Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Bildung&Erziehung'

Nur das Verlangen ist wichtig

Frage: Wird die Entwicklung des Studenten beschleunigt, wenn er stets Fragen an den Lehrer stellt?

Meine Antwort: Nein! Dies sagt nichts aus. Es gibt welche, die ständig fragen, weil sie alles ganz genau wissen wollen. Und es gibt solche, die im Gegenteil, nur schweigen. Man versucht sie zum reden zu bringen, aber sie schweigen dennoch. 

Es spielt keine Rolle, in welchem Stil die Studenten lernen: Einige schreiben jedes Wort auf, andere schauen herum, als hörten sie gar nicht zu. Für mich spielt es keine Rolle. 

Mir ist nur wichtig, dass die Student irgendwas von mir lernen will. Und gemäß seinem Verlangen nehme ich seinen Punkt im Herzen, sein kleines Kli (Gefäß) und fülle es. 

Darum habe ich viel Geduld und werde nicht müde. Ich bin bereit, jeden Tag zu unterrichten, und habe Angst, Zeit zu verschwenden: Wenn ich irgendwohin fliege, versuche ich Zeit aufzuholen, um zum Unterricht rechtzeitig da sein. Ich teile meine Tage nach Stunden auf, in denen ich unterrichte. 

Aus dem russ. Unterricht.

[#200355]

Bildung – die Lösung zu allen Problemen

Frage: Das Jahr 2016 war ein Jahr der europäischen Zersplitterung und Teilung. Wie kann Europa richtig verbunden sein?

Antwort: Das ist keine Zersplitterung und Teilung, sondern die Enthüllung dessen, was es in Europa schon immer gegeben hat; es ist geblieben, wie es immer war.

Nur durch Bildung kann es vereint werden! Das ist das Einzige, das die Welt braucht. Das größte und einzige Problem ist die Erziehung der Menschen! Niemand hat jemals danach gehandelt!

Erziehung ist ein Ansatz zu einem Verständnis und der Möglichkeit, andere zu lieben und sich mit ihnen zu verbinden. Entgegen unserer Natur, in der wir niemanden lieben. Die Weisheit der Kabbala zeigt uns, wie wir das trotzdem ausführen können. Ein Mensch muss zu Adam (Mensch) werden, der das System der Natur, in dem er existiert, versteht.

Dies ist ein geschlossenes integrales System, welches sich ständig entwickelt, verändert und vorwärts bewegt! Heute befinden wir uns an der Schwelle von sehr ernsten Veränderungen: Sowohl in der menschlichen Gesellschaft als auch in der Natur der Umwelt. Lassen Sie uns herausfinden und lernen, wie man das, was von uns abhängt, realisiert. Alles hängt nur vom Menschen ab.

Frage: Mit anderen Worten, möchten Sie ein Fach in einer Schule hinzufügen, dass über die innere Welt eines Menschen, über seine Situation unterrichtet?

Antwort: Nicht nur über seine innere Welt, sondern auch über die äußere Welt. Ich möchte einem Menschen ein Verständnis für die Welt geben, in der er lebt!

Kommentar: Der Mensch erhält das auch heute, wenn er die Naturwissenschaften in der Schule studiert.

Meine Stellungnahme: Ich sehe nicht, dass jemand, einschließlich der Medien, etwas über das System in dem er lebt weiß. Wenn Politiker und öffentliche Persönlichkeiten, egal wer, die Welt in der sie leben, verstehen würden, würden sie sich dann so verhalten, wie sie es tun?! Sie sind so kurzsichtig, dass sie für sich selbst alles zerstören würden.

Frage: Es gab einen ähnlichen Versuch; Karl Marx schrieb ein ausgezeichnetes Buch „Das Kapital“. Es wurde so umgesetzt und verzerrt, dass die eigentliche Idee, Armut zu bekämpfen, in einen Kampf gegen den Reichtum umgewandelt wurde. Wir wissen, was das Ergebnis daraus war. Wo gibt es die Garantie, dass so etwas Ähnliches nicht in der Zukunft geschieht?

Antwort: Marx war auf seine Weise ein Genie; Ich habe kein Argument dafür. Er verstand alles, bis auf die Sache, dass die Menschen dafür gebildet werden müssen.

Auch wenn dies in seinen Schriften hier und da vorkommt, so ist es doch nicht klar und deutlich. Ihm fehlte der Nachdruck. Um die Gesellschaft zu verändern, muss der Mensch erzogen werden. Sein voraussehender Geist hatte die Erwartung, dass sich der Kapitalismus selbst vernichten würde. In der Tat geschieht dies alles in unserer Zeit. Heute sehen wir, dass sich der Kapitalismus, obwohl es in den vergangenen 50 Jahren keine Anstrengungen gab das zu verbergen, sich selbst ausgebeutet hat!

Doch was kommt als nächstes? Es ist wirklich notwendig, nach Marx zu arbeiten, aber es ist nicht möglich, die Menschheit zu einem sozialistischen oder gar kommunistischen Regime, von dem er sprach, zu bringen. Wir müssen das durch Bildung und der einzigartigen Energie, die in der Natur existiert, realisieren! Dann können wir die menschliche Natur verändern, ansonsten werden wir das Ego nicht los. Es wird uns verschlingen.

(200325)

Aus dem Webinar 26/12/16

Ein System, das nicht im Verstand erfasst werden kann

Tora, Deuteronomium 14:21: Ihr sollt kein Aas essen. Ihr könnt es dem Fremden geben, der in euren Städten ist, dass er es esse oder verkauft es an einen Ausländer; denn ihr seid ein heiliges Volk dem Herrn, eurem Gott…

„Der Fremde, der in euren Städten ist“ sind Eigenschaften, die Sie nicht als die Ihren beachten, von denen Sie befreit sind und die Ihnen außerhalb der Grenzen Ihres Wunsches gesandt werden. Es sollte dennoch existieren, denn die ganze Welt befindet sich innerhalb eines Menschen.

In dieser Welt gibt es eine große Anzahl von Nationen und ethnischen Gruppen, die anderen Gesetzen und Bräuchen folgen. Warum? Es zeigt uns, woraus unsere Wünsche bestehen. Wir müssen daher verstehen, dass es hierarchisch eine Menge von allen möglichen Wünschen in uns gibt – von den unkorrigierten, die noch korrigiert werden müssen (heute befinden sie sich auf der Stufe der so genannten Nationen der Welt), bis hin zu den höchsten.

Die gesamte Hierarchie wird nur nach der Möglichkeit verwirklicht, die Wünsche zum Wohl der anderen zu verwirklichen. Ausländer und Fremde können entweder in Ihr Haus eintreten, das bedeutet die Wünsche, mit denen sie bereits für das Geben arbeiten, oder sie können draußen bleiben. Alles hängt davon ab, wie sie sich anpassen und korrigieren.

Frage: Können wir sie Klipot (unreine Wünsche) nennen?

Antwort: Klipot sind die Wünsche, die außerhalb Ihrer Stadt sind. Sie müssen noch genährt werden. Es gibt aber bestimmte Schritte bei deren Ernährung, die sich jedoch nur in dem Umfang offenbaren, wie sie für weitere Korrekturen und das Geben notwendig sind. Dies ist ein sehr ernstes, riesiges, globales System. Es ist unmöglich, es mit dem Verstand zu begreifen; man erfasst es nur innerlich, wenn es in den Sinnen auftaucht. Sie können schließlich das Ganze in Ihren Sinnen wahrnehmen, jedoch ist es unmöglich, es mit dem Verstand zu beschreiben.

Versuchen Sie doch, Ihre Beziehung mit der Gruppe oder Ihrer Familie zu beschreiben. Sie tragen sie in sich! Um sie nach außen darzustellen, bräuchten Sie zahlreiche Bände und könnten noch immer nicht alles beschreiben.

Frage: Ein Mensch denkt, dass dies alles sehr kompliziert ist. Wie können wir das aber erreichen?

Antwort: Es gibt nichts kompliziertes, wenn Sie versuchen, es mit Ihren Gefühlen und nicht mit Ihrem Verstand zu begreifen. Wenn ein Mensch versucht, alles in sich aufzunehmen, dann geschieht alles natürlich.

Von Kab TV „Geheimnisse des ewigen Buches“27/7/16

(198609)

ALL AS ONE! Kabbalah-Kongress, 21.-23. Februar 2017, Tel Aviv

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Student und Lehrer, zwei Stufen

Frage: Wann kann ein Lehrer für den Studenten zum Überträger spiritueller Energie werden?

Meine Antwort: Das geschieht, wenn der Lehrer als Kanal dienen kann, durch den das höhere Licht zum Studenten weitergeleitet wird, oder man hilft dem Studenten zumindest dabei, sich mit einer Zehnergruppe zu verbinden, die dann das höhere Licht anzieht.

Frage: Aber bindet der Lehrer nicht den Studenten an sich?

Meine Antwort: Das kann in der Weisheit der Kabbala nicht passieren! Ich erinnere mich an meinen Lehrer Rabash, den letzten großen Kabbalisten. Seine Größe und enorme Wichtigkeit zeigte er nie. Heute lesen wir seine Artikel, die in meiner Gegenwart geschrieben wurden. Ich erinnere mich an alles, was damals geschah, bis ins letzte Detail, an die Jahreszeit, als wir im Park auf einer Bank saßen, als er schrieb. Ich erinnere mich an alles ganz genau, sogar an die Hintergrundgeräusche und die Stimmen um uns herum. Wenn ich heute seine Artikel wieder lese, dann stelle ich fest, dass ich sie tiefer verstehe als in der Vergangenheit, obgleich seither so viele Jahre vergangen sind.

Es ist nicht möglich, einen Lehrer sofort wertzuschätzen, obwohl er seine innere Welt nicht versteckt. Niemand versteckt irgendetwas vor uns. Damals dachte ich mir: „Ich trete in seine Nähe ein. Ich werde an seiner Seite sein, und dann werde ich ihn schütteln und alles aus ihm herausholen, was er hat!“

Da gibt es überhaupt nichts herauszuschütteln. Der Lehrer ist bereit, alles weiterzugeben. Alles hängt nur von der Stufe ab, auf der ihn der Student verstehen kann. Student und Lehrer sind zwei Stufen. Aber wie kann sich ein Student dem Lehrer annähern, von ihm empfangen, absorbieren und von ihm übernehmen? Das ist eine andere Sache und sie ist nicht einfach.

Aus der russischen Kabbalalektion 8/7/16

[198911]

 

Eine gegenseitige Verbindung zwischen zwei Kräften

Frage: Was sind gute Beziehungen und wie beziehen sie sich auf die Spiritualität?

Meine Antwort: Die spirituelle Welt wird enthüllt, wenn jemand sich so ausrichten kann, dass er sich in einer korrekten, gegenseitigen Verbindung zwischen Gut und Böse befindet. Er tötet nicht das Böse und klebt nicht am Guten, sondern er schafft eine Verbindung, bei der die beiden Kräfte einander ergänzen. Es gibt nichts Böses ohne das Gute und nichts Gutes ohne das Böse; es gibt kein Licht ohne Dunkelheit und keine Dunkelheit ohne Licht. Die mittlere Linie muss sie korrekt stabilisieren.

Wenn jemand korrekt handelt, indem er sich zwischen diesen beiden Linien ausrichtet, dann wird sein Egoismus ständig wachsen. Auf diese Weise kann er eine positive Kraft erzeugen. Er stellt sich dem Egoismus entgegen und erbaut sich selbst in der mittleren Linie. Dies fasst die gesamte Methode der Weisheit der Kabbala zusammen, und das ist Erziehung des Selbst.

Sobald eine Person korrekt zwischen den zwei Linien arbeitet, fühlt sie dann die höhere Welt in der mittleren Linie. Das ist der Naturzustand, der aus der exakten Balance zwischen der positiven und der negativen Kraft besteht.

Auf den Stufen von unbelebt, pflanzlich und belebt kooperieren diese Kräfte miteinander auf natürliche Weise, instinktiv, was keinerlei Arbeit erfordert. Aber auf der menschlichen Stufe müssen wir diese gute Kraft in der Natur finden, um die negative Kraft dadurch auszubalancieren und uns so weiter zu entwickeln. Menschen, die die schlimmsten auf der Welt überhaupt sind, können gleichzeitig höher steigen als alle.

Die beiden Kräfte findet man scheinbar außerhalb des Menschen, aber wenn wir dem dann nachgehen, erkennen wir die negative Kraft in uns und wir fühlen, welche positive Kraft wir brauchen, mit der wir die negative Kraft ausbalancieren können. All dies ist nur möglich, wenn wir korrekt miteinander in einer Zehnergruppe arbeiten.

Aus der russischen Kabbalalektion 7/3/16

[198633]

Zwei Sprachen und ihre Höheren Wurzeln

Frage: Was ist so besonders an der hebräischen und der aramäischen Sprache, das in anderen Sprachen nicht existiert? Wie ergänzen sie sich gegenseitig?

Antwort: Nehmen wir an, dass es möglich wäre, die gesamte Weisheit der Kabbala in die englische Sprache zu übersetzen und sie in dieser Sprache zu erlernen, da es die am weitesten verbreitete Sprache ist, die wir heute benutzen. Es wäre sicher viel einfacher und leichter für alle auf der Welt, da dann grundsätzlich Millionen Menschen die Weisheit der Kabbala lernen könnten.

Das wäre jedoch nicht erfolgreich, weil es eine große Verwirrung zwischen den spirituellen Wurzeln und deren Abkömmlingen gäbe. Es gibt keine Sprache auf der Welt, die mit den höheren spirituellen Wurzeln verbunden ist, außer der Hebräischen und der Aramäischen. Alle Sprachen haben sich in ihrer Entwicklung verändert, außer den beiden.

Wenn jemand aus dem modernen Griechenland jemanden aus dem antiken Griechenland träfe, dann würden sie sich nicht verstehen. Selbst das mittelalterliche und das moderne Französisch sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Und so ist es mit allen Sprachen, außer der Englischen, die nicht solche abrupten, revolutionären Veränderungen durchlaufen hat, weil die Briten konservativer sind.

Die hebräische Sprache stammt vollständig von spirituellen Wurzeln ab, daher ist sie unverändert. Wenn wir heute einen Menschen von vor 3000 Jahre träfen und mit ihm sprächen, dann würden wir mit ihm im selben Hebräisch sprechen.

Natürlich würde er Neologismen wie Flugzeug, Hubschrauber, Pistole usw. nicht verstehen. Aber alle Worte aus den spirituellen Wurzeln sind absolut identisch geblieben. Die Sprache und die Grammatik haben sich im Laufe der Zeit nicht verändert.

Wir lesen Bücher, die vor 3000 Jahren geschrieben wurden, z.B. Sefer Yetzira von Abraham, das vor 3500 Jahren geschrieben wurde, die Tora wurde vor 3000 Jahren geschrieben und der Babylonische Talmud vor 2500 Jahren. Nichts hat sich darin verändert. Wir lesen sie und alles ist verständlich.
Aus der russischen Kabbalalektion 7/24/16

[198775]

Den Menschen bilden

Frage: Tausende Jahre haben Mensch viele Tiere domestiziert. Aber bei einigen besonders grausamen und gefährlichen wurde das nie versucht. Unter ihnen ist ein boshafter Zweibeiner, der sich selbst den unpassenden Namen „Homo Sapiens“ gab. Er vernichtet seine eigene Art in einem Ausmaß, welches bei keinem anderen fleisch- und pflanzenfressenden Bewohnern des Planeten beobachtet wird.

Um einen Menschen zu domestizieren braucht es nur eine Sache: Einander nicht zu töten. Diese Eigenschaft kann sehr einfach erlernt werden durch gute Bildung. Also warum bringt man uns seit dem Tag unserer Geburt durch Filme, Computerspiele, Lieder und Geschichten bei, die eigene Spezies in großem Maßstab zu töten ?

Weil wir auf ein Leben in einer Umwelt mit viel Konkurrenz vorbereitet werden, die sich jederzeit zu einem Krieg ausweiten kann? Diese Kultur nennt man Kapitalismus. Und macht sich jeder, der den Kapitalismus verteidigt, des Mordes mitschuldig?

Meine Antwort: Das Problem ist nicht der Kapitalismus, Sozialismus oder Kommunismus, keiner der „‑ismusse“ und nicht die Gesellschaft im allgemeinen. Die Wurzel des Problems ist eher die menschliche Natur, die sich stets zum Schlechteren wandelt. Seit wir die Höhlen verließen, verstreuten wir uns über die Erde und gründeten Völker, Gruppen und Klans, formten Staaten und Königreiche. Dies geschah unter dem Einfluss unseres „Egoismus“, der größere Gruppierungen, mehr Subordination und größeren Profit verlangte. Das geschieht nicht, weil wir es so wollen, sondern weil sich unsere Natur so entwickelt – aus dem Inneren.  

Die Natur lehrt uns, wie wir zu handeln haben. Philosophie und alles andere entwickeln sich, nachdem wir anders geworden sind und angefangen haben, über uns selbst zu lernen: was mit uns passiert ist. Die Natur gibt uns Konkurrenzdenken, die Notwendigkeit über einander zu triumphieren und andere zu besiegen. Und wir können nichts dagegen tun.

Wir sehen diese Konkurrenz in kleinen Kindern, wie sie miteinander kämpfen und nichts teilen wollen. Und wir sehen es in allen Beziehungen zwischen Erwachsenen in Gesellschaft, Wissenschaft – in allen Belangen. Besonders tritt dies in Schönheitswettbewerben, sportlichen Veranstaltungen oder bei den Olympischen Spielenes zu Tage. Es blüht bei der Arbeit, im Dienst, im internationalen Handel und Business.

Es ist überall – Konkurrenz und Kampf. Kampf zählt zur Normalität in unserem Leben. Die Beziehung einer Person mit der Bank, dem Chef, dem Leben, der Krankenversicherung, dem Bildungssystem, etc. – all das ist ein Kampf. Wir versuchen nicht, den Prozess aus einem positiven Standpunkt zu verstehen, wie wir unser Leben balancieren und es richtig aufbauen können; sondern wir sehen es als ein Resultat unserer Beziehungen und aus Angst, dass jemand vielleicht das größere Stück bekommt.

Es ist ein schreckliches Leben! Wenn wir es nüchtern betrachten, dann sehen wir, dass es ein ständiger Krieg ist, aber wenigstens ein Krieg, an den wir gewöhnt sind, und kein physischer, bei dem Menschenleben genommen werden. Die richtige Einschätzung von Ereignissen wäre, dass alles von der Natur kommt, die wir nicht ändern können. Wir können nur irgendwie miteinander besser zurechtkommen. Die Natur wird weiterhin die Menschheit in ihrer egoistischen Entwicklung vorwärts treiben.

Deswegen wird eine anti-egoistische Erziehung, über die Psychologen sprechen, der Menschheit nicht weiterhelfen. Nur die Lehre der vernünftigen Interaktion tut es. Wir fangen in kleinem Alter an, setzen ein Kind in einen Kreis und entwickeln langsam die Kenntnis,  dass es nicht „ich“ ist, sondern „wir“. Dieses Training ist sehr ernst. Ich habe es bisher nicht in seiner Reinform in der Psychologie gesehen. Die Kabbalah erklärt die Methode und wir haben sie seit langer Zeit angewandt.

Die Grundlage der Methode ist, dass ein Kind richtig mit einer Gruppe interagiert und versteht, dass in diesem Fall die Gruppe das persönliche „selbst“ darstellt. Gleichzeitig wird es untrennbar ein Teil der Gruppe, der Gesellschaft, es liebt es und es betrachtet es als zu Hause. Es beginnt, alle Mitglieder der Gesellschaft als sich selbst zu sehen. Und das ist die Aufgabe: Beziehungen aufbauen zwischen Menschen, bei denen sich alle als eine Person fühlen. Später, wenn eine Person zu einer anderen Gesellschaft kommt, nimmt sie ihre Gewohnheiten mit. Natürlich ist ein solcher Übergang nicht einfach; es ist wichtig vorher zu lernen wie.

Deshalb wird die richtige Interaktion mit anderen gelehrt, das Gefühl für den Mitmenschen oder einen Freund entsteht; die Wahrnehmung für die Menschen mit ihren Gedanken, Absichten und den Grad der Nähe zwischen ihnen entwickelt sich. Man fängt an, andere als sich selbst wahrzunehmen. Mit jeder anderen Person hat man einen momentanen Kontakt, entweder positiv oder negativ, aber wenigstens versteht man ihn. So wird aus Konkurrenz durch gemeinsame Aktivitäten und durch Partnerschaft mit Freunden Kooperation.

Frage: Entwickelt man ein Verlangen dafür, dass andere Erfolg haben?

Antwort: Das ist ein notwendiges Gefühl, das die gleiche Plattform für eine gute Verbindung schafft, in der man beginnt, das als einzige Wahrheit zu betrachten.

Frage: Aber Sie sagten, dieses Prinzip stünde gegen die menschliche Natur. Wie funktioniert das?

Antwort: Es steht gegen die menschliche Natur, aber es steht im Einklang mit der Erziehung, die der Mensch bisher genossen hat. Und gerade mit Handlungen, die gegen seine Natur gehen, erhebt er sich darüber. Er versteht, dass jetzt eine größere Kraft in seinen Händen liegt als die ablehnende egoistische Kraft. Das ist eine altruistische, anziehende, vereinende Kraft. Wenn diese Kraft dank seiner Anstrengungen anfängt zu dominieren, sieht er dass die zwei Kräfte, die altruistische und egoistische, einander erschaffen; sie sind dazu bestimmt, gemeinsam zu funktionieren wie plus und minus im elektrischen Strom, wie die Pole eines Magneten, wie Elektron und Proton in Materie. Die zwei Kräfte können nicht ohne einander existieren und der Mensch lernt, mit ihnen richtig zu arbeiten.

Das ist der Anfang einer höheren Psychologie. Psychologen können die positive Kraft nicht in unsere Welt bringen. Aber genau das ist unsere Hauptaufgabe, da unsere Welt vollständig auf der negativen Kraft aufbaut, wie es geschrieben steht: „Ich habe den bösen Trieb geschaffen“ (Traktat  Kiddushin 30b). Das ist die einzige Kraft, die in unserer Welt wirkt. Und sogar die positive Manifestation, die wir sehen, ist aus Konkurrenz heraus geboren.

Die Weisheit der Kabbalah lehrt, wie wir die versteckte positive Kraft in unsere Welt bringen. Wir können sie aufdecken und in unser tägliches Leben bringen. Dann können wir mit den beiden Kräften arbeiten, der Positiven und der Negativen, und dann wird es möglich sein, an uns selbst zu arbeiten.

Frage: Heißt das, dass man sich von Kabbahlisten leiten lassen muss?

Antwort: Es müssen Kabbalisten vereint mit Psychologen sein. Psychologen müssen verstehen, dass sie alleine nicht die Möglichkeiten haben, die Menschen zu verbessern. Das heißt, die Psychologie ist heute ebenfalls in der Krise.

Die Jugend der USA ist für Kommunismus

Replik: Amerikanische Journalisten sind besorgt: Jugendliche in den USA sind von den Ideen des Sozialismus und des Kommunismus begeistert. Die Hälfte der US-Amerikaner unter 35 Jahren möchte als Präsident des Landes einen Sozialisten sehen.

Antwort: Unabhängig davon, was wir über Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus schreiben,  die Natur bewegt sich nach ihrem Plan. Man kann nichts daran ändern. Anstelle des Kapitalismus muss der Sozialismus kommen. Die Weisheit der Kabbala sprach sogar schon vor tausenden von Jahren darüber, dass der Kapitalismus die höchste Stufe des Egoismus sei, die dem Menschen jede Freiheit gibt – „Tu was Du willst.“

So wird sich der Mensch am Ende der kapitalistischen Entwicklung vergewissern, dass dies eine Sackgasse ist, dass wir mit Egoismus nichts erreichen werden. Wir können einander umbringen, ein Teil kann hungern und der andere den ganzen Reichtum der Erde besitzen, aber nichts anderes wird dabei herauskommen. Daher entsteht ein absolut klares Verständnis für die Notwendigkeit eines Wechsels zu einem neuen, gerechteren System.

Junge Menschen fühlen dies. Dieses Gefühl tritt bei Menschen als Ergebnis ihrer inneren Entwicklung auf und nicht, weil die Gesellschaft sich entwickelt. Die Gesellschaft selbst ist nichts, sie ist eine Folge der Entwicklung ihrer Mitglieder. Daher entwickeln wir uns so, dass wir spüren, wie die individuelle Entwicklung uns zerstört, und dies sollte uns zu der Erkenntnis des Bösen führen. Und der nächste Zustand ist ein Zustand der vollkommenen gegenseitigen Beziehungen untereinander. Den gleichen Beziehungen wie in der gesamten Natur, die erfordert, dass wir sie als ein integriertes, gemeinsames geschlossenes System behandeln, das sich mit allen seinen Teilen in absoluter Kommunikation befindet.

Ich glaube, dass die Entstehung der Neigung zum Sozialismus natürlich ist. Aber auf welche Weise kommt es dazu? Und wie werden es die jungen Menschen verstehen, wie kommen sie dahin und wohin genau gehen sie? Dazu brauchen sie unsere Erklärung.

Echter Sozialismus meint eine Gesellschaft, die eine richtige und gleichberechtigte Gemeinschaft erreichen will, wo jeder sich als gleichwertiges Mitglied wie alle anderen sehen wird, wo für alle und jeden gesorgt wird, und sich jeder um jeden kümmert – und demzufolge sich ein Mensch auch nicht mehr ausschließlich um sich selbst kümmern muss. Zuerst ist das eine vernünftige egoistische Gemeinschaft, ein egoistischer Sozialismus: Ich muss für die Gesellschaft sorgen, damit es mir gut geht.

Doch der egoistische Sozialismus ist eine Übergangsform. Wenn wir ihn erbauen, werden wir seine Elemente, Stufen, Realisierungsmöglichkeiten umsetzen und dann können wir schon kabbalistische Ideen einbringen.

Ich bin für den richtigen Sozialismus, der schrittweise eingeführt wird, mit der Entwicklung der Gesellschaft, mit Hilfe von Beispielen, die wir geben können und allen Arten von Vereinen, Verbänden, Vorträgen, Kursen und so weiter. So wird sich die Gesellschaft nach und nach auf diesem Niveau weiterentwickeln.

[#197315]

Schwarzer Freitag, Teil 1

Frage: Wir leben in der Welt, die radikale Veränderungen in Gesellschaft, Politik, Psychologie und insbesondere in der Verbraucherpsychologie durchmacht.

Es gibt eine außergewöhnliche Aufregung um den 25. November, genannt „Black Friday“; dies ist ein Tag, an dem Waren in Amerika und vielen anderen Ländern für einen speziellen vergünstigten Preis verkauft werden. Einkaufen wird zur Unterhaltung und das Empfangen wird zur Erfüllung. Die Menschen verhalten sich verrückt, sie stehen in langen Schlangen vor den Geschäften an, schlafen in Zelten und warten darauf, dass die Geschäfte öffnen. Im Jahr 2008 wurde ein Mitarbeiter einer Geschäftskette zu Tode getrampelt, als kaufwütige Menschenmassen ein Einkaufszentrum stürmten.

Einkauf und Anschaffung wurden zum wichtigsten Wert in der modernen Gesellschaft und Kultur. Was verursachte solch ein Konsumdenken in der modernen Welt?

Antwort: Die Tatsache, dass wir es gewöhnt sind, einen Menschen nach seinem Reichtum zu beurteilen: wie viel ist er wert, wie viel besitzt er. Wir schauen auf das Äußere eines Menschen, wie er gekleidet ist, wie er sich verhält, welches Auto er fährt, in welchem Haus er lebt, wer seine Frau und Kinder sind und welche Position er in der Gesellschaft hat. Wenn auch in unserer Zeit, die äußere Form an Bedeutung verloren hat. Es war einmal sehr wichtig, jeder musste genau gemäß seinem Status auftreten. Ein Mensch wurde nach seiner Erscheinung beurteilt und sie legte fest, wer er war und welcher sozialen Schicht und Klasse er angehörte.

In unserer Zeit trifft das nicht mehr zu.

Wenn wir einen Mann in einem strengen, schwarzen Anzug, einem weißen Hemd und Krawatte sehen, denken wir wahrscheinlich, dass er ein Anwalt ist. Aber auch unter Geschäftsleuten wird diese Kleidung nicht mehr als zwingend angesehen. Als ich mich mit Wissenschaftlern traf, waren sie sehr locker in Pullover gekleidet. Die Menschen legen weniger Aufmerksamkeit auf die Kleidung.

Das Interesse am Einkauf ist aber immer noch sehr stark, da sich ein Mensch sicherer fühlt, wenn er für seinen Egoismus etwas Angenehmes kauft. Wenn ich einen vollen Kühl- oder Kleiderschrank und ein Auto habe, bedeutet es, dass mit mir alles in Ordnung ist. Das Vertrauen der Menschen in das Leben wird durch diese Werte gemessen. Amerikaner fühlen sich zum Beispiel sicherer, wenn sie mehrere Waffen im Haus haben, „nur für den Fall“. Reiche Menschen bauen dazu Bunker. Andere züchten in ihren Gärten Gemüse, damit sie im Notfall etwas zum Essen haben.

Heutzutage haben die Menschen so viel Stress, dass sie Angst vor der Zukunft haben. An solchen Tagen wie dem „Schwarzen Freitag“ breitet sich diese Hysterie auf die ganze Welt aus. Für den modernen Menschen ist Konsums sehr wichtig. Mit zunehmender Entwicklung legen wir weniger Wert auf die äußere Schönheit, schätzen aber bequeme Kleidung, den Komfort zu hause und in allen anderen Dingen umso mehr.

Besonders die junge Generation scheint weniger an ihr gutes Aussehen zu denken als an den Komfort. Immerhin beschäftigen sich viele schon mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens; sie schieben das materielle Leben in den Hintergrund.

Frage: Es gibt doch ein übertriebenes Interesse am Einkaufen, es könnte mit einer Bulimie verglichen werden. Ein Mensch kauft Sachen und bringt sie dann wieder in das Geschäft zurück. Woher kommt dieses Leiden?

Antwort: Ein Mensch fühlt eine innere Leere, die er mit Einkaufen zu füllen hofft.

Selbst wenn er einen Beruf wählt, achtet er nicht auf seine natürliche Neigung, sondern überlegt, wie und womit er mehr Geld verdienen kann, um sich mehr leisten zu können. Unser natürliches Bedürfnis ist der Wunsch zu genießen und zu empfangen. Die Menschen streben immer nach dem, was ihnen fehlt. Jeder hat ein Standard-Set von Wünschen, die er zu befriedigen sucht: Nahrung, Sex, Familie, Geld, Ehre und Wissen. Sie sind in jedem in verschiedenen Anteilen vorhanden. Jeder benötigt eine andere Füllung. Alle diese Füllungen sind Aneignungen, durch die wir uns zu befriedigen hoffen.

Normale Anschaffungen werden durch einen natürlichen Wunsch und den Einfluss der Umwelt verursacht. Wenn andere die Geschäfte stürmen, motiviert mich das auch zum einkaufen, da wir uns im selben Bereich der Wünsche befinden, die miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Bei jedem Modetrend werde ich genauso davon angezogen.

Wenn an diesem Tag Waren mit großer Ermäßigung verkauft werden, warum machen wir dann keine Liste für die wirklich notwendigen Dinge, die wir im Voraus vorbereiten? Weil wir am Schwarzen Freitag wir unseren Verstand verlieren und nicht kaufen, was auf unserer Liste steht, sondern nach allem grabschen, was auch die anderen haben wollen. Es ist die Folge eines Gruppenzwangs.

Damit ein Mensch versteht, wie es funktioniert, kann ihn nur eine spezielle Ausbildung etwas mehr erheben. Es bedarf einer psychologischen Vorbereitung, die ihm ermöglicht zu verstehen, warum etwas so geschieht, woher es kommt und wie er etwas auf vernünftige Weise erreichen kann. All die Aufregung wird künstlich angeheizt und die Menschen für die Werbung verkauft.

Als Ergebnis zahlt ein Mensch mehr Geld als erwartet. Er kauft sich das Gefühl, dass er nicht schlechter als alle anderen lebt und im Leben erfolgreich ist. Er sieht, dass er in gleicher Weise wie die anderen handelt und sogar etwas mehr gewonnen hat als sie. Es gibt hier einen Wettbewerb, die Erfüllung für unseren Egoismus ist dort größer als üblich. Infolgedessen stopfen wir die Welt mit Dingen voll, die wir nie brauchen und die schnell am Müll landen: Nahrung, Gerätschaften, ungetragene Kleider und Schuhe.

Auf diese Art beschränken wir uns. Schließlich werden wir, wenn wir der Menge, der Mehrheit folgen, nichts Besonderes erreichen. Um ein besonderes Ziel zu erreichen, müssen wir uns von der Masse und der „Massenkultur“ trennen und uns darüber erheben.

Von Kab TV „Neues Leben“ 24/11/16

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