Also: Wenn alles schief geht, vereinigt euch!

Huffington Post, 2015

Megilat Esther

Der folgende Abschnitt ist ein Auszug des Artikels von Rabash über den Feiertag von Purim, „Verhüllung und Enthüllung”:

„Dunkelheit ist das babylonische Exil, in welches sich das Volk Israel selbst gebracht hat, da der Schöpfer (Seir Anpin) schlief. Der Sünder Haman, welcher ein großer Sterndeuter war, warf das Los (Pur), um das Schicksal zu bestimmen. Haman und seine zehn Söhne sind die zehn Klipot (unreinen Kräfte), da er wusste, dass der Schöpfer schlief und somit Seine Höhere Lenkung das Volk Israel (all jene, die zum Schöpfer streben) nicht beschützte. Daher dachte Haman, dass nun die Zeit gekommen sei, um das Volk Israel zu vernichten.

Haman ist unser ganzer Wille zu empfangen, welcher im Gegensatz zum gesamten Licht von Chochma steht. Er weiß, dass das Licht sich offenbaren wird, aber was er nicht weiß, ist, dass dies nur in der mittleren Linie geschehen kann und später sogar wieder zurückgenommen wird, wenn der Übergang in den Zustand der ersten Einschränkung (Zimzum Alef) geschieht. Malchut vereinigt sich mit Seir Anpin in der mittleren Linie und sie steigen zu Bina auf, wo sie den Zustand der Endkorrektur erreichen.

Die Vernichtung des Volkes Israel bedeutet die Vernichtung der Absicht „um zu geben”, welche den Menschen daran hindert, das Licht von Chochma auf egoistische Weise zu empfangen. Mordechai ist die Absicht des Gebens, aber wenn er alleine handelt, ohne die Verlangen von Haman, so ist dies nur Geben in der Absicht um zu geben. Das heißt, dass er das Licht von Chochma zurückweist, damit dieses sich nicht enthüllt.

In anderen Worten, wenn der Mensch nicht in der mittleren Linie arbeitet, dann werden auch seine besten Handlungen des Gebens seinen Weg der Entwicklung nur blockieren. Daher braucht Mordechai die Verbindung mit Haman. Wenn sie beginnen, miteinander zu streiten (ein Streit zwischen der Absicht des Gebens und dem egoistischen Verlangen), fangen sie an zu verstehen, in welchem Ausmaß sie fähig oder nicht fähig sind, sich zu verbinden.

Die Absicht des Gebens macht es möglich, die Verlangen Hamans zu benutzen. Dennoch werden diese tatsächlichen Verlangen nicht erfüllt werden und das führt dazu, dass ein Konflikt zwischen Mordechai und Haman auftritt. Die Geschichte beschreibt, wie ein Mensch die richtige Einheit zwischen zwei streitenden Kräften oder zwei gegensätzlichen Absichten erschaffen kann. Sie beschreibt auch die Schlachten, Verwirrungen und Zweifel, welche uns auf dem Weg der Korrektur erwarten, bis wir die richtige Methode finden.

Dies ist es, worüber in „Megillat Ester” (die Rolle der Esther) erzählt wird.

Was überliefert uns die Tora?

Es ist unmöglich, den Text der Tora unmittelbar zu verstehen. Deshalb erschienen Religionen und all ihre Verdrehungen aus ihrem Missverständnis, und sie wollen uns weismachen, dass wir ihre Regeln in unserem körperlichen Leben erfüllen sollten.

Und die Tora sagt, dass die von Abraham gegründete Gruppe nach Ägypten aufbrach, d.h., sie fühlten nun einen größeren Egoismus.

Dann entschlossen sie sich, den Egoismus zu verlassen, darüber zu steigen, was der Exodus aus Ägypten genannt wird. Sie sind dazu bereit, sich untereinander zu verbinden, um sich über ihren Egoismus zu erheben, mit anderen Worten, sie akzeptieren die Bedingung der gegenseitigen Bürgschaft.

Um jedoch diese Bedingung zu erfüllen und dann den Egoismus zu korrigieren, indem man ihn in der Absicht des Gebens und der Liebe realisiert, brauchen wir noch die höhere Kraft namens Tora, was Licht bedeutet. Und sie bekommen sie. Das Licht sollte in ihre egoistischen Wünsche eintreten, und deshalb bauten sie zwangsläufig das Goldene Kalb.

Moses ist der Teil, der sie vereint, sie über den Berg Sinai erhebt, was Berg des Hasses bedeutet. Er teilte das Licht und es tritt in ihre Wünsche ein, die das Goldene Kalb genannt werden, er vermischt sie, und erhält die Mischung von sehr starken, gegenseitigen, egoistischen Wünschen, in denen das Höhere Licht existiert.

Nun können sie anfangen, mit dieser schrecklichen Mischung zu arbeiten, indem sie nach und nach die erforderlichen Teile aus ihr extrahieren und sie mit dem korrekten System verbinden.

Das geschieht, wenn Moses zum zweiten Mal mit den neuen Bundestafeln von Jom Kippur (dem Tag der Buße) vom Berg Sinai herunterkommt, zehn Tage nach Rosh HaShanah (Neujahr), das heißt, nach der Realisierung der inneren Erhebung und dem Auftreten vollkommen anderer Ziele, Gedanken und Kräfte für die Korrektur – die Existenz eines neuen Systems.

Mit anderen Worten, in zehn Tagen, d.h. in zehn Sefirot nach Keter, erreichen sie Malchut, und sie erlangen vollkommen das System, in dem sie existieren. Deshalb beurteilen sie sich an Jom Kippur selbst, sie verstehen, was sie tun müssen, und sie entscheiden, wie sie weiter leben möchten. Und die tatsächliche Korrektur beginnt nach dem Tag der Buße.

Die ersten Bundestafeln sind das unveränderliche Licht von Chochma, das stärkste Licht, welches schließlich alle Wünsche erfüllen muss und den Zustand der Welt der Unendlichkeit erreicht, unendliche Erfüllung. Sie symbolisieren Zimzum Alef (die erste Einschränkung).

Die zweiten Bundestafeln sind nach der Bedingung von Zimzum Bet (die zweite Einschränkung) gebaut, wenn wir uns vollständig, furchtlos, ohne Fehler zu machen, korrigieren können, weil das Höhere Licht nicht mit derselben Kraft wie beim ersten Mal zu uns kommt, und dann fühlen wir, welche Wünsche miteinander verbunden werden können und wie wir uns selbst richtig korrigieren.

Mit anderen Worten, die zweiten Tafeln symbolisieren den kleinen Zustand, währenddessen wir unsere Natur durch graduelle Handlungen korrigieren. Die ganze Wanderung durch die Wüste spricht genau über diesen Weg.

Aus KabTV’s “Geheimnisse des Ewigen Buches” 8/31/16

[200217]

Das Jahr der Veränderung

Einer meiner Beiträge aus huffingtonpost.de:

Jahr um Jahr versammelt sich der (für gewöhnlich erweiterte) Familienkreis am Rosh-HaShanah-Tisch, und ein lebendiges Geschwätz erfüllt die Luft. Doch oft rückt ein sehr jüdisches Narrativ in den Vordergrund, und das friedliche Geplauder wird zur Neckerei, die sich wiederum in den jüdischen Dauerfavoriten verwandelt: gegenseitige Schuldzuweisungen. Auch dieses Jahr war es nicht anders. Aber wie wäre es mit dem folgenden Vorsatz für das neue jüdische Jahr: Wenn wir uns schon streiten, dann doch wenigstens über ein wirklich heikles Thema: Einheit, und zwar die Einheit des jüdischen Volkes.

Was ist Einheit überhaupt und wer braucht sie? Einheit ist ein Gefühl der Zugehörigkeit und der gegenseitigen Fürsorge und Verantwortung. Es ist eine so innige Sorge für eine andere Person, dass ihre Verlangen zu den eigenen werden. Einheit ist, wie sich eine echte Familie anfühlt. Wer würde das nicht wollen?

Andererseits: warum sollten wir uns mit Menschen vereinen, die wir nicht mögen? Können wir nicht alles haben, was wir begehren, ohne uns mit Fremden zu vereinen? Materialistisch gesehen könnten wir vermutlich fast alles haben, was wir uns wünschen. Wenn uns allerdings materielle Güter glücklich machen würden, dann würde unsere wohlhabende westliche Gesellschaft nicht an Depression, Aggression, Realitätsflucht und Narzissmus leiden. Die fehlende Zutat zum Glück in unserem Leben ist die positive Vernetzung. Wenn wir Misstrauen, Entfremdung und Hass aus unserem Leben werfen und stattdessen Vertrauen, Nähe und Zusammenarbeit darin unterbringen würden, wären wir dann jemals unglücklich?

Wenn man tatsächlich zur Wurzel all unserer Probleme vordringt, erkennt man klar, dass die eigentliche Ursache des ganzen menschlichen Leids die menschliche Natur selbst ist. Heilen wir sie, werden wir alles geheilt haben.

Die (Ur)-Väter und Mütter wussten es als erstes

Abraham war der Erste, der erkannte, dass das Ego die Ursache all unserer Probleme ist. Der Midrash (Bereshit Rabba) erzählt uns, dass als Abraham erkannte, dass seine Landsleute egozentrisch wurden und sich voneinander entfremdeten, Sarah und er ihr Zelt für alle öffneten und Barmherzigkeit und Kameradschaft lehrten.

Nachdem Nimrod Abraham für die Verbreitung von dessen Ideen der Einheit aus Babylon vertrieben hatte, zog dieser mit seiner Gefolgschaft nach Kanaan, und auf dem Weg sammelte er diejenigen auf, die sich ebenfalls für diese Idee begeisterten. Dies war der Kern des Volkes Israel. Offenbar waren unsere Vorfahren ein einzigartiges Phänomen. Sie gründeten ein Volk, welches nicht auf einer gemeinsamen Kultur, Sprache oder biologischen Verwandtschaft, sondern auf dem gemeinsamen Grundgedanke beruhte, dass Einheit der Schlüssel zum Glück ist.

Nachdem wir aus Ägypten auszogen, brachte Moses unsere Einheit ein Stück weiter, und zwar als wir uns dazu verpflichteten, wie „ein Mensch mit einem Herzen“ zu sein. Erst als wir uns diesem Grundsatz verpflichteten, wurden wir „offiziell“ zu einem Volk.

Wie Abraham vor ihm, beabsichtigte Moses nicht, die Einheit ausschließlich für Juden zu wahren. RaMCHal schreibt (RaMCHALs Kommentar zur Tora), dass „Moses sich wünschte, die Korrektur der Welt zu jener Zeit zu vervollständigen, sein Ziel aber wegen der Verfehlungen, zu denen es auf dem Weg kam, nicht erreichte“.

Anstelle einer vollkommenen Korrektur hinterließ uns Moses daher die Aufgabe, wie „ein Licht für die Völker“ zu sein, indem wir die Einheit an alle Menschen übermitteln, die sie nicht durch Abraham oder Moses empfangen konnten.

Für Liebe Kämpfen

Es war nicht einfach, aber unsere Vorfahren gaben sich größte Mühe, um ihre Einheit aufrechtzuerhalten. Auch sie erfuhren Ausbrüche des Egoismus, aber sie lernten, ihre Bindung zu stärken, indem sie ihr Ego mit der Liebe für andere im Gleichgewicht hielten.

Das Buch Sohar (Achare Mot) beschreibt den intensiven Hass, welchen die alten Juden erlebten, und wie sie das Endziel, Einheit und Liebe für andere an die ganze Welt zu übermitteln, im Herzen behielten. „Siehe wie gut und angenehm, wenn Brüder geeint zusammensitzen.“ „Diese sind Freunde, wenn sie unzertrennbar zusammensitzen. Zuerst scheinen sie wie Krieger, die sich gegenseitig umbringen möchten. Dann kehren sie zu einem Zustand der brüderlichen Liebe zurück. …Und ihr, Freunde, die ihr hier seid, so wie ihr zuvor in Zuneigung und Liebe ward, so werdet ihr euch auch fortan nicht trennen … Und wegen eurem Verdienst wird es Frieden in der Welt geben.“

Judenhass beginnt

Vor ungefähr zwei Jahrtausenden misslang uns der Übergang vom Verlangen, einander zu töten, wie der Sohar es ausdrückt, zum Verlangen, einander wie Brüder zu lieben. Erbitterter Hass brach zwischen uns aus und verursachte unser Exil. Schlimmer noch, ohne einander zu lieben und ohne Einheit waren wir nicht in der Lage dazu, ein Licht für die Völker zu sein. Durch unseren Hass haben wir das Tor zum Glück der Welt verschlossen.

Die heutige westliche Gesellschaft besteht weitgehend aus den Nachkommen der Babylonier, die Abraham und Moses miteinander verbinden wollten. Wer wird ihnen ohne unsere Einheit den Weg zeigen?

Als wir, die als Wegführer auf dem Weg zur Verbindung angedacht waren, in unbegründeten Hass verfielen, begannen die Völker unbewusst damit, uns für ihre Schwierigkeiten zu beschuldigen. Da sie das Wesen unserer Verfehlungen nicht deutlich aussprechen können, bezichtigen sie uns aller Schwierigkeiten, denen sie gegenüberstanden. Zur gleichen Zeit haben wir, ein Volk, welches einst die Nächstenliebe als Inbegriff unseres Rechtssystems verstand, unsere Einheit nicht weiterverfolgt und unsere Aufgabe vergessen. So konnten wir auch die Wut der Völker nicht verstehen. Dadurch entstand das, was wir als Antisemitismus bezeichnen.

Je Größer das Ego, desto Größer der Hass

Mit jeder neuen Generation verstärkt sich der menschliche Egoismus und veranlasst uns dazu, eifriger und bösartiger die Vernichtung der anderen zu suchen. Ohne ein Gegenmittel gegen unsere eigene wachsende Bösartigkeit werden wir uns selbst und unseren Planeten zerstören.

Das Ego verstärkt sich wellenförmig. Diese Wellen überschwemmen die Welt und lassen dann nach, um der Menschheit Ruhe für Selbstüberprüfung und Korrektur zu geben. Die jüngste Welle trat in Form des 2. Weltkrieges auf. Nun stehen wir einer weiteren Welle gegenüber, und wie immer wird sich die Wut zuerst gegen die Juden entladen. Da unsere Egos ruchloser denn je sind – wie wir leicht erkennen können, wenn wir auf die Welt um uns herum schauen – sollten wir erwarten, dass die nächste Runde des Judenhasses verhältnismäßig schlimmer wird.

Zurück zu den Wurzeln

Trotz alldem können wir den verhängnisvollen Trend noch umkehren, wenn wir zu den Wurzeln unseres Stammes zurückkehren. Es spielt keine Rolle, dass die Völker nicht wissen, dass das, was sie von uns brauchen, die Einheit ist, oder dass wir deren Vorzüge vergessen haben. Alles was wir machen müssen, ist es, uns daran zu erinnern, dass „Hass Hader erregt, und Liebe alle Übertretungen bedeckt“ (Sprichwörter 10:12).

Die brüderliche Liebe zwischen uns wird erwachen, sobald wir sie durch unsere Anstrengungen in Bewegung setzen. Unmittelbar danach können wir abermals „ein Licht für die Völker“ sein, und dann wird die Welt ihre Einstellung uns gegenüber verändern. Aus diesem Grund steht geschrieben: „Die beste Waffe gegen Unheil ist Liebe und Einheit. Wenn es Liebe, Einheit und Freundschaft in Israel gibt, kann kein Unheil über sie kommen“ (Maor Washemesh).

In der Hoffnung, seine Brüder in Polen vor dem Holocaust zu retten, schrieb Rabbi Yehuda Ashlag: „Das israelische Volk wurde als eine Bindeglied errichtet, durch welches Funken der Reinigung an die gesamte Menschheit in der ganzen Welt weiterfließen werden.“ Damals fand sein Appell keine Beachtung. Wir dürfen so etwas aber nicht noch einmal geschehen lassen.

Mit gegenseitigen Schuldzuweisungen aufhören

Lasst uns in diesem Jahr die gegenseitigen Schuldzuweisungen endgültig ad acta legen. Rosh HaShanah ist nicht nur der Anfang eines neuen Jahres; es ist auch Rosh Hashinui (der Anfang der Veränderung). Der Hass der Welt uns gegenüber veranlasst die Welt dazu, jede einzelne unserer Bewegungen zu beobachten. Lasst uns dies zu unserem Vorteil nutzen und nicht zum Vorteil der Welt. Lasst uns miteinander verbinden und zeigen, dass wir „unsere Übertretungen mit Liebe bedecken“ können. Lasst uns den Weg zum Frieden ebnen, indem wir den Frieden zwischen uns selbst herstellen. Lasst uns in diesem Jahr „ein Licht für die Völker“ sein, zum ersten Mal in der neueren Geschichte, und lasst uns dieses Jahr zum Jahr der Veränderung machen.

Chag Sameach

Frohes Neues Jahr

Die Korrektur kann nicht an einem Tag erledigt werden

Frage: Worin liegt der Unterschied zwischen der Versündigung gegenüber dem Menschen und jener gegenüber dem Schöpfer?

Antwort: Die Versündigung ist die Nutzung des eigenen Egoismus zum Schaden des Nächsten. Und „der Nächste“ – das ist alles, was außerhalb eines selbst existiert. Die Versündigung im Bezug auf den Schöpfer ist ein Verbrechen gegen die allgemeine höhere Kraft, die die ganze Welt erfüllt. Das Verbrechen besteht darin, sich nicht auf die ganze Welt so zu beziehen wie zu seinem eigenen Besitz.

Der Schöpfer will, dass wir Ihm gleich werden. Stell dir vor, dass du der  Besitzer von der ganzen Welt bist. Wie würdest du dich zu dieser Welt beziehen? Du würdest diese Welt lieben, schützen, auf sie aufpassen. Sogar die kleinste Ameise wäre für dich kostbar wie du selber. Wichtig ist aber die Beziehung zu Menschen, weil du mit ihnen eine gegenseitige Bindung aufbauen und dich mit ihnen zu einem Menschen mit einem Herzen verbinden kannst. Das heißt seine Sünde sühnen.

Mit der egoistischen Ausnutzung anderer Menschen begehe ich gegen Ihn ein Verbrechen. Und wenn ich mich zur ganzen Welt nicht wie zu mir selbst verhalte, ist das ein Verbrechen gegen die höhere Kraft. Weil ich die ganze Welt wie einen Teil von mir empfinden soll. Ich befinde mich in dieser Welt wie im Inneren eines Kuchens, wo alles miteinander zu einem Ganzen verbunden ist und ich bin verpflichtet, mich zu allem, was mich umgibt, wie zu mir selbst zu verhalten.

Alles, was wir um uns herum sehen, ist der Schöpfer, die Natur. Wenn ich mich zur ganzen Welt nicht wie zu mir selbst beziehe, kann ich an Jom Kippur nicht mein Verbrechen begreifen, bereuen und Vergebung erhalten. Weil von der nichtlebendigen, pflanzlichen und tierischen Welt keine Reaktion zu erwarten ist.

Mit anderen Menschen muss ich mich auf so eine Art verbinden, dass sie mich lieben und ich sie. Die Liebe deckt alle Sünden zu. Ich muss  die Methode der Verbindung mit meinem Freund realisieren, indem zwischen uns solche Verhältnisse aufgebaut werden, die man die Liebe nennt.

Zu lieben heißt, einander nah zu sein, dass ich alle Verlangen des anderen fühle und versuche, sie zu erfüllen und er seinerseits alle meine Verlangen erfüllt. Wir verschmelzen so, dass es zwischen uns keinen Unterschied mehr gibt. Und so sollen sich alle Bewohner dieser Welt verbinden.

Wenn wir das erreichen, erfüllen wir alles, was die höhere Kraft von uns verlangt – wir realisieren die Vorbestimmung, wofür wir erschaffen wurden.

Jom Kippur ist ein Symbol der Korrektur, die nicht an einem Tag im Jahr erledigt werden kann. Jeder ist verpflichtet, an sich zu arbeiten, bis er die Endkorrektur erreicht: sich mit der ganzen Schöpfung zu einem Herzen, einem Verlangen zu verbinden und auch mit dem Schöpfer zu verschmelzen.

Seine Versündigung zu sühnen heißt, solche Handlungen durchzuführen, die zum Verschwinden der egoistischen Verlangen führen. Sie werden durch das Verlangen zu lieben ersetzt.

Frage: Worüber soll ich am Jom Kippur nachdenken, damit er glimpflich ausgeht?

Antwort: Denke daran, dass du geboren wurdest, damit du die Liebe zu allen erreichst und durch diese allgemeine Liebe die zukünftige Welt und den Schöpfer hier und jetzt offenbarst.

Aus der TV Sendung „Neues Leben“ vom 17 September 2015

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9. Av – In der Zwinge zwischen Plus und Minus

 

 

Die Frage: Wieso wird der 9. Av zu dem schrecklichsten Tag des Jahres?

Die Antwort: Wir befinden uns unter der Leitung eines Kraftsystems, das auf uns mal günstig, mal ungünstig wirkt, um uns aufzuwecken und uns die Möglichkeit zu geben, diese Kräfte richtig zu vereinigen und zur mittleren Linie zu kommen. Wenn wir diese Kräfte ausgleichen, kommen wir zur Harmonie. Das ist möglich! Das ganze Jahr gibt es dann die angenehme Temperatur von 25 Grad und alles im Leben wird gut, egal in welchem Aspekt. Der Mensch ist in der Lage, alle Kräfte der Natur zu balancieren, indem er sie ins Gleichgewicht bringt. Am 9. Av wirken die  Gerichtskräfte am stärksten. In Wirklichkeit aber sind sie gar nicht negativ. Sie versuchen uns zum Gleichgewicht zu bringen, die ganze Natur zu balancieren.

Die Frage: Sind diese Kräfte stärker als der Mensch?

Die Antwort: Natürlich sind sie stärker – sie zwingen den Menschen das zu tun, was er tun muss. Die Naturkräfte wirken auf uns und zwingen uns, uns zu ändern. Wir sehen, was für ein Chaos in der Welt herrscht. Die Welt verfällt und rutscht tiefer und tiefer  –  das zwingt uns aber zu handeln. Genau jetzt ist es möglich, die Wissenschaft der Kabbalah für alle aufzudecken und zu zeigen, dass sie uns Möglichkeiten gibt, unser Leben zu erleichtern, da alles in unseren Händen liegt.

Lasst uns ruhig und rational alle Aspekte anschauen und gemeinsam entscheiden, wie wir unser Leben ins Gleichgewicht bringen können. Die Kräfte des Gerichtes scheinen uns nur am Anfang als böse Kräfte. In Wirklichkeit aber gibt es nichts besseres als sie, da sie uns zur Korrektur drängeln. Das Gleichgewicht kann man nur mithilfe der Kabbalah erlangen – wir alleine haben keine Kraft dazu. Wir brauchen eine zusätzliche Kraft von oben, die  höher als unsere Natur ist –  die Kraft des Gebens, der Liebe und der Einheit. Diese Kraft ist in der Lage, die positiven und die negativen Kräfte auszugleichen. Unser Problem besteht darin, dass wir uns zwischen den beiden entgegengesetzten Kräften befinden: plus und minus. Unter ihrer Herrschaft. Deswegen müssen wir sie richtig benutzen. Darauf basiert der gesamte technische Progress: Jedes Triebwerk arbeitet nur unter dem richtigen Einschluss von plus und minus, damit die beiden Kräfte es einschalten können, damit es für uns die richtige Arbeit erledigt.

Wir befinden uns inmitten der Natur, in der positive und negative Kräfte herrschen. Das einziges Problem liegt daran, dass wir in der Mitte nicht wissen, wie wir sie richtig benutzen können, damit daraus ein Kraftwerk entsteht, das aus beiden das Beste für uns herausholt. Genau das lehrt uns die Kabbalah: Wie wir diese entgegengesetzte Kräfte benutzen können. Diese Kräfte heißen: „Die böse und die gute  Ursache, Egoismus und Altruismus, Hass und Liebe. Nichts sollen wir vernichten! Wenn wir diese beiden Kräfte richtig verbinden und benutzen, erreichen wir die besten Ergebnisse überhaupt.

Dafür aber brauchen wir eine spezielle Wissenschaft, da wir in einfachem Leben nicht wissen, wie wir plus und minus ausbalancieren können. Wir lieben oder hassen. Wir müssen aber beide Gefühle vereinen. Wir sollen über Liebe und Hass aufsteigen. Dann können wir diese Kräfte lenken und mit ihrer Hilfe unser ganzes Leben harmonisieren. Stellt euch vor, wir machen das in der Familie, mit den Kindern, auf der Arbeit, mit den Freunden. Im Rahmen unserer materiellen Welt. Wir würden glücklich sein. Liebe und Hass müssen zusammen existieren und sich gegenseitig ausbalancieren. Es gibt nichts überflüssiges in dieser Welt, man sollte aber diese Kräfte in Ausgleich bringen. Das lehrt und die Wissenschaft der Kabbalah.

[#163364]

Der Pharao ist die Quintessenz des Übels

bildFrage: Ich glaube, dass die Selbstsucht eine positive Eigenschaft ist, ohne die sich der Mensch nicht entwickeln kann. Wenn ein Kind keine Selbstsucht hat, strebt es nicht nach Lernen und nach Wachsen.

Antwort: Das Streben nach Wissen, Bildung, Kultur, die Welt zu sehen, in den Kosmos zu fliegen bedeutet nicht eine böse Selbstsucht. Der böse Trieb bedeutet schlechte Beziehungen zwischen uns, den Wunsch, den Nächsten zu benutzen, ihn zu unterdrücken.

Der Wunsch, einfach groß zu werden, ist kein Egoismus; vielleicht will ich damit der Menschheit doch etwas Gutes geben. Der Egoismus ist der Wunsch, andere zu unterdrücken , sie zu unterjochen.

Der Pharao, der Zar Ägyptens, ist eine Quintessenz des ganzen Übels. Es ist die besondere Kraft, die jeder Mensch von Natur aus hat; sie wird der böse Trieb genannt und schädigt unsere Beziehungen. Es geht nur um sie, und nicht um das Streben des Menschen nach Entwicklung.

Der Pharao ist der Zar Ägyptens; er beherrscht uns doch absolut, ohne nach unserem Wunsch zu fragen. Er befiehlt uns nur, was wir machen sollen, belastet uns mit der erschöpfenden Arbeit.

Der Pharao befiehlt uns zu bauen, das heißt, vereinigt zu werden. Aber, wenn wir nicht vereinigt werden wollen, steht er zwischen uns und verursacht Streit unter uns und hat Spaß daran.

Der heutige Mensch ist ein Sklave dieser besonderen Kraft, die Pharao heißt. In der Natur gibt es diese Kraft, die die ganze Welt durch die Evolution schiebt. Sie trägt zur allgemeinen Entwicklung der Technologie, der Wissenschaft, der Kultur, der Bildung bei.

Aber innerhalb dieser Entwicklung ist eine Kraft versteckt, die uns zwingt, uns schlecht und egoistisch zueinander  zu verhalten und zu genießen, dass wir höher als andere, erfolgreicher als andere sind, und sie unterdrücken können.

Jeder will Pharao werden und andere verwalten. Wenn er eine Möglichkeit hat, andere so zu kränken, dass sie keine Möglichkeit haben, zu fliehen, hat er daran Spaß. Es heißt, dass jeder von uns in seinem Inneren einen Pharao hat.

 

Aus dem 538. Gespräch über das neue Leben, 22.03.2015

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Zehn Gebote der Vereinigung

Frage: Am Feiertag „Schawuot“, der die Gabe der Tora symbolisiert, bitte erklären Sie den Sinn der zehn Gebote – welche am Berg Sinai ausgesprochen wurden und die man jeden Tag wiederholen muss?

Antwort: Für uns bedeuten die zehn Gebote vor allem die Prüfung unserer Verlangen bezüglich der Vereinigung. Es handelt sich nur um die Vereinigung.

Die Gabe der Tora erfolgt nachdem das Volk die Bedingungen der gegenseitigen Bürgschaft, wie ein Mensch mit einem Herzen am Fuß des Berges annimmt. Das heißt, wir verstehen, dass über uns der Berg unserer Selbstsucht erhöht wird, und wir können auf diesen Berg nur mit einem Punkt im Herzen hinaufsteigen. Dieser Punkt heißt Mosche, weil er uns aus unserem Ego herauszieht.

Der Berg Sinai ist riesig, wie der Babylonische Turm und sogar noch größer. Wir haben uns an seinem Fuß versammelt und sind bereit, an diesem Berg unserer Selbstsucht zu stehen. Das heißt, wir sind einverstanden, unsere private Selbstsucht an den Berg abzugeben, um sie nicht zu fürchten, um ungeachtet dieses Berges des Hasses, nach der Einheit zu streben. Obwohl das ganze Ziel unserer Selbstsucht darin besteht, gegen die Vereinigung zu protestieren.

Wenn wir uns so verbinden, dann fordern wir die Offenbarung der Kraft des Gebens innerhalb unserer Einheit. Denn das Streben zur Vereinigung symbolisiert das spirituelle Gefäß, das Verlangen zum gegenseitigen Geben, wie es gesagt wird: „Von der Liebe zu den Geschöpfen – zur Liebe zum Schöpfer“. So nehmen wir die Bedingung der Nächstenliebe, wie zu sich selbst wahr. [136553]

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 03/06/14

Das Schlachtfeld bin ich selbst [117042]

Rabash, Brief 36: Der Feiertag Sukkot löst alle Fragen, selbst die schwierigsten. Denn die Laubhütte (Sukka) ist ein Schatten des Glaubens, der über den Sonnenschein, d.h. über das Wissen herrschen soll. „Sein Schatten soll mehr sein als sein Licht.“ Wir müssen uns sehr anstrengen, um den Schatten zu erkennen und zu sagen, das es der Schatten der Heiligkeit ist, da der gesamte Schatten vom Himmel herrührt und nicht von der Sitra Achra. Der Schatten dient dem Menschen als der Ort, an dem er den Glauben erlangen kann.

Das Wichtigste ist zu erkennen, dass die Kraft der Gruppe unserem Ego entgegengesetzt ist. Wäre dem nicht so, fiele der Mensch tief in sein Ego und seine egoistischen Gedanken und hätte keine Hoffnung auf Erfolg.

Man muss die ganze Zeit an den richtigen Gedanken festhalten, um sich oben im richtigen Erwachen zu halten, sich an die richtige Kraft klammern und in die richtige Richtung gehen. Das geht nur mit Hilfe der Gruppe und ihrer unaufhörlichen Unterstützung. Es gibt keinen anderen Weg und wir müssen dafür Sorge tragen.

Denn man ist immer noch die ganze Zeit nur mit sich selbst beschäftigt. Doch wenn man die Bemühungen der Freunde nicht missachtet und wenn sie einen positiv beeinflussen, dann wacht man auf und erhebt sich über sein Ego.

Es ein problematischer Moment: Man kann den Schatten nur dann erschaffen, wenn man den Einfluss der Umgebung wichtiger nimmt als die eigene Natur.

Dieser Kampf ist unvermeidlich und man muss immer daran denken, wer darin wohl siegen wird. Man muss sich selbst als Schlachtfeld zwischen Heiligkeit und Sitra Achra betrachten.

Wie kann ich mir versprechen, dass die Gruppe wichtiger ist als meine egoistischen Eigenschaften, Verlangen und Gedanken? Wie kann ich mich dauerhaft dem mächtigen und richtigen Einfluss der Freunde aussetzen? Wenn mir das gelingt, dann habe ich eine positive Zukunft.

Je mehr wir also mit allen Kräften an der Verbindung arbeiten, umso größer ist unser Erfolg.

Frage: Was bestimmt den Ausgang dieses Kampfes außer Glück? Denn ich sehe, dass ich ständig vernichtende Niederlagen einstecke.

Meine Antwort: Du wirst immer verlieren. Man kann nur unter einer Bedingung vorankommen: Sich darum kümmern, dass andere nicht fallen, dass die Freunde nicht ihrer Natur nachgeben. Dein Einfluss auf sie soll stärker sein als sie. Beeinflusse und beeindrucke sie also durch Inspiration und die Wichtigkeit des Ziels.

Eine Mutter denkt ebenfalls ständig an ihre Kinder, unabhängig davon, was sie tut und wo sie sich gerade aufhält. Daher müssen wir an der gegenseitigen Fürsorge arbeiten. Wir sitzen alle im selben Boot und werden sinken, wenn jemand ein Loch hineinbohrt.

Alles liegt in unseren Händen und nur wir können es erfüllen. Möglicherweise werden uns Schläge dabei helfen, zu verstehen, was es bedeutet, tatsächlich im selben Boot zu sitzen.

Frage: Ich spüre ständig, dass ich ausschließlich mit mir selbst beschäftigt bin und nicht an die Gruppe denke. Wie kann ich mich von der Illusion befreien, dass ich selbst etwas bewirken kann?

Meine Antwort: Du musst es weiter versuchen. Dich um dich selbst zu kümmern wird nicht helfen, aber du wirst zumindest erkennen, dass es ohne gegenseitige Unterstützung nicht geht. Wir brauchen ein großes gemeinsames Gefäß, das all unsere Freunde in Israel und in der Welt einschließt – und wir müssen uns natürlich auch mehr anstrengen.

Natürlich werden uns auf dem Weg Hindernisse begegnen, die sich als „Hilfe gegen dich“ enthüllen. Doch du wirst dann zweimal darüber nachdenken, was zu tun ist.

Schließlich muss man Folgendes verstehen: Wenn man sich nicht verbinden will, dann bekommt man zusätzliche Hindernisse, die dich in Stücke reißen, dich in andere Richtungen drängen oder dich mit verschiedensten Problemen konfrontieren. Und das einzige Hilfreiche ist, wenn du über all diese Hindernisse die Verbindung stellst. Das ist die Antwort auf alle zukünftigen, externen Probleme, die deswegen kommen werden, damit wir die richtige Vereinigung erlangen.

Frage: Aber auf die Hindernisse zu warten, ist doch der Weg des Leides?

Meine Antwort: Wenn du sie sowohl auf dem materiellen als auch auf dem spirituellen Niveau überwindest, dann wird alles in Ordnung kommen.

Auszug aus dem Unterricht zum Thema „Sukkot“, 18.09.2013

Im Schatten der vorübergehenden Behausung [117045]

Der Feiertag Sukkot symbolisiert Freude. Es ist ein bemerkenswerter, angenehmer, einfacher Feiertag, den die Menschen sehr mögen. Er fordert eine frühzeitige Vorbereitung, ist aber trotzdem von einer fröhlichen Atmosphäre durchgedrungen. Warum?

Vor allem nach dem Erhalten der Tora an Shawuot des neunten Av haben wir unser Zerbrechen erkannt, was auch das Zerbrechen der Tafeln symbolisiert. Dann haben wir die Erkenntnis des Bösen erlangt und am jüdischen Neuenjahrstag (Rosh Ha-Shana) entschieden, dass wir eine Korrektur benötigen. Dann ist der Tag der Sühne (Jom Kipur) eingetreten. In der Sprache der Kabbala gilt das als Umarmung der rechten und der linken Linie, als Verbindung der Eigenschaften des Gerichtes (Dinim) mit jenen der Barmherzigkeit (Chasadim).

Und endlich beginnt der Feiertag Sukkot oder die besonderen Korrekturen, wonach ich meine Verlangen schon zum Geben erheben kann. Das Symbol dieses Prozesses ist die Laubhütte (Sukka). Alles ist äußerst einfach: Ich benutze die elementaren, „wertlosen“ Verlangen, die durch die Zweigen und die Blättern der Laubhütte dargestellt werden. Sie machen nicht viel her, aber gerade aus ihnen baue ich die vorübergehende Behausung – ein schütteres Dach, um wenigstens etwas über dem Kopf zu haben. Er ist aus Material gebaut, das keinen Wert hat und das man überall finden kann.

Nachdem ich diesen Zustand bzw. diese vorübergehende Unterkunft aufgebaut habe, kann ich mich darin freuen. Somit symbolisiert die Laubhütte das spirituelle Gefäß (Kli), worin ich das Licht empfange. Und das dach ist das Symbol des Schirmes (Masach): Ich will kein direktes Licht empfangen, und der Schatten soll überwiegen, das Licht soll durch das Dach kaum durchdringen können.

Und ich bin darüber froh, dass ich über mir den Schirm gebaut habe, der mir hilft, den höheren Überfluss zu verbergen und im Schatten zu bleiben. Mit anderen Wörtern kann ich mich schon selbst (natürlich nur mit Hilfe des Lichtes, das zur Quelle zurückführt), von den Genüssen im spirituellen Gefäß abhalten.

Der Prozess dauert fort: Ich korrigiere mich in meinen wachsenden Gefäßen (Verlangen), ich befinde mich zusammen mit ihnen in „der Laubhütte“, ich kann sie enthüllen und mittels des Schirms benutzen.

Und dann tritt der Feiertag Simchat Tora („die Freude der Tora“) ein. „Die Tora“ ist das Licht, das zur Quelle zurückführt, das ich am Shawuot bekommen habe. Ich verwende diese Kraft für die Korrektur der Gefäße und gehe jetzt aus „der Laubhütte“ heraus. Mit anderen Worten habe ich jetzt einen unbeschränkten Schirm und brauche mich nicht mehr um das Dach sorgen.

Der Auszug aus „der Laubhütte“ ist das Symbol dafür, dass ich von nun an frei durch die ganze Realität “wandern” kann. Ich muss keinen Schirm über dem Kopf bauen, weil er jetzt in mir ist. Ich befinde mich im eigenhändig korrigierten Gefäß.

Auszug aus dem Unterricht zum Feiertag Sukkot, 18.09.2013